Alanis Ausfall und sein aufbauendes Training

Ich werde Euch heute mal durch den Verlauf von Alanis Hufgelenksentzündung mitnehmen und dabei selbst reflektieren, wie ich das Aufbautraining mit ihm gestalte/gestaltet habe und wieviel Zeit vergangen ist. Irgendwie ist das ein Beitrag „work-in-progress“ 🙂

Angefangen hat der ganze Spaß am 12. April, kurz nach der VL in Segeberg. Aber ich glaube nicht an eine Verbindung, denn in Segeberg war er super drauf. Ich erinnere mich ziemlich gut an den Tag, weil ich Dressur geritten bin und er war irgendwie komisch. Reines Bauchgefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Von unten war nichts zu sehen, aber irgendwie war etwas unrund. Dann hab ich 2-3 Tage nur Longe und Ausritte gemacht.. dachte daran, dass er sich vielleicht nur vertreten hat oder es verspäteter Muskelkater vom Wochenende war. Am Sonntag (16.April) hab ich es dann wieder versucht und merkte nun, dass Alani lahmte. Nicht stark und nicht eindeutig, aber er lahmte. Wie immer bei meinem „Glück“ war natürlich keine Verletzung zu sehen. Nichts warm, nichts dick, nichts pochte, keine offene Wunde. Also schwer zu sagen, woran es lag. Nicht mal die Gelenke waren offensichtlich gefüllt.

Nach einer Woche Schritt fing Mama wieder an, ihn zu reiten (ich war gerade beruflich unterwegs), erst ging es ein paar Tage gut, dann fing er wieder an, leicht zu lahmen. Zeit also, den Tierarzt anzurufen. Leider war Alani wenig kooperativ, als der Tierarzt dann da war und verweigerte jegliche Behandlung – vor allem am Gelenk selbst. Selbst die Anästhesie, um rauszufinden, wo die Lahmheit wirklich herkommt, war nicht möglich. Alani rastete komplett aus.. Spritzen am Bein oder Gelenk findet er nicht so prall… Wir entschieden dann, dass wir wohl in die Klinik fahren müssen.

Am 04. Mai waren wir dann in Bargteheide in der Klinik, da wir zuhause nicht weiterkamen. Um dort: 1. die Diagnose festzuzurren und 2. am besten gleich zu behandeln, da es vor Ort sicher einfacher und schneller geht. Die Tierärzte sprachen miteinander und so wusste Dr. Sill über den Verlauf bescheid. In Bargteheide war Alani dann ein Musterschüler. Die erste Anästhesie brachte auch gleich die Diagnose: Akute Hufgelenksentzündung, denn nach 5min Einwirkzeit war er schon lahmfrei und hatte auf dem Zirkel die Wechselwirkung, dass es schien, als würde er auf dem anderen Bein lahmen. Das kenne ich aber gottseidank schon. Kein Grund zur Beunruhigung, sondern zeigt eher die Eindeutigkeit, dass er auf dem „tauben“ Bein lahm ist und da der Schmerz herkommt. Wir entschieden vor Ort, direkt die Behandlung einzuleiten, das hieß eine Spritze direkt ins Gelenk mit Hyaluron und Cortison, zusätzlich eine Tildren-Infusion für das Strahlbein (Knochen), das der Grund für die Hufgelenksentzündung ist, weil dort eine kleine Veränderung ist (die er aber schon seit Jungpferdealter hat). So ein Vormittag in der Klinik kostet dann mal schlappe 800€.. puh – Zähne zusammenbeißen.

Die erste Nachuntersuchung (und eventuelle Nachbehandlung, wenn er noch nicht lahmfrei wäre) war nach 3 Wochen – nur Schritt, keine Koppel, bisschen spazieren gehen. Für Alani eher schwierig, denn er ist sehr unausgelastet, wenn er nicht auf die Koppel darf. An sich versucht er sich, zusammenzureißen, aber man merkt ihm einfach an, dass er genervt ist. Und mir tut er dann auch immer so leid, wenn ich ihn in seinem Boxen-Knast sehe. Aber gut, es nutzt nichts. Mama führte ihn irgendwann nicht mehr im Wald rum, weil er echt ausrastete und an der Hand wild rumbockte. Mal so mal so. Ich hatte das Gefühl, dass er sich bei mir echt am Riemen riss und versuchte, in Stricklänge zu bleiben, aber immer klappte das auch nicht.

