Wir rollen das Feld von hinten auf

Hamm-Rhynern, 18.08.2018 / VA**

2 Wochen nach Vechta ging es wieder in die gleiche Richtung, diesmal aber noch 1h weiter. Deswegen fuhren wir Freitag noch früher los, um nicht zu spät am Stall anzukommen. Glücklicherweise war auch nicht zu viel Verkehr und wir kamen gegen 18:00 an nach 4,5h Fahrt. Ich war zuvor noch nie in Hamm-Ryhnern, aber ich hatte nur Gutes gehört, daher entschieden wir uns dafür. Jetzt fragt ihr Euch vielleicht, warum ich so weit fahre? Weil Holstein/Meck-Pomm/HH im August-September quasi kaum noch was anbietet. Und da ich schon im Juli so wenig reiten konnte (durch meine Jobs und den CHIO), wollte ich wenigstens im „Herbst“ noch ein bisschen in den Busch.

Nachdem Teddy in Vechta beim Gelände nicht ins Ziel kam, hatte ich eigentlich vor, am Wochenende zwischen den beiden Turnieren nochmal zum Geländetraining zu fahren, damit er noch ein bisschen was zu sehen bekommt. Aber natürlich war ausgerechnet am Samstag nachmittag (meine einzige Lücke) Wolkenbruch und richtig Gewitter. Das wollte ich uns dann auch nicht antun. Da ich dann keine andere Chance mehr hatte, bereitete ich mich innerlich schon darauf vor, Teddy nur Dressur und Springen in Hamm zu reiten. Ich muss mir seine gute Laune im Springen nicht verderben durch unausgegorene Aktionen im Gelände, die ich dann doch nicht mehr korrigieren kann.

Warum ihn dann überhaupt mitnehmen? Er war genannt, wir hatten die Box und ansonsten hätte er am Samstag zuhause gar nichts gemacht, also kann man ihn auch mitnehmen und Dressur und Springen reiten. Wie mein lieber Tim aus Hessen immer sagte: Jeder Sprung gibt Kraft. (und ich dichte dazu: Und jedes Viereck auch).

Angekommen in Hamm gings erstmal zur Meldestelle – Box klären, Geländeskizze mitnehmen, nach Startzeiten gucken. Dann einstallen, Hänger einparken, ab auf die Geländestrecke bevor es zu dunkel wird.

Das Gelände war toll gestaltet! Sehr sehr liebevoll, durch die Maisfelder, jeder Sprung schön aufbereitet. Aber neben all dem: Auch nicht zu leicht! Viele Sprünge standen hinter der Kurve, das heißt, man musste die Pferde gut auf der Linie haben und immer vorm Schenkel. Dann kam mein erster „Sorgensprung“ gleich bei 6: Aus dem Wald raus, Kombination mit Bodensenke ein relativ dicker Graben (der nur optisch sehr eindrucksvoll war). Mit so einem Graben von oben hatte ich beim letzten Training in Todesfelde so meine Herausforderung mit Nessi. Das fand sie gar nicht mal so cool. Und das Wasser als Kombi aus der Wendung war auch recht anspruchsvoll. Außerdem bei 16 die Sunken Road mit dem C-Element. Da muss Nessi sich halt sortiert kriegen (innendrin nur 6m ist recht knapp für ihren Galoppsprung). Achso, und dann gabs noch ein richtiges Eulenloch, mit Baum direkt am Durchsprung.. sowas hat sie noch nicht gemacht.

Kurz, ich war recht beeindruckt und hatte bei 3-4 Sprüngen so meine Bedenken.. alles andere war ich recht sicher, dass sie das springen würde. Nun hatte ich sie über die letzten guten Prüfungen ja viel besser kennen und einschätzen gelernt. Da hilft wirklich jedes Gelände. Aber ich wusste auch, dass das gar kein Kurs für Teddy war. Die schmalen Wege zwischen den Maisfeldern, die schnelle Reaktion nach den Kurven und ab und zu die unübersichtlichen Situationen, das macht es für ihn immer besonders schwer. Er kann besser mit solchen Strecken wie Luhmühlen umgehen, wo es viel Platz gibt, wo die Aufgaben ganz früh einzusehen sind. Das festigte also meine Entscheidung wie oben schon angesprochen.

Dann gings nochmal kurz in den Stall, wir holten die Pferde nochmal kurz raus für eine kleine Schrittrunde und dann ab zum Hotel.

