Der Tag der „noch nie“s

Nachtrag: Luhmühlen, 01.05.2017 / VA**

Es ist zwar schon ein wenig her, aber ich will Euch diesen Tag nicht vorenthalten. Wo ich doch schon kein Video gemacht habe.. und ausgerechnet an so einem Tag läuft es einfach bombastisch! Ihr fragt Euch bestimmt, warum der Titel? Weil es so viele Momente an diesem Tag gab, wo ich dachte (oder sagte): Das hatte ich ja noch nie! Also..

Noch nie gab es eine pünktlichere Startfolge

Schon beim Abhaken war klar: Das wird ein toll organisiertes Turnier mit der „Rechenstelle“. Sie haben sogar nachgefragt, ob wir für Alani in der CIC* auch Startbereitschaft erklären wollen.. nein, leider nicht, aber toll, dass da einer mitdenkt! Dann waren wie versprochen pünktlich die Startzeiten für den Montag online. Leider etwas sehr früh.. woahhhh

Noch nie bin ich so früh Dressur geritten

07.45 war meine Startzeit in der Dressur, das hieß irgendwie mitten in der Nacht aufstehen und losfahren o.O – es ist ja nicht so, dass wir Reiter es gewöhnt sind, auszuschlafen.. aber vor 8.00 Prüfung reiten ist schon irgendwie Terror. Ich bin eigentlich dafür, dass es verboten werden sollte, vor 08:30 eine Prüfung anzusetzen 😀

Noch nie war meine Dressur sooooooo gut

Aber: Das frühe Aufstehen hatte sich wirklich gelohnt. Vielleicht lag es daran, dass ich noch nicht richtig wach war, dass ich entspannter war und dadurch besser sitzen konnte.. vielleicht auch an der tollen Vorbereitung durch meine Mum und meine Dressurtrainerin, die den kleinen Ted so gut in Gang gehalten hatten, als ich weg war (ich bin erst 2 Tage vorher von einer 10-tägigen Dienstreise wiedergekommen). Alles egal, das Ergebnis zählte: Undzwar 33 Minuspunkte nach Dressur !!!! WHAT? Also, ich hatte ja ein gutes Gefühl nach Beenden der Prüfung, weil alles gut war, er schon gut trabte und gut gelöst war. Keine Patzer und sonst auch alles im grünen Bereich. Aber bei Ted heißt das meistens nichts. Es kann trotzdem eine 6,0 werden oder irgendwas dazwischen. Vor allem in der Abteilung, in der ich war (Malin Petersen, Sandra Auffahrt, Josefa Sommer, Elmar Lesch, Leonie Kuhlmann, etc.), hatte ich nicht gerade wenig Konkurrenz. Aber nach Dressur lag ich an 2.Stelle !!

Noch nie hatte ich in einer VA ein so schweres Springen

Als ich zum Springen fertig gemacht habe, wusste ich noch nichts von meiner grandiosen Dressur-Note. Ich ging erstmal in Ruhe ab, während meine Mum Teddy soweit umstylte und ihn im Schritt zum Platz brachte. Das Springen ist in Luhmühlen im Stadion und es ist immer etwas besonderes, wenn auch wir als normalsterbliche da mal reiten dürfen. Auch wenn die Atmo beim großen Turnier im Juni immer eine andere ist, ist es trotzdem der gleiche Ort! Als ich das Springen sah und dann näher betrachtete, fand ich es schon ungewöhnlich schwer für ein A. Ich meine, es ist nicht so, dass ich nicht schon ein paar Prtüfungen gesehen habe und mit Alani und unserem jetzigen Rentner Gust auch schon M-Springen gewonnen habe.. ich fürchte mich dementsprechend nicht vor schwereren Springen. Aber gemessen an der Prüfung, die ich da reiten wollte (VA**), fand ich es schon etwas krass. Ein langer Parcours mit vielen gebogenen Linien, vielen Unterbauten und die Oxer Endmaß. Dementsprechend viele Fehler, Stops und sogar Disqualifikationen gab es. Mein Anliegen (nachdem ich in Segeberg ein echt schlechtes Springen geritten war) war einfach nur: Heil durchkommen. Keine Ahnung, was Ted dazu sagt und wie er so drauf ist. Aber Ted hielt sein Niveau der Dressur und marschierte tapfer und mit erhobenem Kopf da ohne ein Zögern da durch! Mit 2 Stangen am Ende war ich zufrieden (eine war seine, eine war meine), denn damit waren wir nach Dr. und Spr. auf Rang 4. Da sieht man auch, wieviele Fehler es gegeben hat, wenn man mit 8 Punkten mehr nur 2 Plätze zurück rutscht.

