Von erschrocken zu mehr als zufrieden

Süsel, 06.05.2017 / VA* One Day

Busch-Family pur kann ich vorab nur sagen. Der Tag hat so unfassbar viel Spaß gebracht mit Mama, Sarah, Ann-Christin, Julia, Eileen, Anke & Elke. Jeder hat da jedem irgendwie geholfen, mal ne Startnummer geholt, Pferd gehalten, gefilmt und einfach nur sehr sehr viel gelacht! Das war ein Tag nach meinem Geschmack.

Nun aber einmal von vorne: Erstmal eine Woche vorher die wunderbare Zeiteinteilung gesehen mit 11:00 Start Dressur. Erholung nach dem Tag in Luhmühlen (wo ich 7.45 Dressur reiten musste). Startbereitschaft erklären und dann waren die Startzeiten für 21:00 angesagt. Und pünktlich online 🙂 Zweite Erholung! Meine Startzeit war 12:30. Wunderbar, das hieß, ganz entspannt am Samstag noch einflechten, packen, losfahren. Um 10:00 gings dann vom Stall aus Richtung Süsel, denn man denkt ja immer, das wäre soo nah, aber isses dann garnicht. Auf der Fahrt lernte ich noch schnell die VA1 (wird ja nicht mehr oft ausgeschrieben, daher hatte ich sie echt lange nicht geritten). Die Kiesgrube war ordentlich aufgeteilt, die Dressurplätze aufgebaut, das Springen auf dem Geländeteil. Da man von oben herunterfährt, hat man erstmal einen ganz guten Überblick.

Wir waren zeitlich gut davor, sodass ich erstmal kurz zu Ann-Christin rübersprang und ihr noch viel Glück für die Dressur wünschen konnte. Sie quälte sich da nämlich schon (1h vor mir Startzeit), Julia war als seelische Unterstützung dabei und es war gleich ein super Gefühl, so viele bekannte Gesichter zu treffen. Ich konnte dann auch garnicht mehr sooo lange rumtrödeln, bevor es aufs Pferd ging. Zum Abreiten hatte ich genügend Zeit, Ted zeigte sich bemüht und locker. Ich hatte ein gutes Gefühl. Ich machte viele Übergänge, ein bisschen Schulterherein mit dem schiefen Zwerg und übte nochmal Halten, Tritte verlängern und Galoppsprünge verlängern. Am schwierigsten ist das auf der linken Hand, weil er beim Aufnehmen oft umspringt. Dann gings ins Viereck und der Richter grüßte nett und ich dachte, mensch, freundlich.. nun noch ein bisschen lächeln und durch die Prüfung schippern, dat wird schon. Einreiten, rechte Hand.. die Ecke war eine Katastrophe vom Boden, da konnte man im Grunde garnicht durchreiten, aber wir ließen uns nicht beirren. Die Volten waren ordentlich, das Tritte verlängern fand ich auch deutlich besser als sonst, Galopp und Überstreichen war 3 Galoppsprünge und völlig locker. Dann das erste Verlängern war super, Halten hat er mir leider einmal korrigiert, aber sonst gut gestanden. Dann kam das zweite Verlängern und ich war nicht 120% dran, sodass er hinten einmal kurz umsprang, sich aber sofort korrigierte und in der Ecke wieder richtig war. Das Zügel aus der Hand kauen lassen war sogar mit Abschnauben. Auf dem Weg auf die Mittellinie musste ich lächeln, weil ich suuuuper zufrieden war mit unserer Leistung! Und dann komme ich vor zum Richter: 6,3 – häää? Muss ich nicht verstehen, oder?

Auch die People von außen, die es gesehen hatten (also nicht nur meine Mum) fragten: Was wollen die bitte sehen? Das war doch ne super Runde! Ja, fand ich auch 🙂 Aber was solls. Noten halt.. Variation pur und für mich hat es mittlerweile nicht mal mehr irgendwie damit zu tun, wie Ted läuft. Letzte Woche war die Runde 90% gleich von der Leistung und ich erhielt eine 7,8. Naja.. sich darüber aufzuregen wäre jetzt etwas sinnlos, aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine.

