Vermögen kommt nicht aus der Mode

Geländetraining bei Kai Rüder in Reesdorf, 17.04.2017

Wir sind am Ostermontag los nach Reesdorf – und wen hatten wir im Gepäck? Das Nessi-Tier! Ich war schon vorab ein bisschen aufgeregt, weil es ihr erstes Geländetraining seit längerem war und dann auch noch bei einem tollen und so bekannten Trainer wie Kai Rüder. Da kann man sich ja nur blamieren ^^ Ich hatte mich extra in eine E-A Gruppe einsortieren lassen, da ich überhaupt keine Ahnung hatte, was sie so macht. Steht sie erstmal vor jedem Sprung? Geht sie ins Wasser? Springt sie über einen Graben? Macht sie einfach alles lässig? Was ist mit ihrem Überspringen? Naja, wie man sich im Vorwege eben so den Kopf zerbricht über Dinge, die noch garnicht passiert sind.

In Reesdorf angekommen, guckten wir erst noch kurz bei der Stunde, die gerade lief, und verschafften uns einen Eindruck. Kai war super drauf und in Reesdorf war ganz schön viel passiert seit wir das letzte Mal da waren. Viele neue Sprünge, auch etwas schwerere (sie wollen im Mai eine VL machen, zu der ich leider leider nicht kann.. voll ärgerlich). Das Wetter war wechselnd (April eben), aber ich hatte die Hoffnung, dass es wenigstens trocken bleibt.. die meiste Zeit war das auch so!

Dann gings ans Fertigmachen. Für Nessi hab ich natürlich kein Gelände-Outfit, das heißt, wir mussten ein wenig zusammenbasteln. Die Geländegamaschen von Ted, der Stollengurt von Alani, dann passte das Voderzeug nicht mehr und solche Scherze. Am Ende passte aber alles und ich macht mich im Schritt mit einem aufgeregten Stütchen auf den Weg zum Platz. Sie war ganz verwirrt.. so viele Pferde, so unbekanntes Gelände, dann noch die ganzen komischen Sprünge.. was sollte das alles? Aber eigentlich egal, hauptsache rennen und springen. Wenn das geht, dann ist der Rest auch egal.

Im Trab schmiss sie schon nur die Beine und ich war froh, dass ich ein Vorderzeug hatte, wo ich ab und zu reingreifen konnte. Im Galopp wurde es besser und ich ließ sie sich schonmal die erste Energie verpulvern. Dann gings los – erstmal sollten wir alle zusammenkommen und Kai fragte, was die Pferde so gemacht hatten.. „Ähh, nicht viel.. kennt eigentlich nix im Busch. Mal gucken“ – das war grob meine Aussage. Und dann ging es los, an den Kanten etwas klettern, die Sunken Road zeigen und dann hin und her die Kante springen. Klingt erstmal einfach.. aber Nessi fand das nicht unbedingt. Nach oben ging noch alles, aber runter wollte sie partout nicht. Als dann das zweite Mal ein Führpferd vorweg ging, sprang sie ab. Aber WIE !! Ich hatte mich ja darauf eingestellt, dass ich mich anschnallen musste. Aber so?? Nessi sprang nicht wie jedes andere Pferd einfach locker nach unten die Kante, sondern sprang nach oben ab. Ein Satz.. ziemlich krass. Beim zweiten Mal nochmal das Gleiche.. beim dritten Mal sollte sie alleine, ich hab nicht durchgetrieben (noch in Schockstarre von dem Satz), dann wollte sie erst nicht und im nächsten Anlauf klappte es aber und es wurde etwas besser. Aber lange noch nicht so, wie man das eigentlich haben will.

Dann ging es an die nächste Kante. Bei der ging es noch viel stärker bergab danach und ich hatte etwas Bammel. Erstmal sollte ich nur hoch und daneben wieder runter reiten. Das ging soweit ganz gut. Dann kam die Kante und ich guckte nur Kai an und fragte: „Und du meinst, das geht und ich lande nicht erst da unten im Tal?“ „Ne, das geht schon. Zügel länger und durchtreiben“ Haha, na dann mal los. Er behielt gottseidank recht und Nessi machte nicht mehr so einen krassen Satz. Sie ließ sich zwar noch nicht ganz los und einfach fallen, aber zumindest war es jetzt ein Absprung und kein imaginärer M-Oxer ^^

Als wir damit soweit durch waren, kamen die ersten Linien mit kleinen Baumstämmen und der kleinen Kante. Das meisterte sie super. Sie war zwar noch etwas unsicher, aber wenn man ihren Vorwärtstrieb erhielt und dann klarmachte, dass man da rüber wollte, war alles im Lot. Sie übersprang sich natürlich extrem über den kleinen Baumstämmen, aber das kenne ich ja schon von ihr. Auf der Ebene ist das auch alles zu sitzen. In der zweiten Linie kam dann auch Reifen, Büsche und das Wasser. Puh.. den Reifensprung hatte ich ihr schon ein wenig gezeigt, weil sie beim Abreiten sehr davor geglotzt hat.. bei den Büschen wusste ich garnicht, was sie macht und Wasser? Da waren wir anfangs zwar durchgeritten, aber ob das auch alleine und ausm Galopp geht? Keine Ahnung. Einfach mal drauf ankommen lassen. Die Runde fing super an – die Reifen waren kein Problem – dann nahm sie ganz schön Fahrt auf zu der Buschhürde.. hui, halten? Nö.. Kontrolle war da schwierig. Sie kam davor aber selbst zurück, weil sie doch sehr glotzte.. aber sprang. Und vorm Wasser nahm sie sich auch einmal auf, aber dann sprang sie volle Lotte rein! Ohne Sprung.. oh man! Mit 3 Galoppsprüngen war sie durch das Wasser, weil sie auch mit einem riesen Satz wieder raussprang. Danach kamen dann nochmal Reifen und die meisten vor mir hatten an dem Sprung Probleme. Nessi guckte auch, sprang aber mutig drüber. Finde ich für ein Pferd, das so wenig kennt, ziemlich cool!!

