Extrem viel Respekt – und dann überglücklich

Osnabrück-Hellern, 19.08.2017 / VL

In Osnabrück stand die erste VL wieder an. Ich war froh, dass es in Vechta noch die A war, um eine Einlaufprüfung zu haben. Alani hat dort gezeigt, dass er wieder bereit war – sowohl, was die Strecke und Kondition angeht, als auch was seine Bereitschaft anging. Er hatte total Bock aufs Gelände und fühlte sich pudelwohl. Das gab mir ein gutes Gefühl für die L. Ansonsten war die Vorbereitung ein Auf und Ab. Dressurmäßig lief es mal besser, mal schlechter, konditionell waren wir noch auf der Galoppbahn und machten Meter (das fühlte sich gut an), das Abschluss-Springtraining war dagegen richtig mies. Da hatte ich wieder kurze Bedenken, überhaupt losfahren zu können.

Recht kurzfristig haben wir uns dazu entschlossen, doch Freitag schon die Hinreise anzutreten, weil eine liebe Leserin meines Blogs uns eine Box in Osnabrück besorgt hatte. Danke Daria!! Wie das Freitags dann immer so ist.. mit Arbeit, Packen, Verladen, Loskommen.. dann noch Stau etc. wir waren so 21:30 erst im Stall in Osnabrück. Da warteten noch mehrere Leute auf uns, die Box war vorbereitet, Heu schon drin. Ein wirklich warmer und sehr gut vorbereiteter Empfang.. hab ich so auch noch nicht erlebt!!

Alani war nach der 4h Fahrt etwas wackelig auf den Beinen, aber in der Box entspannte er sich schnell. Und mit Futter im Trog und ner Menge Heu vor der Nase geht sowieso alles viel besser. Wir hielten uns nicht allzu lange auf, denn auch im Gästehaus war die Ankunft etwas spät und wir wollten gerne nicht im Auto übernachten 😉 Hat alles noch geklappt…

Morgens ging es ziemlich früh wieder hoch. Start der Dressur 09:00, Ich startete als 6. Starter, leider gab es keine Startzeiten, aber ich rechnete mit ca. 09:20. Also: 08:20 aufm Platz mit eventuell Stollen drehen, fertigmachen, etc. Dann 08:00 losfahren in dem Stall und 07:15 einflechten, verladen, etc. d.h. 07:00 im Gästehaus los, 06:30 aufstehen. Gibt auch schönere Uhrzeiten. Aber wenn man das zurückrechnet mit den 3-4h Fahrt, hört sich 06:30 eigentlich ziemlich gut an.

Wir waren super im Timing (Stall war glücklicherweise auch schon offen um 07:00), bekamen sogar noch einen Kaffee im Gästehaus und pünktlich 08:40 saß ich aufm Pferd. Das Abreiten war etwas abenteuerlich, weil es keinen eingezäunten Platz gab, sondern ein Stück Wiese/Geländestrecke neben den Vierecken dafür vorgesehen war. Der Boden war leicht uneben durch die verschiedenen Koppeln, aber alles in allem war es total ok, ich konnte Alani gut lösen. Er trabte schön vorwärts. Das Einzige, was draußen nicht mehr so gut klappte, war die Trabverstärkung – da sprang er immer an. Es dauerte nicht lang, da musste ich auch schon rein.

Die Aufgabe (VL3) war super blöd zu merken. Also hatte ich schon vorher Angst, dass ich mich verreiten würde. Ganz ehrlich? Auch, wenn sich das jetzt etwas überheblich anhört: Aber ich hab mich noch nie verritten. Deswegen war ich eigentlich trotzdem guter Dinge, nach dem Motto „wird schon klappen“. Ich hatte jedoch eine Stelle im Training, an der ich die Aufgabe mal vergessen hatte (erst die Schlangenlinie, dann die Galoppverstärkung) und konzentrierte mich daher voll auf die Schlangenlinie. Und tadaaaa – danach war Blackout. ich ritt auf C zu und dachte nur „was kommt jetzt“, vielleicht Trab? Ich trab mal. Natürlich falsch. Weiter Galopp, denn da kam die Verstärkung. Naja, dann fiel mir in einer Blitzsekunde natürlich alles wieder ein, aber ärgerlich wars trotzdem. Ganz nebenbei: Ich war nicht die einzige, die sich an diesem Tag verritten hat. Gefühlt klingelten die Richter bei jedem zweiten 😀

Ansonsten war ich mit der Aufgabe aber ganz zufrieden. Klar geht es immer besser, Alani müsste mehr Ausdruck haben, ich müsste besser aufm Pferd sitzen… Aber unsere Lektionen waren ordentlich, alles war gezeigt, Trabverstärkung war nicht angesprungen, im Mittelgalopp machte er sich beim Überstreichen einmal frei, aber ansonsten war ich zufrieden und rechnete mit dem Mittelfeld. So eine 48er Dressur dachte ich.