Startzeit für Samstag mit Ted war 08:06, also zweiter Starter. Das hieß sehr früh aufstehen. 06:00 aufstehen & rüberfahren, 06:30 einflechten, 07:00 fertigmachen, 07:30 draufsitzen. Erstaunlicherweise saß ich ziemlich pünktlich auf dem Pferd, geschniegelt und gebügelt.

Teddy war leider von Anfang an sehr abgelenkt und nörgelig. Er war nur am Glotzen, konzentrierte sich nur schwer auf mich und dadurch bekam ich ihn auch nicht gut in die Anlehnung. Dass wir in der Halle reiten mussten, machte die ganze Sache nicht besser. Als wir reinkamen, riss er sich halbwegs zusammen, also das sieht dann so aus, dass er sich zwar anspannt an der Tür, bei Lichtflecken und allem, was komisch aussehen könnte an den Wänden, aber er spring zumindest nicht in die Mitte und veranstaltet Mätzchen. Diese Anspannung merkt man aber natürlich und zog sich sehr durch die Prüfung. Rückwärtsrichten war zum Beispiel dann wirklich schlecht – obwohl er das sonst so super macht. Naja, 6,5 war dafür ne ganz normale Note. Fand ich jetzt weder zu schlecht noch zu gut bewertet.

Halbe Stunde später zum Springen auf dem wirklich schönen großen Platz in der Mitte der Anlage. Also schnell umsatteln, abspringen, aber da ich ja ganz am Anfang war, konnten wir da ganz entspannt machen und hatten beim Abspringen auch nur 2 Pferde mit auf dem Platz. Beim Abspringen versuchte ich die neue Taktik, überm Sprung viel Zügelfreiheit zu geben, dann macht er immer einen viel besseren Sprung. Aber die Balance zwischen Freiheit und Druck ist bei ihm soooooo schwierig. Weil ich kann auch nicht am halblangen Zügel durch den Parcours, dann hat er entweder 3 um oder hält sogar mal an ;P Draußen ging es aber ganz gut. Drinnen konnte ich es dann leider nicht immer umsetzen. Erstens war er sehr guckig, ging zu Sprung 1 nicht mal an der seitlichen Werbeplane vorbei und dann sprang er mal richtig gut und mal ließ er richtig das Bein hängen. Keine Ahnung, am Ende 2 um. An so einem Tag muss ich sowieso kein Gelände reiten, das weiß ich dann schon. Da hätten wir beide keine Freude dran.

Nessi hatte ihre Startzeit um 10:22 – das heißt, auch nicht all zu viel Zeit nach Teddy. Ich konnte kurz Brötchen holen zum Frühstück und Mama fing schon mit dem Einflechten an. 09:45 wollte ich aufs Pferd, d.h. 09:15 fertigmachen… aber auch das klappte alles im Timing und ich konnte mit Nessi ausgiebig abreiten. Mama hatte mir am Donnerstag noch Tipps gegeben. Eigentlich war sie beim Abreiten gut, ich hatte nur Probleme auf der linken Hand vom Galopp zum Trab durchzuparieren. Da machte sie sich immer fest und drückte einfach das Maul weg im Übergang. Keine Ahnung, wie ich das anders beschreiben soll. Ich machte es dann einfach 100x und dann wurde es besser. Bei dem Pferd hilft einfach die Wiederholung. Als ich dann in die Halle reinritt, hatte ich ein gutes Gefühl. Sie war gut am Zügel, ich konnte sitzen und das Schöne bei Nessi: Die guckt halt gar nicht. Die läuft brav außenrum, egal, wo man rumreiten möchte, zumindest in Vierecken oder Hallen hatten wir da noch nie Probleme.

Verstärkung super gezeigt, bei den Schlangenlinien muss ich noch bisschen mehr Längsbiegung reinkriegen, da macht sie sich oft bisschen gerade, der Übergang zum Schritt war aber gut. Die zweite Verstärkung fast noch besser als die erste. Galopp bei mir, beim Überstreichen sogar nicht frei gemacht, Verstärkung dann auch wieder gut. Übergang wegen Äppeln etwas ohne Ausdruck, die zweite Galoppverstärkung auf der Viertellinie war dann etwas frei, dadurch dass ich keine Bande hatte, schwankte sie etwas. Halten, Rückwärts war leider schlimm, da arbeiten wir zuhause ganz viel dran, aber das kann sie auf dem Turnier einfach noch nicht umsetzen. Dann noch Viereck verkleinern vergrößern, da hab ich das Verkleinern nicht ganz bis zur Mittellinie durchgezogen, hab dann korrigiert und dann zurück, dadurch war das etwas „ruckelig“, Stute nach links etwas verkantet. Zügel aus der Hand kauen lassen im Trab wieder etwas flott, aber noch im Rahmen und auch schön nach vorne abgestreckt. Halten ordentlich geschlossen.