Dann zum Springen. Beim Abgehen dachte ich: OK, das ist deutlich leichter als letzte Woche in Luhmühlen, der Boden ist nicht überall ganz einfach. Aber machbar. Mit bisschen Schwung durchreiten, weil die Zeit knapp ist. Nachm Abgehen konnte ich direkt abreiten. Der Abreiteplatz war….. interessant. Aber Süsel geht da einfach der Platz aus. Man musste so zwischen Geländesprüngen, Hügeln und im Matsch abspringen. Ich machte daher nicht viele Sprünge und konnte dann rein. Ted war super drauf und sprang selbst da super, also machte ich mir wenig Sorgen. Man musste quasi garnicht warten, weil nur 2-3 Leute am Abspringen waren, das war super entspannt und ist nicht selbstverständlich. Im Springen selbst musste ich sehr deutlich auf die Klingel warten (wir hatten vorher gehört, dass eine disqualifiziert wurde, weil sie ohne Startfreigabe gestartet war).. puh, streng.. ok. Die Klingel kam also und Ted flitze los. 1,2 mit großen 5 Galoppsprüngen, dann um die Wendung, 3 zu 4 auch etwas großzügig, aber Ted zog einfach toll mit. 5a/b kam ich bisschen doll rein, sodass beim Aussprung die Oxerstange flog. Aber da hätte ich einfach etwas ruhiger bleiben müssen. 6 um die Wendung, 4 Galoppsprünge zu 7 und dann in gebogener Linie zu 8. Und dann? Jaaa, ich bog rechts ab und dachte in dem Moment noch „Hmm, vielleicht ist Ziellinie auch gleich Startlinie, dann bin ich da jetzt nicht durch“ und in dem Moment hörte ich nur Rufe „Neeeeeinnn.. links links links“, schnell gewendet und durchs Ziel. Maaaan! Nervkram. Ich war echt kurz genervt, weil ich einfach davon ausgehe, dass man den Parcours so aufbaut, dass vor 1 Start ist und nach 8 Ziel und fertig. Die Linie auch noch zur Aufgabe zu machen.. naja. Egal, ich bekam ein paar Zeitstrafpunkte und sie rechneten mir eine Verweigerung an.. da waren sie sich aber nicht ganz einig. Später wurde diese wieder revidiert. 6 Punkte also im Springen.

Nach den ersten beiden Teilprüfungen war dann Zeit, um Gelände abzugehen. Wir scharten die Crew zusammen ;)) Und gingen dann mit 8 Leuten zusammen ab. Ein großer Spaß, wo man sich wirklich zusammenreißen musste, um sich noch auf die Strecke zu konzentrieren! Aber mega cool. Ich konnte einige Tipps geben, von denen ich später hoffte, dass ich sie selbst auch umsetzen können würde. Aber, um beim Titel dieses Berichts zu bleiben: Wir waren alle sehr erschrocken über die Strecke. Ich hatte es vorher geahnt, weil Ann-Christin schon beim Training war und mir was über die Linien und beteiligten Sprünge erzählt hatte und auch so war die Stimmung aller vorm Gelände etwas angespannt. Man merkte das einfach. Ihr fragt Euch jetzt sicher: VA*? Kann ja nicht so schlimm sein, ist ja schließlich 1*. Ich kann nur sagen: Das interessiert scheinbar niemanden. Die Strecke war knapp 2.700m lang, mit 2x richtig Berg hoch/runter (zugelassen max. 3000m bei A), insgesamt waren es 20 Hindernisse, aber 22 Sprünge und einige waren nur nicht ausgeflaggt als Sprung, sondern nur als Tor, sodass es eigentlich noch mehr gewesen wären (zugelassen max. 25 Sprünge bei A). Noch dazu kamen die Abmessungen teilweise – Sprung 3 dicker Tisch, 9 hoch überbauter Graben, 12ab ne Art Coffin mit ca. 1,5m offenem Graben als B (zugelassen Grabenweite max. 2m in A), 14 dicker offener Oxer, 16 ganz schöner tiefer Tiefsprung. Also da durfte man nichts anbrennen lassen und für Reiter, die gerade ihre erste VA probieren (ich hätte vor gestern auch Süsel als erste A empfohlen) war das ein ganz schöner Brocken. Das hatte absolut NICHTS mehr mit VA* zu tun und ich frage mich dann doch immer, warum man diese Unterteilung überhaupt eingeführt hat, wenn man sich doch nicht dran hält? Ich meine, früher war A eben nicht gleich A, weil die Unterschiede von Turnier zu Turnier groß waren. Heute hat man VA*/**, aber du reitest an einem WE eine 2*, die ist leichter als 4 Wochen später eine 1*.