Dann guckte ich erstmal beim Springen. Das sollte 09:30 losgehen.. für mich eigentlich normal – eine halbe Stunde nach Dressur. Aber was ich nicht bedacht hatte: Zwei Abteilungen von VA und VL starteten schon ab 07:00/07:30, d.h. zum Springen gab es erstmal einen ordentlichen Stau. Bemerkt haben wir das natürlich erst, als wir schon mit Alani fertig auf dem Abreiteplatz waren und mich in der Liste eintragen wollten. Da war ich plötzlich 28. Pferd. OMG. Das hab ich auch noch nicht erlebt.. so viele Pferde in der Vielseitigkeit auf dem Springplatz. Meine Mitstreiter traf es aber teilweise noch härter – 33. und 41. Pferd. Wir hatten also noch ein bisschen Plauder-Pausen-Zeit 😉

Der Boden im Parcours war durch den Regen ein bisschen rutschig und der L-Kurs etwas schwierig. Sie hatten gegenüber Vechta nicht genug Platz, A und L gleichzeitig auf dem Platz aufzubauen, daher waren im L nur 4 höhere Hindernisse und der Rest lief über den A-Kurs. Das war für die Pferde natürlich ein bisschen verwirrend und ich fand es vorprogrammiert, dass man bei den Steilsprüngen schnell einen Fehler sammeln konnte. 1,2,3,4 ging über A und 5a/b war eine höhere Steil Kombi. Trotz guter Distanz hatte ich einen Fehler an 5a – eben, weil das der erste höhere Steil war. Danach kam aber keiner mehr dazu, das hatte Alani dann verstanden. Obwohl ich mich vor der letzten Kombi noch ganz schön verzuppelte, machte Alani einen super Job.

Viertel nach 11 waren wir dann mit den ersten beiden Teilen fertig. Für mich sollte es dann erst gegen 17:00/17:30 ins Gelände gehen. Ein langer Tag mit großer Pause dazwischen. Aber auch wieder gut, dann hatten wir genug Zeit, Gelände abzugehen, zwischendurch sogar noch über die ClipmyHorse App ein bisschen Europameisterschaft aus Strzegom zu gucken und naja, dann waren immernoch 2 Stunden übrig. Natürlich holten wir auch Alani nochmal runter vom Hänger, liefen ein bisschen mit ihm, ließen ihn grasen undsoweiter. Kurz bevor wir dann wieder fertigmachen wollten, lief ich rüber zur Meldestelle. Dort waren die Ergebnisse dann endlich ausgehängt. Hm. 54er Dressur (10. nach Dressur) und der Fehler im Springen machte keinen Unterschied. Ich fands etwas schlecht bewertet, schade eigentlich. Aber so brauchte ich mir keinen Stress im Gelände zu machen, denn es würden nur 5 platziert.

