Erwartung, Enttäuschung, Status Quo

Heute gibts mal ein Update auf dem Blog zu den letzten beiden Wochen. Ihr habt ja sicher mitbekommen, dass ich mit Alani und Ted nicht unbedingt vom Glück verfolgt werde dieses Jahr…

Erwartung

Ich hatte die Erwartung, nach meinem VL-Einstieg in Osnabrück endlich wieder eine CIC* in Langenhagen reiten zu können. Es gab viele Gründe, warum ich mich extrem auf dieses Turnier gefreut habe. Zum einen war es wirklich seit langem wieder eine internationale Prüfung, über ein Wochenende, mit Stallzelt und eben dem Turnierflair, das ich so mag. Außerdem war der Fahrtweg nicht allzu weit mit Hannover. Dann ist Langenhagen eigentlich seit langem schon auf meinem Kalender, aber irgendwie hat es noch nie so richtig klappen wollen. Ich war vor Ewigkeiten mal da mit Gustl oder Jimmy? Oje, das müsste ich jetzt nachgucken, ist ja auch egal. Aber ich hab mich dran erinnert, dass es ein superschönes Turnier war. Und wir haben auch nur Gutes gehört… Noch mehr hab ich mich dann gefreut, als die Startzeiten online kamen und wir alles schön gebündelt zusammen hatten, mit Dressur und Springen am Samstag nachmittag und Gelände am Sonntag vormittag. Das war ideal, weil Nessi dann auch nicht lang allein geblieben wäre. Beim Durchgucken der Startlisten entdeckte ich außerdem zwei alte Freundinnen aus Hessen, die zu Juniorenzeiten mit mir im hessischen Kader waren – ewig nicht mehr gesehen und darauf freute ich mich dann auch noch.

Viele Gründe also, wirklich auf dieses Turnier hinzufiebern. Für mich ist Busch (insbesondere die internationalen Prüfungen) eben schon etwas ganz anderes als Springen oder Dressur auf einem Turnier um die Ecke zu reiten… da finde ich es nicht so schlimm, wenn das mal nicht klappt oder ins Wasser fällt. Noch dazu kommt natürlich der Hintergrund, dass solche Turniere einfach sau teuer sind. Allein die Startgebühr ist meist um die 120€, und wenn man noch eine Box braucht, kommen nochmal 100€ oben drauf, die man bei der Nennung direkt mitmieten muss, wegen des Stallzeltes.

Enttäuschung

Die ganze Woche davor war schon etwas komisch. Ich war Montag/Dienstag auf der Spoga in Köln (erster Bericht von Ann-Christin ist bereits online), da konnte ich nicht reiten und Mama kümmerte sich um Alani, Montags kam noch der Schmied, um alles wieder schicki zu machen.. alles war gut. Mittwoch war ich dann in Dresden zum Arbeiten und bekam eine Nachricht, Alani hätte sich ein Eisen hinten krumm getreten, steht auf dem Aufzug und würde auf 3 Beinen laufen. Erster Schock. Eisen wurde sofort abgenommen und Schmied kam gleich mittags und machte das Eisen wieder ordentlich drauf. Da meinte er, dass es keine Verletzung gäbe und er auch nicht fühlig wäre. Also – zittern.. vielleicht nochmal Schwein gehabt? Abends ist meine Mum dann geritten und er lief ganz normal. Also chakka – wirklich Glück gehabt.

Und dann kam der Donnerstag. Erst die super Nachricht mit den Startzeiten und dann abends der Anruf: Wir müssen den Tierarzt rufen, der hat mega dicke Beine. Dicke Beine? Hä? Hat das was mit dem Eisen zu tun oder wo kommt das jetzt her? Es stellte sich heraus, dass er fast 40 Grad Fieber hatte und damit einen Virusinfekt. Da war Lagenhagen natürlich gestorben. Mit einem kranken Pferd fährt man selbstverständlich nicht los. Und schon garnicht, wenn der was hat, was evtl. noch ansteckend ist… Meine Enttäuschung war schon sehr groß. Abends, nachdem der Tierarzt weg war, war ich echt total geknickt.

Dem Pferd kann ich ja keinen Vorwurf machen, aber irgendwie kommen wir da auf keinen grünen Zweig. Mit dem Fieber war er wirklich etwas weggetreten. Der Arme. Ach man, ich hatte mich so gefreut und dann nix – plötzlich das ganze Wochenende ein leerer Raum. Nicht, dass ich nicht 1000 andere Sachen zu tun hätte, aber man ist erstmal so vor den Kopf gestoßen. Die Ansage war dann Schritt – Kühlen – Schritt, Temperatur messen. Freitag morgen war das Fieber runter, durch das Mittel, das wir gespritzt haben. Die Beine nach wie vor dick. Auch Samstag, Sonntag, Montag kaum eine Verbesserung.