Wir waren also etwas erschrocken. Ich muss sagen, ich hatte Respekt, aber wusste, das muss gehen, wenn ich mit Ted irgendwann L reiten will. Bei Sarah und Eileen war es ähnlich, weil sie auf L zusteuern. Für Ann-Christin fand ich den Kurs echt monströs.. 3. Vielseitigkeit nach Segeberg und Reesdorf.. puh. Aber wir redeten ihr gut zu und so probierte sie es mit ihrer Stute Wunschkind. Chapeau muss ich sagen!!! Vor allem, als sie mit nur einem Stopp ins Ziel kam, war ich echt stolz auf sie! GUT GEMACHT <3 Damit kann man wirklich mit einem super Gefühl da raus gehen.

Dann kam endlich meine Zeit. 16:50 sollte ich ins Gelände. Wir waren gut dran, ich zog mir die ganzen Westen an und – voll lieb – bekam noch Ann-Christins Helmkamera, weil ich Dödel meine vergessen hatte. Aber Helmkamera ist schon immer ganz cool! Man konnte unten etwas abspringen und musste dann hoch, weil auf der anderen Straßenseite der Start war. Davor waren aber auch noch ein paar Sprünge zum Warmmachen. Ich nutzte das nur kurz, weil Ted schon ordentlich an war und ich merkte, dass er eigentlich nur noch durch den Start muss, dann springt er erstmal alles, was im Weg steht 😉 Stehender Start.. und das obwohl der erste Sprung nur 40m hinter der Startlinie war. 5,4,3,2,1.. Go – Ich ließ zu 1 nichts anbrennen – schmaler Sprung auf schmalem Weg, nix für Ted, also schön dranbleiben. Zu 2 merkte ich schon, wie der Boden unter den letzten 30 Paaren gelitten hatte. Richtig Löcher in der Grasnarbe. Ted kam ganz gut damit klar, aber es war deutlich, dass ich nicht volles Tempo reiten konnte. 2 war gut, zu 3 kam ich ganz schön dicht und das bei dem dicken Tisch, aber Ted sprang zu und machte einen super Job. Dann gings bergab und danach eine 90° Wendung bergab mit Stufen. Ich hielt Ted zusammen, vor den Stufen stockte er sehr, ging dann runter. 4, durchs Wasser, 5, durchs Wasser, 6, 7 kein Problem und schön flüssig, zu 8 (Wassereinsprung) kam er zurück, aber sprang dann ohne Murren rein. Wieder Fahrt aufnehmen zu 9 (überbauter Graben), etwas dicht, aber ohne Zucken. Und dann gings den steilen Berg einmal flotti galoppi nach oben (da kommt der Terrier raus) und oben dann 10a/b Kombi. Ted wollte irgendwie gleich links abbiegen oben, da musste ich ihn ganz schön auf der Spur halten. Nach der Kombi um die Kurve und durch die Fahnen, vor denen er erstmal richtig scheute (What? Was ist da? Eine Fahne.. aahhh), ich verlor den Bügel und musste mich schnell für die 11 wieder fangen. Ging, dann links durch den Knick zu meinem größten Gegner. Coffin mit dem fetten Graben. Ich kam vorne mit Schwung rein und dachte nur: Rythmus jetzt erhalten und einfach weiter. Setzte etwas Stimme ein (ihr werdet lachen beim Helmkamera-Video) und dann der pure Überraschungseffekt: Ted sprang mit einem riesigen Satz drüber! Ich konnte sogar seine Vorderbeine sehen!! Geil! Einfach nur ein mega Gefühl, wie er mittlerweile mitmacht. 13 danach kein Problem. Zu 14 zum Oxer kam ich etwas aus der Linie und musste ihn am Rand etwas drücken, aber alles noch im grünen Bereich. Dann kam die lange Galoppstrecke, ich ließ ihn laufen, Zügel weg und los. Merkte aber, dass der Kurs schon schlaucht. Zu 15 gab es vorab schon genug Bremsen (Strohballen quer davor, um das hohe Tempo zu drosseln), das war dann super. Zu 16, dem Tiefsprung kriegte ich ihn nicht ganz so zurück, wie ich wollte, musste dann komplett einmal rausnehmen und so trabten wir hinab (innerhalb unserer Truppe hatten wir es auch so besprochen und ich war ganz happy, dass alle es auch so durchgezogen haben und keiner sich da mit 100 Sachen umbringen wollte), dann stockte er allerdings sehr und ich dachte schon, jetzt haben wir einen Stopp, aber dann sprang er noch in der Vorwärtsbewegung runter. 17 Aufsprung, 18/19 Wellenbahn und dann ging es zum letzten Sprung, Ted galoppierte wieder frisch nach vorne. Ziel !!! Und Erleichterung !!