Ich kam also mit einem guten Gefühl raus, klopfte sie und war echt zufrieden. Dachte so.. naja, ne 8 wird’s nicht, aber sie war eigentlich besser als Ted. Und dann sagt die Richterin „Na, die war ja nicht einmal in Anlehnung. 5,4“

What? Hab ich mich verhört? Oder will sie mich auf den Arm nehmen? Scheinbar nicht. Ich war so perplex, dass ich gar nichts groß sagen konnte… bin dann rausgeritten. Mama kam dann „oh das Dressurpferdchen!“, ich so „Ne, eher nicht“ und erzählte es ihr. Ich glaube, sie war noch geschockter als ich. Schließlich arbeitet sie das Pferd so viel Dressur und dann kriegt man ja ne richtige Klatsche. Ich versuchte sie noch bisschen zu beruhigen, weil es ja keine reelle Note war, sondern ja, keine Ahnung was.. Sie erzählte, dass der Parcourschef sie wohl nach der Runde sogar angesprochen hatte, dass das ja ne ganz solide Runde war (also wir waren nicht ganz alleine mit unserer Meinung).

Naja, geärgert habe ich mich natürlich schon (vor allem als ich die Zwischenergebnisse nach dem Springen sah und da stand ich an vorletzter Stelle mit dieser wunderbaren -69 – Schrecklich). Aber ändern kann man solche Ergebnisse eh nicht und jetzt den ganzen Tag schlechte Laune haben, macht das Ganze auch nicht besser.

Also los zu schöneren Dingen wie zum Beispiel Springen. Wir hatten schnell umgesattelt, ich machte ein paar Sprünge und ab in den Parcours. War für Nessi ja nicht so das Problem 😉 Sie sauste nur über die Sprünge, ich fing sehr ruhig an und ließ sie dann hintenraus bisschen galoppieren, damit wir keine Zeitfehler kassierten. Null.

Dann warten, was trinken, Ergebnisse gucken (von 22 vor auf 18 – immer noch sehr weit weg), warten, nochmal abgehen, Startzeiten für Gelände (Nessi vorletzter Starter um 16:06!). Wir saßen im Schatten, trafen einen Bekannten, den wir schon gaaanz lange kennen, aber auch sehr lange nicht mehr gesehen hatten. Dann klärte ich noch mit dem TD, ob ich mit Helmkamera reiten dürfte (endlich mal wieder ein unkompliziertes Ja). Ach und wir trafen Sabrina vom Kanal „Francisco Dream – Vielseitigkeitspferd“ und quatschten ein bisschen mit ihr. Sie wollte am Sonntag die CIC1* reiten und war deshalb am Samstag schonmal da, um die Geländestrecke anzugucken J

Dann wars (endlich) 15:00 und wir konnten wieder fertigmachen. Spätestens ab da stellte sich bei mir ein Kribbeln in der Magengegend ein. Bei Nessi bin ich immer sehr aufgeregt vorm Start. Das ist schon besser geworden – in Luhmühlen war es noch deutlich schlimmer Anfang des Jahres. Aber es ist immer noch da. Irgendwie weiß man ja nie, wo Nessi hinspringt und ich weiß, dass ich mich immer anschnallen muss. Das wird besser, wenn ich draufsitze. Beim Abspringen war Nessi super, sie ging alles auf dem Abreiteplatz, sehr aufmerksam, aber noch nicht im Modus.. wir kamen oft dicht und ich fand noch nicht den richtigen Rhythmus.. hoffte, dass ich das im Kurs dann hinkriegen würde.

Da ich momentan ohne Uhr unterwegs bin (keine Ahnung, ich scheine sie irgendwo verloren zu haben), mache ich keine Minutenpunkte, sondern reite nach Gefühl. In Vechta hat das ja schon ganz gut geklappt, weil Nessi ein sehr gutes 500m-Tempo-Pferd ist. Sie ist schnell wieder auf den Füßen und hat einen sehr effizienten Galopp. Hätte ich auch nie erwartet letztes Jahr. Da galoppierte sie manchmal noch auf der Stelle ^^

So, jetzt zum Gelände, sonst laber ich mich hier ja zu Tode.