Noch nie hatte ich so viel Zeit zwischen Springen und Gelände

Dann kam die lange Zeit des Wartens. Nach dem Springen machten wir natürlich erstmal Ted soweit fertig, er konnte etwas grasen, was trinken, runterfahren und dann ab in den Hänger, damit wir ein bisschen verschnaufen konnten. Es war ja gerade mal 9.00 Uhr 😀 Danach gings zur Meldestelle, um zu gucken, wieviel Zeit wir zum Gelände hatten bzw. ob es schon einen Fahrplan gab. Darauf stand dann: Startzeit Gelände 15:16 !! *Gesichtslähmung*.. 6h?? Oh man.. das hab ich auch lange oder eben noch nie erlebt. Ich meine, klar.. 200 Reiter müssen erstmal da durch, aber ich hab die Einteilung trotzdem nicht ganz durchgeholt, weil die Reiter, die morgens soooo früh mit mir gestartet sind, waren mind. 1 Stunde vor mir im Gelände dran. Das lief als Reißverschluss-System mit allen drei Abteilungen und trotzdem konnte man es sich irgendwie hinrechnen. Letztlich hab ich mich zwar kurz aufgeregt, aber meine Mutter sagte dann auch nur: Ist eigentlich eh egal, weil wenn du gut durchkommst, musst du eh auf die Platzierung warten, da ist es egal, wann du im Gelände startest. Und Recht hat sie!

Noch nie war ich so aufgeregt einerseits und beim Start des Geländes dann wiederum so entspannt

Irgendwie war es ein Chaostag. Zumindest, was meine psychische Verfassung angeht. Beim Abgehen des Geländes war ich doch sehr überrascht, aufgeregt, erschrocken, der festen Überzeugung, dass es entweder richtig gut geht oder eben garnicht. Alles durcheinander und parallel. Bei Ted kann man sich eben auf nichts einstellen. Bei Alani weiß ich irgendwie genau, was er zu allem sagt und wie ich ihm das dann „beibringen“ kann, selbst wenn er nicht gleich überzeugt ist. Bei Ted hab ich immernoch keine richtig Ahnung. Erstens schwankt seine Leistungsbereitschaft extrem und dann ist der Kerl auch einfach viel zu intelligent, als dass man ihn durchschauen könnte. Aber insgesamt hatte ich ein gutes Gefühl, da er beim Springen schon so forsch und toll nach vorne ging. Und natürlich super gesprungen ist. Zur Strecke: Zum Warmwerden ging es erstmal über 3 relativ unspektakuläre Hindernisse. Die 4 war schon ein bisschen guckig und der Weg dahinter eher schwierig. 5/6 im Wald, schmale Sprünge, sehr eingefasst. 7 dann garnicht so einfach zu taxieren, weils auf einer Wellenbahn war (letztes Jahr mit vorab-Sprung in der CIC*), dann kam schon Wasser und sogar ein Sprung im Wasser, der auch garnicht mal so klein ausfiel. 10ab war dann Kombination Einsprung ins zweite Wasser, was ich für A auch sehr anspruchsvoll fand. Dann in Serpentinen-Kurven über den Platz (Billard-Absprung, überbauter Graben aus der Wendung, schmales Trapez mitten aufm Platz) und dann in einer letzten S-Kurve ein entspannter Aussprung als Dach. Dann kam man in das kleine Wäldchen, wo einige schmale Sprünge standen, die man treffen musste und raus noch schräge Hecken-Kombi (wo man sich zwischen 2 und 3 Galoppsprüngen entscheiden musste) und der letzte. Streckenlänge 2.700m, also auch am oberen Rand der Anforderungen. Aber Luhmühlen ist dafür flach, der Boden war super und man konnte gut galoppieren. Ich hatte am meisten Sorge vor den beiden Wasser-Sprüngen.