Puh, ich schreib schon wieder so viel ^^ Aber ein paar Dinge muss ich noch loswerden.. erstmal: Ich war sooo stolz auf den Kleinen. Meine Zeit war nicht ganz ideal mit 14sec drüber, aber das waren noch mit die wenigsten Zeitfehler.. ich wüsste nicht, wie man auf der Strecke 500m/min reiten sollte. Es gab zu viele Stellen, wo man wegen Boden oder rauf/runter die Pferde einfach nicht volles Tempo gehen lassen konnte. War mir letztlich auch nicht wichtig, weil ich vom Tempogefühl weiß, dass das für A absolut ausreichend war. Neben mir sind aber auch alle aus unserer Truppe heil ins Ziel gekommen und das war soooo cool!!!

Wir warteten dann noch ein bisschen auf Platzierung. Nach Dr/Spr war ich 14. und 8 wären in der Platzierung.. da im Gelände viel passiert war, hätte es ja schon noch sein können. Es stellte sich aber heraus, dass ich 1.Reserve wurde 😀 Klar 😀 Aber es hatte auch seinen absoluten Vorteil: Ich konnte Ted auf den Anhänger stellen und ihn endlich in Ruhe lassen. Die Platzierung war nämlich (völlig entgegen der sonstigen Pferde-Freundlichkeit an dieser Stelle) mit Pferd. Wir diskutierten noch gegen an (obwohl es mich selbst ja garnicht betraf), aber da kam nur die Aussage: „Ist mir egal. Die haben mit Pferd zu erscheinen. Und wenn die jetzt alle sind, dann haben sie hier eh nichts verloren.“ Ähmm.. bitte?? Wir sind hier nicht bei Mehrtages-Veranstaltungen und internationaler 4*, Badminton ist auf der anderen Seite der Nordsee. Hmm.. da war ich dann schon etwas schockiert und nur froh, dass ich knapp raus war. Mit unserer sonstigen Einstellung zum Sport und unserem Partner Pferd hatte das irgendwie nichts zu tun.

Freut euch auf Helmkamera Video und Follow Me Around. Diesmal war ich wieder ganz fleißig unterwegs 🙂

Fotos aus dem Video

Ein Kommentar bei „Von erschrocken zu mehr als zufrieden“

  1. […] aber ich kann Euch ja jetzt nicht so zuspamen 😉 Und am 06.05. die VA* in Süsel, da ist der Bericht schon online gegangen! Wobei */** keine Bedeutung hat, denn die Kurse waren ähnlich schwer, wenn […]

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