Apropos: Zum Gelände (denn das ist doch eigentlich das spannendste): Beim Abgehen merkte ich schon, was für einen Ditsch mir die letzten Turniere mit Teddy verpasst hatten und die Pause mit Alani hat natürlich auch ihre Spuren hinterlassen. Bei vielen Sprüngen hatte ich doch sehr viel Respekt. O-Ton: Kann ich nicht doch wieder E-Gelände reiten? 😀 Na, die ersten paar Sprünge waren schön zum Reinkommen, bei 4 musste man sich schon etwas konzentrieren, ein schmaler Sprung aus der Wendung mit Bodenwelle davor. Bei 6ab wurde es zum ersten Mal spannend – Kombination ins Wasser, mit knappen 2 Galoppsprüngen und einem dicken Baumstamm als erstem Hindernis. Dann 7abc, ebenfalls Kombi ins Wasser, diesmal mit Haus, also noch etwas glotziger. Dann 8/9, Sprünge in und aus einer Senke. 10 war ein hässlicher offener Trakehner. Um 12abc machte ich mir auch so meine Gedanken, Billard auf, ab und direkt mit 6m Entfernung ein schmaler Sprung, der noch nicht mal auf gerader Linie stand. Eine sehr technische Abfrage, wo die Pferde gut zuhören mussten. Wir haben da auch sehr lange diskutiert, ob es wohl besser ist, mit einem oder zwei Galoppsprüngen da runter zu reiten. Das ist das schöne im Busch, auch wenn man sich nicht jede Woche sieht, man kann solche schwierigen Stellen einfach besprechen, hören, was der andere ehrlich denkt. Dann 13/14/15, in den Platz rein, über eine Platzbegrenzung und wieder raus. Selbst da überlegte ich, ob Alani das wohl verstehen würde, über eine Platzbegrenzung zu springen. 16ab waren schmale Ecken in gebogener Linie, auch da mussten die Pferde gut am Bein sein. Und danach kam im Grunde nur noch einer, der mir Kopfzerbrechen bereitete: die 19. Ein offener Trakehner aus dem Wald raus – Schwierige Lichtverhältnisse, schwierige Bodenverhältnisse davor. Das heißt, man konnte nicht mit zu viel Dampf ankommen, Pferd gut am Bein haben und noch genügend Zeit, die ganze Situation richtig einzuschätzen. Zu ruhig ging aber auch nicht, weil der Trakehner dafür zu viel zu springen war.

Eine andere Herausforderung der Strecke lag in der Zeit. Laut meinem Runtastic war die Strecke ca. 300-400m länger als auf der Skizze stand. Das heißt, man musste schonmal per se schneller reiten. Aber überhaupt war es eigentlich nur auf der ersten Hälfte der Strecke möglich, die 520m/min zu reiten. Danach wurden die Wege schmal/durch den Wald/etc. und die Anzahl der Sprünge reduzierten das Tempo auch nochmal. Meine Minutenpunkte passten irgendwie auch nicht mehr, da war ich bei 6min im Ziel und die Zeit war 5:22.

Durch die viele Zeit, die wir zwischendurch hatten, machte ich mir natürlich noch mehr Gedanken: Reiten? War Alani schon wieder soweit? Wie mach ich es mit der Zeit? Wie reite ich dies, wie reite ich das? Ewiges Gedankenchaos.. typisch. Letztlich sagte meine Mum: Reite doch auf Sicherheit dadurch, scheiß auf die Zeit und konzentriere dich erstmal nur auf die Strecke und wie Alani sich anfühlt. Und damit war ich dann auch motiviert. By the way: Diesmal erhielt ich eine Erlaubnis, mit Helmkamera zu reiten und ich freute mich darauf. Für mich ist es beim Angucken immer so, als könnte ich nochmal in das Gefühl während der Strecke eintrauchen.

Sie zogen dann noch eine halbe Stunde vor, aber das führte bei uns nicht zu allzugroßem Stress. Wir hatten soweit alles vorbereitet und starteten eben etwas früher mit dem Fertigmachen. Auf dem Pferd ging es mir schon deutlich besser, ich war guter Dinge. Mit einer Mitstreiterin ging ich die Strecke nochmal komplett durch und dann gings ans Abreiten. Alani glotze ganz schön bei den ersten Warmmach-Sprüngen. Haha, fast schon wie Teddy. Aber es wurde besser. Es dauerte nicht lang, dann startete auch schon meine Abteilung und ich war dran. Airbagweste einstöpseln, Helmkamera an. Dann fehlte nur noch die Uhr. Und es fing natürlich an zu regnen. Richtig. Nicht nur ein bisschen Niesel, sondern wie aus Eimern. Damit war klar, dass ich erstrecht nicht auf Zeit reiten würde. Gerade mit dem Regen wurde auch die Sicht und der Boden schwieriger.