Der Tierarzt kam also am 26. Mai das erste Mal wieder. Und wir waren dementsprechend aufgeregt… „bitte bitte, sei lahmfrei“ – und er war lahmfrei! YEAY! Erste Etappe: Geschafft. Ich dachte: Ok, dann kann ich jetzt wieder anfangen, das war ja nochmal glimpflich mit 12.4.-26.5. (1,5 Monate).. aber der Tierarzt, lieber zu vorsichtig als zu gewagt, sagte: nun nochmal 3 Wochen mit Schritt und anfangen, geradeaus zu traben.. steigernd. Noch keine Wendungen und keine Longe oder so.

Das klappte ganz gut. Beim Reiten war Alani natürlich noch frecher als an der Hand. Aufm Platz ging es einigermaßen (auch, wenn er sich immer an lustigen Stellen erschreckte ohne dass da wirklich irgendwas zum Erschrecken war), aber im Wald war er echt ein Wiesel. Die kleinste Sache brachte ihn auf die Palme, bei einer Bremse bockte er los, galoppierte auf der Stelle, spielte wilde Sau. Und das sowohl bei mir als auch bei Mama. Trotzdem muss ich sagen, als ich das erste Mal antrabte bei einem Ausritt, war es der Himmel auf Erden. Alani war zurück und mit ihm sein gewaltiger Gang, der einem einfach das Lächeln ins Gesicht zaubert. Ich konnte es kaum abwarten, wieder galoppieren zu dürfen.

Nach weiteren 3 Wochen also – 16. Juni – kam der Tierarzt wieder. Und auch diesmal war das Bangen groß (obwohl ich beim Reiten bemerkte, wie gut er sich entwickelte, hatte man trotzdem Bammel vor dem Tierarzt-Auge). Aber Daumen hoch, grünes Licht!! Alles war prima, er war weiterhin lahmfrei. Im Grunde war das der wichtigste Termin zur Bestätigung, da das Cortison nach 4 Wochen nachließ und so mögliche Schmerzen sich wieder bemerkbar gemacht hätten / hätten machen können.. naja, ihr wisst, was ich sagen will. Der Tierarzt gab uns also grünes Licht zum Aufbau-Training. Langsam steigernd, anfangs noch keine Rechtsvolten oder ganz kleine Zirkel. Und mit dem Springen natürlich auch erst langsam anfangen.

Wir warteten weitere 2 Wochen bis wir ihn wieder mit auf die Koppel ließen. Das war für ihn zwar eine harte Zeit ohne seine Kumpels, ohne seinen täglichen Freiraum, ohne sein Macho-Gehabe (denn er ist der Chef in der Wallach-Herde), aber da musste er durch. Und ich wollte nicht alle Etappenziele verlieren, indem ich das Pferd quasi sofort wieder dem Verletzungsrisiko aussetze. Lieber ein bisschen reiten, wieder auf eine gewisse Basis bringen und dann wieder mit raus, wenn alles ein bisschen gefestigt ist.

Innerhalb dieser 2 Wochen erarbeiteten wir wieder eine normale „Reitstunden-Kondition“, sodass man ihn wieder normal reiten konnte. Der erste Galopp war ähnlich wie der erste Trab ein Traum. Und ein Gefühl von Glück. Ich glaube, sogar für uns beide. Ich merkte, wie Alani sich seiner Bewegung erfreute. Zwar schnell aus der Puste und nicht wirklich „arbeitswütig“, aber einfach wieder froh um die Aufmerksamkeit und die Luft um die Nase. Ich machte langsam – erstmal ein bisschen den Galopp dazunehmen, dann auf 20-30min Reitzeit steigern, dann wieder Wendungen und an die Anlehnung ran. Am Ende der 2 Wochen machte ich auch die ersten Cavalettis (da war der Große dann Feuer und Flamme) und am 01. Juli (wo eigentlich die Segeberger Kreismeisterschaft war, ich aber nicht fahren konnte, weil es nur regnete und regnete und regnete…) ließ ich ihn mit freispringen. Ganz klein natürlich nur.. und ich dachte nur: Oje, ich glaub, er hat das Springen verlernt.

