Die richtigen Vorbilder

Eine Woche CHIO Aachen liegt hinter mir und es war wie jedes Jahr eine aufregende Zeit. Toller Sport, viele Menschen, viele neue Kontakte und Begegnungen. Nun bin ich ja durch meinen Blog und die Berichterstattung etwas mehr hinter die Kulissen gerückt und kann doch mehr bzw. intensiver erleben, was da eigentlich alles so passiert. Und daher kribbelt es mir in den Fingern, mal etwas über die richtigen Vorbilder zu schreiben. Wie viele kleine Mädchen haben Idole, die nicht mal in der Lage sind, ihre Pferde nach einer Höchstleistung zu loben. Bei den Springreitern war das in diesem Jahr extrem oft zu sehen. Ist das Pferd Null wird es geklopft, hat es eine Stange, wird das Gesicht eingefroren und das Pferd geht im Schritt aus dem Parcours ohne gelobt zu werden. Es tat mir in der Seele weh. Bei den Dressurreitern war ich dieses Jahr zu wenig, um das beurteilen zu können. In der Vielseitigkeit sehe ich eigentlich keinen Reiter, der im Ziel dem Pferd nicht quasi um den Hals fällt. Vorbilder sind aber für viele Menschen nur die, die oft ganz oben stehen. Die einen Namen haben.

Ich möchte heute aber jemanden herausstellen, der nicht so extrem im Vordergrund steht:

Josefa Sommer

Sie hat an diesem Wochenende echtes Horsemanship bewiesen. Sie sollte man sich zum Vorbild nehmen.

Durch den Ausfall von Julia Krajewski kam sie ins deutsche Team für den Nationenpreis in Aachen. Sie war also mit Sicherheit entsprechend aufgeregt. Verfassung gut, Dressur ebenso, im Springen fiel untypischerweise eine Stange. Damit lag sie an 19. Stelle von 43. Am Samstag ging es ins Gelände. „Hannes“ (Spitzname von Hamilton) war super drauf, hatte Bock und auch Josefa hatte echt Lust auf das Gelände.

Hannes war bisher in Top Form. Barborowko 3* 4.Platz, Wiesbaden 4* gewonnen, Strzegom 4* 5.Platz Einzel und Mannschaftssieg. Josefa setzt ihn sehr bewusst ein. Er ist bereits 17 Jahre alt, aber könnte nicht fitter sein. Wie sie mir selbst erzählt hat, wird es immer schwieriger, ihn überhaupt in die Startbox zu kriegen, weil er so aufregt ist vorm Gelände. Voller positiver Anspannung springt er dann raus und weiß genau, was seine Aufgabe ist. Er hat eine sehr „eigene“ Springmanier, wenn ich das jetzt mal so sagen darf (sagt Sefi aber auch selbst), die ihn allerdings nicht abhält, die Weltklasse-Geländestrecken ohne Mühen zu absolvieren. Auch im Springparcours hat er selten einen Fehler.

Zurück zu Aachen. Die beiden kamen aus der Startbox. Alles voller Menschen. Mega Gefühl. Bei Sprung 3 flog – wie in Zeitlupe – das vordere Eisen an Sefi vorbei. Sie war zweite Mannschaftsreiterin. Michi war mit Star Connection bereits gut im Ziel angekommen, aber trotzdem war es für die Mannschaft wichtig, gute Ergebnisse nach Hause zu bringen. Das Eisen war also ab. Sefi überlegte. Kurz vor 4 rutschte Hannes das erste Mal und wurde unsicher. In dem Moment traf sie die Entscheidung, nicht mit 3 Eisen durch den schweren Kurs zu reiten. Nicht das Risiko einer Verletzung in Kauf zu nehmen. Mannschaft hin oder her. Sie parierte durch und führte Hannes zurück zum Stall. Natürlich war es keine einfache Entscheidung, aber es war in diesem Moment eine absolut wichtige Entscheidung PRO Pferd.

Ich finde, da muss man wirklich „Eier in der Hose haben“, sorry für den Ausdruck, Freunde, aber das ist wirklich keine Entscheidung, ob man das E-Springen beendet. Da gehts um den wichtigsten Nationenpreis im Land, es geht um die Auswahl für die Europameisterschaft und und und. Das alles sind für einen Amateur keine Ziele, die man einfach so erreicht. Und trotzdem entschied sie für ihr Pferd. Für ihren besten Freund, wie sie selbst auf Facebook geschrieben hat.

Josefa ist für mich ein echtes Vorbild. Ein Amateur wie du und ich, die es durch harte Arbeit und ein bisschen Glück, an das richtige Pferd zu geraten, an die absolute Spitze unserer deutschen Vielseitigkeitsreiter gebracht hat. Sie verdient ihr Geld als Physiotherapeutin für Pferde und hat mittlerweile ein eigenes Rehazentrum mit Aqua Trainer im heimischen Gut Waitzrodt. Und als Mutter von 2 Kindern muss sie auch ihr Familienleben noch ein bisschen pflegen.

Wie ihr oben schon lesen konntet, hat Hannes in diesem Jahr erst 3 Prüfungen absolviert (Barborowko, Wiesbaden, Strzegom) und in Aachen die 4. – manche andere Pferde von Championatsreitern gehen hingegen schon die 8. oder 9. Prüfung auf dem Level. Auch das spricht für ein sehr bewusstes Einsetzen und Planen von einem Pferd wie Hamilton. Und es spricht Bände dafür, dass es eben wirklich ihr bester Freund ist und kein Sportgerät, das einen von Schleife zu Schleife trägt.

Vor kurzer Zeit durfte ich sie ja im Rahmen eines Besuchs für die #joserahorsefamily auch zuhause besuchen und auch da war ich beeindruckt, wie geerdet und entspannt sie ist. Ich glaube, sie weiß selbst gar nicht so richtig, was sie alles schon erreicht hat und wie viel sie richtig macht. Und gerade das macht sie so unglaublich sympathisch und wie schon betont: Zu einem richtigen Vorbild!

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