Startbox kein Problem, sie blieb ruhig, dann los Galopp und der Gang war von Anfang an drin. 1 kein Problem. 2 einfach, 3 etwas aus der Linie, aber sie reagierte super und sprang brav. Beim Übergang zum Wald stockte sie kurz, aber wir hatten innen genügend Zeit, um anzukommen bis zu 4. Kein Problem, 5 ging sie groß los, obwohl der recht schmal war. Und dann galoppierte sie super vorweg. Dann kam die 6. Ich nahm früh zurück, sie sortierte sich super nach A, ich machte die Beine zu und ein bisschen Stimme und ZACK, sprang sie im hohen Bogen über den Graben.

OK, damit waren meine Bedenken auch zerstreut. Danach wusste ich, dann macht sie alles andere auch gut. Ich hatte mir vorgenommen (wenn es geht), etwas weniger „aufwendig“ als in Vechta zu reiten. Also wenn sie das anbietet und läuft, dann nicht viel zu schieben oder zu machen, sondern sie machen zu lassen. So langsam kann man ihr ja vertrauen. Und das versuchte ich dann nach der 6 zu machen. Ich ließ sie galoppieren, nahm auf, sodass sie alles früh genug einordnen konnte, aber ansonsten nahm ich mich sozusagen etwas zurück. 7,8,9,10,11 alles super gut. Zu 12 guckte sie kurz, aber dann sprang sie mit ihrem riesigen Herz los ins Wasser. Gut, dass ich auf sowas vorbereitet bin.. sonst setzt es einen einfach nur ab. Galopp und weiter. 13,14 mit großen Sätzen und wieder zurück. Zu 15 brrrr, aber auch da kein Zögern, 16a,b wurde wie erwartet eng, aber sie sortierte sich super gut. C nahm sie sehr spät erst wahr, dann wurde die Distanz auch noch blöd, aber ich dachte, jetzt lieber los als noch einen Galoppsprung und dann vielleicht vorbeigewuscht und Nessi hob ab. 17, das Eulenloch 18, 19 und 20, der Sprung mit den bunten Futtersäcken war alles wie Fliegen.

Und dann waren wir auch noch fast in der Zeit. Nur 4 Punkte kamen dazu (ich glaube 10sec drüber) und das ohne Uhr. Ganz cool. Ich war mega stolz auf die Maus. Als Mama und Sabrina kamen, sagte ich auch nur „Worüber mach ich mir eigentlich Sorgen??“

Das hat einfach nur Spaß gebracht. Richtig viel Spaß. Deswegen liebe ich diesen Sport. Klar war das „nur“ eine VA, aber wenn ich letztes Jahr die Strecke gegangen wäre, hätte ich NIEMALS damit gerechnet, dass sie da dieses Jahr ohne Training direkt auf dem Turnier ohne Stopp im guten Tempo durchläuft. Wie schnell Pferde sich entwickeln können, ist einfach der Wahnsinn.

Ich weiß, ihr seid jetzt schon mega lang am Lesen, aber die Story ist noch nicht ganz zu Ende. Nach mir war die Prüfung ja quasi durch und wir wollten dann auch schnell nach Hause. Ich dachte aber so, jetzt kann man auch einmal die Listen abwarten, wo man gelandet ist, denn ich hatte schon mitbekommen, dass viel passiert war im Gelände – teilweise zurückgezogen, Stopps, viele Zeitfehler, etc.

Und HA! Ich hatte Recht! PLATZ 8 am Ende – Noch in der Platzierung. Unfassbar bei -73, aber hey Platzierung ist Platzierung. Und Nessi hatte es sich verdient! Auch wenns nur ne Salatschleife war, sah ich es einfach als Wertschätzung für das gute Gelände. Ich durfte also noch eine Siegerehrung laufen (natürlich ohne Pferd) und dann gings ab nach Hause. Langer Tag, 22:15 waren die Pferde wieder in ihren eigenen Boxen.. wann wir zuhause und im Bett waren, will ich gar nicht anfangen.

Die Story zeigt nur mal wieder, dass man nicht auf halber Strecke aufgeben darf 😉

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