Seitdem sind wir dran, ihm die Dressur wieder näher zu bringen und auch Longe ist jetzt wieder erlaubt. Er macht sich gut, bewegt sich gerade, hat Lust zu laufen, aber nicht unbedingt zu arbeiten, wenn es um Dressur geht. Das war ja schon immer so, dass er zur Dressurarbeit nicht zuuuu motiviert ist. Weil es ja echt anstrengend ist. Kann ich verstehen mit seinem langen Körper… Aber es muss nun mal sein. Es nutzt ja nichts. Nur man muss extrem aufpassen mit seinem Maul. Ist man da ein bisschen zu stark mit der Hand, fängt er an, permanent auf die Zähne zu beißen. Ich habe nun auch die ersten Sprünge wieder gemacht, sogar einen kleinen Oxer :)))) YEAY – noch etwas unausbalanciert, aber es wird besser.

Nun also Status Quo: Ich denke nicht jedes Mal beim Aufsteigen: Oh, schau auf die Uhr, der darf nicht länger als 15min. Ich denke nicht jedes Mal, geht er jetzt wieder lahm? Wie läuft er los? Darf ich die Wendung jetzt reiten? Gut, dass dieses Etappenziel erreicht ist. Am Anfang einer solchen Diagnose denkt man: Ach komm, 3 Wochen, das hört sich doch garnicht so schlimm an. Da bleibt ja sogar noch was von der Saison, wenn alles gut läuft. Effektiv ist es aber so, dass nun fast genau 3 Monate rum sind (12.April bis 13.Juli) und es diese Zeit auch braucht, um die Entzündung zu kurieren und das Pferd wieder auf die Basis-Kondition zu bringen. Und ich rede nicht mal von der, die ich für eine VL oder L-Springen brauche. Da bin ich noch garnicht. Aber das Gute ist, bei einem Pferd, das für die Saison vorbereitet wurde, verliert sich die Kondition und Muskulatur nicht ganz so schnell.

Mir fällt beim Putzen auf, dass er wirklich gut aussieht. Er glänzt, er hat keinen Bauch, er ist positiv gestimmt. Und gestern beim Reiten hab ich gemerkt, wie gut er Dinge annimmt. Ich probiere gerade aus, ihn mit weniger Hand zu reiten. Mehr am Sitz, Bein, An- und Entspannung, Aufrichtung des Pferdes durch eigene Aufrichtung und nur ganz leichte Zügelverbindung. Dann wird auch automatisch sein Maul besser. Durch eine Prüfung kann man so natürlich nicht reiten, aber erstmal geht es jetzt darum, seine Zufriedenheit wiederherzustellen und seine Lust auf die Arbeit. Vor allem geht es mir aber darum, meine Verbindung zu ihm wiederzufinden. Denn auch die hat sehr gelitten in den letzten 3 Monaten. Und die brauche ich für unsere Pläne auf jeden Fall.

Nun sind noch 3 Monate Turniersaison übrig: August, September, Oktober (falls das Wetter hält) und da werden wir mal sehen, was sich realisieren lässt. Ich hatte eigentlich mit Harzburg im August gerechnet, aber bin konditionell doch nicht so sicher, ob das eine gute Idee ist. Daher sind wir gerade eher auf der Suche nach Alternativen. Auch nach Turnieren, die nicht ganz so aufwändig sind… denn Alani muss auch erstmal wieder die Chance haben, reinzukommen 😉 Ich hoffe jedenfalls, dass es so hält und er gesund bleibt. Denn neben der Turnier- und Trainingsplanung ist es natürlich mein Hauptanliegen, dass die Pferde gesund und gut drauf sind!!

Ein Kommentar bei „Alanis Ausfall und sein aufbauendes Training“

  1. […] Gang war. Wir reagierten schnell und waren auch ziemlich bald in der Klinik, um alles abzuklären. Hufgelenksentzündung. Vermutlich 3 Monate bis zum Wieder-Antrainieren. Puh, das war schon erstmal ein Schock – an […]

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