TAG 1 / Avenches EM daily Blog präsentiert von EQUISTRO

Mittwoch war Anreisetag.. meine Güte, Avenches ist wirklich am Ende der Welt 😀 Noch hinter Bern in einem Zipfel der Schweiz. Gut, dass ich direkt aus Aachen gekommen bin, so hatte ich quasi die halbe Strecke schon hinter mir.

15:00 begann schon die Verfassung, aber ich habe ehrliche gesagt nicht damit gerechnet, dass ich es rechtzeitig schaffe.. 16:30 war ich dann auf dem Gelände und wie der Zufall es wollte, waren die 6 deutschen Reiter genau jetzt dran in der Verfassung. Herausgeputzt wie immer für den ersten Vet-Check, bereits unter den Augen einiger Zuschauer, kamen die Deutschen einen nach dem anderen herein und trabten vor. Die beiden Schimmel zu Anfang, die man kaum unterscheiden kann (Carjatan von Christoph Wahler und Casino von Dirk Schrade) und die ziemlich wild waren. Die wollten wohl zeigen, dass ordentlich Energie in ihnen steckt. Danach Michael Jung mit Wildwave, Anna Siemer mit Avondale, Andreas Dibowski mit Corrida und zum Schluss unsere Titelverteidigerin Ingrid Klimke und Hale Bob. Dem sah man seine 17 Jahre überhaupt nicht an, denn er freute sich mit einigen Bocksprüngen auf der zweiten Hälfte der Trabstrecke.

Alle deutschen Pferde bekamen ohne Zögern ein „Accepted“, sodass wir schnell zum Teamfoto übergingen. Gar nicht so einfach mit der Reisegruppe, denn die beiden Schimmel waren schon wieder im Stall und der deutsche Trainerstab um Hans Melzer versuchte, Reiter, Pferde, Pfleger zusammen zu halten.. das hat sogar geklappt und die FN und einige andere (unter anderem ich) konnten ein Teamfoto machen. Hans hat sich dafür extra angestrengt, damit der mittlerweile leicht gelangweilte Bobby mal ein Öhrchen vor macht. Casino und Carjatan im Gegensatz waren immer noch sehr aufgeregt und schlossen das Bild links und rechts mit gespitzten Ohren ab.

Nun hatte ich endlich Zeit, mal das Venue zu betrachten. Trotz der Größe sind Stallungen, Reitplätze, Arena und Parkplatz nah beieinander. Das kann man nicht verpassen. Das Presse-Haus ist allerdings schon ein bisschen weiter entfernt. Akkreditierung abgeholt und dann ging es im Grunde schon mit der Eröffnungsfeier (17:30) weiter.

Die Eröffnung war sehr traditionell gestaltet, es gab den Einmarsch der Nationen, einige Schaubilder (2-Spänner-Quadrille zum Beispiel) und dann noch eine Explosion. Ja, ich meine eine richtige Explosion, wo einem kurz die Luft wegbleibt. Mit einer Kanone… irgendwie hat damit beim ersten Mal keiner gerechnet.. hui, da waren alle wach!

Beim Einmarsch wurde auch klar, wer dieses Event wieder dominieren würde: Die Briten. Eine reine Girls Gang diesmal und alle in einheitlicher Kleidung, weiße Bluse, Jeans und Fax and Favour Stiefel. Die sahen schon sehr cool aus! Daneben natürlich Bundestrainer Chris Bartle.

Das Welcome Barbecue danach war auch sehr liebevoll gestaltet. Alles for free, Snacks, Flammkuchen, Brote, Aufschnitt. So konnte man sich in ungezwungener Umgebung austauschen. Egal, ob Reiter, Presse, Pfleger, Zuschauer, Mitreisende und und und. Das war also mein erster halber Tag in Avenches.

Achja, zwischendurch wurde noch deutsche Mannschaft benannt: Ingrid, Michi, Dibo und ANNA! Wie sehr hab ich mich für Anna gefreut. Damit haben wir ¾ der gleichen Mannschaft wie zum Triumph 2019 in Luhmühlen (mit Ingrid, Michi und Dibo). Das kann nur gut werden!

Und wir haben eine halbe Equistro Mannschaft mit Ingrid und Anna, die Markenbotschafter für Equistro sind! Danke an Equistro für den Support des Avenches EM daily Blogs!

Donnerstag wird also spannend. Die ersten 3 deutschen Reiter werden in der Dressur starten. 10:45, 12:15 und 14:22. Die ersten beiden Teamreiter sind Anna und Dibo. Für mich geht’s um 10:00 aufs Venue. Mein Campingplatz ist ca. 5km entfernt, keine lange Fahrt.

Donnerstag: Anna gehts gleich ins Viereck. Wir sind gut befreundet, deswegen ist es mehr als meine „Presse-Aufregung“, da bin ich schon immer besonders nervös. Avondale sah so toll draußen aus, trabte toll und dann gings rein. Ich hielt meine Kamera drauf.. die andere war im Rucksack fürs spätere Interview. Anna lieferte eine absolut solide Vorstellung ab. Lediglich der zweite Wechsel war ein wenig zu spät.. sie sagte später, dass sie dachte, sie hätte Avondale mehr vor sich, aber irgendwie, ach, war sie da nicht mehr. Eben typisch Anna. Ein bisschen emotionaler als die anderen. Sie war ganz zufrieden mit ihrer Dressur und freute sich, im Team zu sein. „Die Heroes und ich“ 😀  Und auch der Startplatz 1 als Pathfinder macht ihr nichts aus, so kann sie mehr für sich reiten und hat nicht so viel Druck am Ende.