Dann gings los. Alani war händelbar in der Startbox und galoppierte gut raus. 1,2,3 war kein Problem. Auch die 4, das schmale Element, löste er super. 5 kein Ding, dann ein bisschen Galopp – zu 6 bekam ich eine etwas große Distanz, aber Alani zuckte super los und machte einen tollen Job. Um die Wendung etwas Fahrt aufnehmen, dann wieder ruhig, aber er stellte auch zu 7 nichts in Frage. Den richtigen Aussprung nehmen, dann zu 8 und 9. Da hab ich nicht zu viel Tempo gemacht, sondern bin eher so geblieben, damit er die Senke gut einschätzen kann. Dann kam 10, der erste hässliche Trakehner.. ich kam etwas dicht, aber mein Superpferd hatte auch da überhaupt keine Schwierigkeiten mit. 11ab war eine einfache Billardkombi, da musste man nur auf den richtigen Aussprung achten. Wendung zu 12abc, ich kam gut rein, machte die Wendung dann etwas ausholender, damit die Richtung zu C klar war, Alani sah das dritte Element recht früh, die Aufgabe war klar und er super sicher und easy da rüber. Happyness! Ich war so froh, wie toll er das gemacht hat. Dann aber wieder Konzentration. Zu 13 kam ich riesig rein, schnell brrrr und rum, zu 14 guckte er nicht mal groß, auch 15 war easy going. Zu 16 kam ich mit ganz schön viel Tempo an, der erste war kein Problem, aber zu B wurde es dann doch etwas weit. Ging aber gut. 17/18 waren Füllsprünge, die Alani entspannt und nach vorne ging. Nun kam noch der Wald-Teil: Zum einen: Bitte nicht am Baum hängen bleiben, zum anderen: Konzentration auf die letzte Klippe. Das mit den Bäumen klappte gut, auch wenn Alani einmal nach links abbiegen wollte. Und das mit der Klippe lief so: Ich ritt hin, eher Springparcours-Tempo and Pferd schön vor mir. Die Distanz wär riesig geworden und ich dachte, lieber nicht zuppeln, sondern weiterreiten. Aber Alani machte glücklicherweise noch einen kleinen dazu und das war definitv die sicherere Variante. Da hat er mir den Hintern gerettet! Der Rest war dann nur noch heimreiten.

Ich kam mit ca. 6:00min ins Ziel, also doch nicht ganz sooo weit weg – und selbst mit 13,6 Zeitfehlern war ich im Gelände 4.beste, das sagt ja so einiges aus. Überhaupt war im Gelände ganz schön viel passiert, viele Stops, Zeitfehler oder ausgeschiedene Reiter. Ich war erstmal einfach nur überglücklich und musste mich nachm Ziel zusammenreißen, nicht zu heulen 😀 Ich weiß, einige werden jetzt sagen: Wieso? Das Pferd ist doch schon mehrere 1* Prüfungen gelaufen und immer ohne Hindernisfehler, da wird so ne L doch jetzt nicht das Problem sein. Aber trotzdem.. jede Prüfung ist anders, jede Strecke ist wieder eine Herausforderung, vor allem, wenn so eine Pause da war, ist man schon erstmal verunsichert. Und ich bin Amateur und mach das ja auch nicht mit 3 Pferden pro Woche 😀

Der Tag war eh schon lang, da konnten wir dann auch noch auf die Ergebnisse warten. Könnte ja sein, dass man doch noch vorgerutscht ist.. und dann war es typisch: Endergebnis: 1.Reserve 😀 Na, auch nicht schlimm, das liegt ja immer an vielen Faktoren – Dressur hätte etwas besser sein müssen, Springen der eine Fehler.. oder im Gelände ein paar weniger Zeitfehler. Jedes einzelne hätte mich noch in die Platzierung rutschen lassen, aber ich muss sagen: Es war mir wirklich egal !! Das Pferd war so der Wahnsinn im Gelände und es fühlt sich mit ihm immer alles so einfach an. Ich kann das danach immer kaum glauben.

Das Helmkamera-Video gibts bereits auf YouTube und ich hoffe, dass das Follow Me Around dann auch Ende der Woche, spätestens Anfang nächster Woche fertig wird. Soooo Stay tuned!

Ein Kommentar bei „Extrem viel Respekt – und dann überglücklich“

  1. Ich les sonst immer nur still mit, aber wollte dieses mal kurz los werden wie super gut ich deine Beiträge immer finde. 🙂 Keine rosa-Ponyhof-Romantik mit dem ganzen Pikeur und Eskadron ChiChi sondern ehrlicher Sport und eine super Einstellung mit jeder Menge Disziplin und harter Arbeit. Das motiviert auch im eigenen Training mal wieder ein Schüppe drauf zu legen. Da guckt man gerne öfter vorbei um mit euch über die Sprünge zu fliegen…

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