Noch nie war Ted so schnell und so viel vor der Zeit im Ziel

Als ich Teddy warm gemacht hatte und merkte, der ist garnicht sonderlich aufgeregt, legte es sich bei mir auch. Es bringt bei ihm nichts, da noch 100 Sprünge zu machen oder Tempo im Galopp zu forcieren. Entweder er läuft dann aus der Startbox raus oder eben nicht. Da gibt es nur die beiden Schalter und wenig dazwischen. Zum Start ritt ich dann also auch recht entspannt, hatte noch meine Minute vor Ort und konnte dann los. Mal wieder hatte ich keine Uhr mit, weil ich mir keine Minutenpunkte gesetzt hatte (neeee, ich hatte ja auch wirklich nicht genügend Zeit), also hatte ich mir vorgenommen, einfach von Anfang an, Rythmus zu reiten und nicht zu dödelig anzufangen. Das tut Teddy eh gut, wenn er gleich mit dem richtigen Go startet. Und so war es auch. Teddy flog nur so dahin und ohne zu zögern ging es die ersten 7/8 Sprünge los. Wenn der so drauf ist, macht das einen irren Spaß!! Zum Wasser-Sprung ließ ich nichts anbrennen und Ted macht einen tollen Job. Zu der Kombi kam ich echt groß hin, wollte aber keine Unstimmigkeit hervorrufen, sodass es mit einem Riesen-Satz ins Wasser ging (da war ich wirklich kurz überrascht von Ted), dann die anderen Sprünge auf dem Platz, selbst das Trapez überhaupt kein Problem. Zu den schmalen im Wäldchen ließ er sich richtig toll kontrollieren und dann wieder Fahrt aufnehmen zu den letzten Sprüngen. Bei den schrägen Hecken wollte ich erst mit 2 durch, entschied mich dann aber rechtzeitig um, um kein Risiko einzugehen und Ted sauste weiter.. mit gespitzen Ohren und total aufmerksam kamen wir dann zum letzten Sprung und ins Ziel!! 20sec unter Bestzeit (bei 500m/min) – das traut man dem hübschen Kerl garnicht zu !! Damit Null-Null und meine -41 aus Dre & Spr behalten!

Noch nie hat sich Ted bei so viel Konkurrenz so gut platziert !!

Endergebnis damit: 4.Platz !!! Ich hab mich irre gefreut, auch wenn wir nochmal fast 2h auf die Siegerehrung warten mussten, um unsere Schleife in Empfang nehmen zu können. Aber trotz aller „Strapazen“ hat sich dieser Tag doch wirklich gelohnt. Und man sieht einfach wieder: Man darf nicht aufgeben, abgerechnet wird am Schluss. Mein Lieblings-Spruch im Reitsport. Und vor allem in der Vielseitigkeit 🙂

Seit langem (nicht ganz noch nie) hatte ich keine Videokamera dabei

Wie eingangs erwähnt, hatte ich keine Videokamera dabei, weil ich wusste, dass ich keine Kapazitäten in den nächsten 2-3 Wochen hatte, um das Video hätte schneiden zu können und das, was ich von Ted viel mehr brauchte, sind Fotos. Deswegen hatten wir diesmal die Fotokamera dabei und haben mal wieder ein paar tolle Turnierfotos geschossen. Es geht ja nicht alles gleichzeitig! Und außerdem: Wer hätte denn ahnen können, dass es ausgerechnet dort sooo gut läuft!?

2 Kommentare bei „Der Tag der „noch nie“s“

  1. Voll schön geschrieben😊❤

  2. […] dann kam Luhmühlen. Mein persönliches Teddy-Highlight des Jahres. Eine recht schwere Strecke, viel zu galoppieren […]

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