Ich meine, ich wusste, dass wir diese Saison jetzt nicht mehr alles reißen, weil die Zeit einfach zu knapp ist von Ende Juli bis Anfang Oktober.. es bleiben ja kaum mehr als 2,5 Monate und da kann man ja auch nicht mehr so viel reiten. Aber ich hatte die Hoffnung, wenigstens die 4 Turniere, die geplant waren, zu reiten (Vechta, Osnabrück, Langenhagen, Segeberg). Im Busch ist es ja auch nicht so, dass man jede Woche loskann – zumindest mach ich das nicht – mit den 3 Teil-Prüfungen sind die Pferde ja immer unter einer höheren Belastung und müssen auch etwas regenerieren. Gerade, wenn die Prüfungen schwerer und länger werden. Aber wahrscheinlich stell ich mich nur an.. andere reiten 2 Wochen hintereinander 1* und 2* und die Viecher halten.

Ich muss sagen, bei einer Zeit wie dieser, kommt doch viel Missmut hoch. Ich versuche immer, die Pferde ordentlich zu trainieren, vorzubereiten, auf Böden zu achten, nicht zu viele Turniere zu nennen, genügend Pause und Ausgleich einzubauen, regelmäßige Physio, sehr guter Beschlag und und und. Naja, und mein Pferd ist dann krank bzw. verletzt. Andere schrubben jedes Wochenende und die laufen und laufen und laufen. Da fragt man sich schon, woran das liegt. Klar, ich weiß, dass das jetzt sehr schwarz-weiß Malerei ist. Aber so kommt es einem dann halt vor. Und sowieso – das Gras auf der anderen Seite ist doch immer viel Grüner 😀 😀 😀

Erste Geländesprünge 2012

Status Quo

Nun ist der Virusinfekt eine gute Woche her. Ich habe erst am Dienstag angefangen, wieder zu reiten, ganz vorsichtig. Der Tierarzt war Dienstag und Mittwoch nochmal da, um Antibiotika zu spritzen, weil die Beine nicht wieder normal werden wollen. Außerdem hat sich Alani natürlich noch einen Zusatz geholt. Durch das Fieber und die Oberflächenspannung auf der Haut hat er hinten auch ein Ekzem direkt rechts und links an den Fesselgelenken bekommen. Das haben wir behandelt und ist glücklicherweise schnell zurückgegangen. Aber auch da muss man aufpassen, dass es nicht von einem auf den anderen Tag plötzlich das halbe Bein „befällt“.

Nach dem Reiten am Dienstag abend waren die Beine das erste Mal wieder dünn. Das ist also gut. Aber da weiß man dann auch nicht so genau, was man alles machen kann, denn mit dicken Beinen ist das ganze Lymphsystem da ja noch nicht wieder in Ordnung. Ich will ihn dann auch noch nicht wieder voll anpacken. Longe am Mittwoch. Laufen tut er ganz normal, da merkt man eigentlich nix. Donnerstag dann Dressur und da merkte ich schon, was ich von der Woche Schritt/Stehen hatte. Das Pferd ist natürlich wieder total steif, fest, unbeweglich. Puh, die ersten paar Runden lief der wie auf rohen Eiern, also nicht lahm, aber irgendwie total wackelig. Ich habe dann beschlossen, einfach vorwärts zu reiten – erstmal nach vorne ausgleichen. Und das war auch eine gute Idee, es wurde besser und am Ende hatte es sogar fast wieder was mit Reiten zu tun. Aber weit davon entfernt, in 2 Wochen CIC* Dressur zu reiten. Die Beine waren danach wieder dünn. Das Ekzem unter Kontrolle. Trotzdem muss ich jetzt warten bis die Beine sich wieder normalisiert haben (auch vor dem Reiten) bis ich wieder springen kann. Das warte ich auf jeden Fall ab. Er ist seit Donnerstag auch erst wieder draußen und es kehrt Normalität ein.

Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt. Also hoffe ich weiter darauf, dass ich (vielleicht) wenigstens noch Bad Segeberg die Landesmeisterschaft Vielseitigkeit (30.09-01.10.) reiten kann. Das wäre dann meine einzige internationale Prüfung dieses Jahr. Aber komm schon, Glück, das sei mir doch zu gönnen!

Ein Kommentar bei „Erwartung, Enttäuschung, Status Quo“

  1. Puh, ich weiß genau wie du dich fühlst.
    Man macht sich Gedanken und macht und tut und andere schrubben unreflektiert durch die Gegend (oder zumindest scheint es so) und bei denen läufts…

    Ich denke ich brauch dir nicht zu erzählen: Es wird wieder besser!

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