Ansonsten fand ich – jetzt darf ich es sagen im Nachhinein – dass sie etwas schlecht wegkam mit den Wertnoten (31,5). Ich sah später andere Reiter mit 29 Punkten, die deutlich schlechtere Runden insgesamt hatten. Das ist natürlich schade, aber wie heißt es so schön: Das wird sicher kein Dressurwettbewerb. Das Gelände ist, so wie es sich momentan anhört bei den Reitern, knackig schwer und diesmal ja auch länger als die Dressurprüfung mit über 10min. Die Euro wird auf 4* Lang Niveau ausgetragen und Anna und Avondale liegen die langen Prüfungen. Das hat sie in Kentucky eindrucksvoll bewiesen. Ich denke, das ist auch ein Grund, weswegen sie in die Mannschaft gekommen ist. 2 Jahre ohne Hindernisfehler im Gelände. Und besonders schön, dass sie nun mit Hans Melzer bei seinem letzten großen Championat nochmal für die Mannschaft reiten darf. Er war bereits ihr Pony-Bundestrainer!

Dann kamen als zweiter Deutsche Christoph Wahler und Carjatan S. Ein besonders schöner Schimmel, der tolle Dressuren gehen kann, wenn Christoph ihm im Griff hat. Aber der Knoten ist wohl geplatzt. Eine super schöne Dressur mit toll herausgearbeiteten Wechseln und sehr beständig in der Anlehnung. Das schlug sich auch in der Wertung nieder mit 26 Punkten. Bisher Rang 2 hinter Piggy March (eine sehr erfahrene Engländerin). Im Interview war er sehr zurückhaltend, hat quasi nur gesagt, dass Carjatan sich heute gut reiten ließ. Aber ich hab noch einen kleinen Speed-Talk mit ihm aufgenommen, da kam er mehr aus sich heraus, denn es war auch etwas persönlicher. Vielleicht haben wir in der Mixed Zone auch nicht die richtigen Fragen gestellt 😉

Mittlerweile ist die Sonne rausgekommen und es ist Mittagspause. Um 14:22 geht es weiter mit Dibo. Letzter deutscher Reiter für Donnerstag und zweiter Teamreiter. Es bleibt spannend.

14:20, die ganze Mannschaft steht bereit, wenn Dibo gleich ins Viereck geht. Corrida sieht super aus. Und dann liefern die beiden sowas von ab. Eine sehr schöne Dressur, viele Höhepunkte, keine Unsicherheiten und die verdienten Punkte von 25,6, damit Rang 2 in der laufenden Wertung und eine absolute Bestleistung. Fürs Team sind das wichtige Punkte. Im Interview erklärt sich Andreas mit einem echten Lächeln sehr zufrieden mit den Punkten und seinem Pferd. Das kommt ja nicht zu häufig vor, dass er auch mit seinem Ergebnis zufrieden ist. Und ganz spannend: Corrida geht ja auf Kandare (in der Vielseitigkeits-Dressur kann man sich das auf dem Level aussuchen, daher sieht man sowohl Pferde auf Trense als auch auf Kandare) und es ist einfach das Gebiss, mit dem sie am zufriedensten läuft. Dibo hat erzählt, dass er es letztes Jahr in einer 2* nochmal auf Trense versucht hat, aber das garnicht geklappt hat.. hat mich ein bisschen an meine Nessi in der Dressur erinnert. Wenn das Pferd zufrieden ist mit dem Gebiss – ist doch alles gut.

Nach Dibo kam noch einer der Österreicher, über den ich mich besonders gefreut habe: Robert Mandl. Ihn habe ich zuletzt auf den ländlichen Europameisterschaften 2019 in Westerstede getroffen. Unglaublich, was er da für eine Entwicklung durchlaufen hat in den letzten 2 Jahren. Von 3*S bei einer Amateurmeisterschaft zu einer 4*L bei einer Profi-Meisterschaft bei den Senioren. Und das, obwohl er erst seit 2016 überhaupt international Vielseitigkeit reitet. Er ritt vorher bis Grand Prix Dressur. Ein super sympathischer Kerl mit sehr viel Talent. Das Interview seht ihr im VLOG.

Und dann war die Dressur auch fast zu Ende. Und dann standen die Ergebnisse nach Tag 1: Die Engländer sehr sehr stark mit Platz 1 und 2, danach Dibo und Christoph. Alles sehr eng zusammen wie zu Erwarten war. Deutschland nur Rang 3 in der Mannschaftswertung, aber noch ist nicht aller Tage Abend.

Doch mein Tag war noch lange nicht um. Ein bisschen Schnitt hier, eine Story da, gucken, dass ich nicht komplett den Überblick verliere über all die Tasks. Und dann noch 2 Interviews mit Chris Bartle (dem unglaublich guten Trainer der Engländer) und Mike Etherington-Smith (Course Designer Geländestrecke) und um 16:00 durfte ich eine Runde mit Ingrid Klimke auf der Geländestrecke drehen! Puh, die ist vielleicht lang. Aber dazu gibt’s dann morgen im Blog mehr, sonst wird das hier definitiv zu lang und nimmt gar kein Ende mehr.

2 Legenden: Lucinda Green (67) und Ingrid Klimke (53)

Ich hoffe, euch hat der erste BLOG gefallen, schaut auch gerne das „Zusatzmaterial“, den VLOG, denn ich teile mich dieses Wochenende quasi in 5 Teile und versuche, Euch so gut wie es geht mitzunehmen und ich denke, auf so vielen Kanälen ist auch für jeden was dabei 😉

Hier findet ihr noch den ersten VLOG! Mit einigen Interviews etc.

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