In der dritten Runde hatten wir dann das Wasser aus einer anderen Richtung, zwei schmale Elemente und einen offenen Graben. Das Herzklopfen ging also weiter. Zum Wasser musste man diesmal einen steilen Hügel runter und dann waren zwei Holzlatten jeweils am Eingang des Wassers. Da musste man nicht springen, sondern konnte auch ganz normal drüberlaufen. Ich komme den Hügel runter, kriege das Tier nicht richtig gebremst (ich habs wirklich versucht, so is nicht) und die springt wieder mit einem riesen Satz da rein *kopfschüttel* – nur, dass diesmal ja nicht so viel Platz war und sie ihre 2 Galoppsprünge da kaum hinbekommen hat.. und wieder raussprang. Danach musste ich dann doch einmal eingreifen, um sie wieder auf die Füße zu holen. Das wird sonst gefährlich. Die beiden schmalen machte sie total easy.. zum Wassereinsprung musste ich nochmal anhalten, weil sie den Turbo einlegen wollte und ich wollte mein Glück nicht auf die Probe stellen und doch noch baden gehen. Ausm Trab wars dann wesentlich entspannter. Dann kam noch der offene Graben. Zack – kein Problem – rüber. Hä? War das Zufall? Sie guckte nicht und übersprang sich auch nicht so doll wie andere Pferde beim Graben. Bisschen seltsam ist sie halt schon 😉 Ich habe den Graben dann nochmal wiederholt, weil ich mich vergewissern wollte und sie sprang ihn nochmal genauso. Joa, das ist dann wohl kein Problem für sie.

Als wir fertig waren, muss ich doch zugeben, dass es mir leichter ums Herz wurde. Alle heil, Pferd gut gesprungen, ich oben geblieben. Ich hatte keine Angst beim Reiten, um Gottes Willen, dann würde ich es nicht machen. Aber mit ihr hat man schon mehr Adrenalin beim Reiten als auf den anderen, weil sie noch sehr unberechenbar ist. Aber sie kann auch noch keine coole Socke sein, weil sie das alles einfach noch nicht kennt.

Ich kann Euch jetzt keine klare Aussage geben, ob Nessi wirklich Buchpferd wird oder nicht. Nach dem Training wissen wir nur ein paar Parameter mehr: Es macht ihr sichtlich Spaß! Das Galoppieren mit mehr Tempo und Springen daraus ist voll ihr Ding! Sie hat wenig Angst und geht erstmal alles an! Wir müssen jetzt mal schaun, dass wir einfach immer wieder zum Training fahren und dabei sehen, ob sich der Speed und der Ehrgeiz etwas legen, sodass man damit ruhigen Gewissens auch starten kann. Ich glaube schon, dass es ein tolles Pferd für die Vielseitigkeit wäre, wenn man das in den Griff kriegt. Denn über Höhen muss man sich so schnell keine Gedanken machen und auch nicht, ob man die Zeit schafft 😀 😀 😀

Auf Facebook und Instagram gab es schon ein paar Ausschnitte zu sehen, in den nächsten Tagen kommt dann das ganze Video auf YouTube!

Die Bilder sind alle nur aus dem Video, verzeiht die schlechte Qualität 😉

2 Kommentare bei „Vermögen kommt nicht aus der Mode“

  1. Antje Fischer sagt: Antworten

    Liebe Juliane,
    ich würde mich sehr freuen, per email über neue Blog-Beiträge von dir zu erfahren. Deine YouTube Videos sind sowohl inhaltlich als auch qualitativ eine Freude! Man merkt, dass du vom Fach bist. Und natürlich ist es spannend einem Vielseitigkeitsreiter bei seinen Turnieren über die Schulter zu schauen (oder per Helmkamera mit auf’s Pferd zu schauen). So ermöglichst du Einblicke die mir als ängstlichem Dressurreiter wohl immer verborgen bleiben werden 🙂
    Vielen Dank dafür und ich freue mich auf weitere Beiträge von Dir!
    Viele Grüße
    Antje

    1. Hi Antje,
      sorry für die verspätete Antwort. Du kannst einfach den Klick setzen bei „Benachrichtige mich bei neuen Beiträgen per Email“, dann solltest du immer eine Mail kriegen, wenn was neues online ist 🙂 Und vielen Dank für deinen lieben Comment!! Hab mich sehr gefreut :))))

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