Von Bloggern und Influencern

Blogger, Influencer, Webstar, YouTuber, Instagramer… was auch immer. Menschen, die mit ihrem persönlichen Leben und Tun andere Menschen erreichen. Manchmal hunderte, manchmal tausende, manchmal sogar hunderttausende.

Ich fand die Equitana dieses Jahr eigentlich schlau, dass sie die People, die sie zur Reiter WG und zu den Autogrammstunden eingeladen hatten, einfach generell „Social Media Stars“ oder „Webstars“ genannt haben, denn Blogger als Oberbegriff stimmt bei den meisten nicht. Viele haben nur Instagram, nur YouTube, manche beides oder in Verbindung mit Facebook. Die wenigsten führen dabei noch einen funktionierenden Blog (wo auch immer wieder Beiträge veröffentlicht werden und der Leser mitgenommen wird). InstagramER und YouTubER hört sich aber so doof an und sagt auch keiner und daher werden viele der Internetsternchen als Blogger bezeichnet.

Gerade in unserer Reitsport-Influencer-Szene ist die Welt klein und besteht quasi nur aus Frauen. Da sind Lästereien irgendwie vorprogrammiert. Aus heutigem gegebenem Anlass musste ich deswegen nochmal irgendwie was loswerden, weil es mich doch viel beschäftigt, was da gerade los ist.

Ich durfte beim CHIO in Aachen wirklich viele in dieser Szene persönlich kennenlernen. Ich würde mich selbst nicht wirklich als Influencer bezeichnen, da meine Reichweite noch nicht so groß ist wie bei anderen. Trotzdem muss man sich natürlich bewusst sein, dass es Menschen gibt, die zu einem aufschauen, für die man eine Vorbildfunktion hat und die alles verfolgen, was man öffentlich ins Internet stellt. Dabei ist ebenso klar, dass das manchmal gut ankommt und manchmal eben nicht. Aber es soll hier garnicht um die Community gehen, sondern viel mehr um die Menschen im „Mittelpunkt“.

Blogger ist nicht gleich Blogger. Der WDR-Verriss, der da produziert wurde und über den sich seit letzter Woche im Grunde jeder aufregt, ist einfach nicht wahr. Was Redakteure oder Journalisten manchmal aus Dingen machen, weiß jeder, der schonmal die BILD-Zeitung gelesen hat. Ich gebe zu, dass die Mitwirkenden vielleicht auch hier und da ihre Prioritäten etwas anders gesetzt haben als ich das machen würde, aber jeder hat ja da seinen eigenen Schwerpunkt.

Und da kommen wir genau zum Punkt: Warum zerreißen wir uns eigentlich alle gegenseitig? Warum stützen wir uns so wenig? Jeder hat irgendwie Angst, dass sich der andere was abschaut, dass Follower wechseln, dass Zahlen anders verteilt werden. Dabei ist doch genug Platz für alle da! So wie im Reitsport generell ist das Gras auf der anderen Seite immer grüner und Neid ist ein unfassbar großer Punkt. Ich vergleiche das immer gerne mit Musik und Musikern. Wie viele machen Musik oder wollen Musiker sein? Wie viele leben davon? Ob groß oder klein, jeder hat doch sein eigenes Publikum, weil er eben seine eigene Musik macht. Und genauso ist das doch bei uns Bloggern oder Webstars: Jeder hat seine eigene Sprache zu den Fans: der eine sagt „Moin ihr Lieben“, der andere „Hallo ihr Lieben“, der nächste fängt Videos immer anders an, einer schreibt einen Blog, einer macht nur Instagram, einer hat die supertoll bearbeiteten Fotoshooting-Fotos, der nächste macht nur aktuelle Bilder mit dem Handy. Und dann noch die Sparten-Unterschiede: Dressur / Springen / Gelände / Bodenarbeit / Freiheitsdressur / und und und. Manche legen viel Prio auf Sonnenuntergangsbilder, manche eher auf Sport. Aber es muss doch nicht alles Sport sein – wieviel Anteil hat mittlerweile die Mode im Reitsport. Ich sag nur Stichwort Eskadron. Bitte, dem kann man sich ja kaum entziehen. Aber hat nicht jeder seine Daseinsberechtigung, wenn die Follower das so wollen? Die Zahlen und Reaktionen der Community zeigen einem doch den Wert, den man für sie hat. Und hätte man keinen Wert, würde man es (glaub ich) nach kurzer Zeit einstellen, weil man ja überhaupt kein Feedback auf seine Arbeit bekommen würde.

Persönlich habe ich viele der Mädels genau so kennengelernt, wie sie in ihren Social Media Kanälen auch rüberkommen. 95% sind total authentisch und das hat mich wahnsinnig gefreut, denn da geht die Reise hin und es ist eben nicht diese Glitzer-Funkel-Prosecco Welt, die uns der WDR da vorgegaukelt hat. Viele sind fleißig, immer darauf bedacht, ihren Followern viel von ihnen und ihrer Action zu zeigen, ihnen vielleicht sogar was „beizubringen“ oder neue Horizonte zu öffnen. Dass dabei auch ein paar Bilder der neuen Eskadron Kollektion auftauchen, gehört irgendwie dazu und macht die Sache ja auch bunt. Nicht jeder kann seine Konzentration nur auf den Sport richten.

Kleine Vorschau des „Bloggertalks“

Ich finde übrigens nicht, dass Influencer kein Job ist, wenn man es richtig macht. Es ist vielleicht ein neuer Job, der noch nicht in alle Köpfe geht, weil man sehr viel am Handy arbeitet, über sein Leben erzählt, vielleicht schwer zu erklären ist für die Großeltern. Aber, um es richtig zu machen und alle regelmäßig (möglichst noch auf allen Kanälen) mitzunehmen, das geht weit über ein Hobby hinaus. Weil: Es kostet unfassbar viel Zeit. Das Schreiben, das Bearbeiten, die Videos drehen, schneiden, finalisieren, das Hochladen, das Verlinken, Fotografieren, In Szene setzen, Posts planen und und und.

Das war jetzt mal ein kurzer Exkurs, aber es brannte mir heute unter den Nägeln. Heute kam sehr viel zusammen und manche tragen dann mehr und weniger zu den Diskussionen bei oder gießen noch Öl ins Feuer. Mehr Miteinander, meine Lieben, mehr Miteinander <3 Generell im Reitsport ja ein schönes Thema 😀

6 Kommentare bei „Von Bloggern und Influencern“

  1. […] WG („Reiter WG“), dann gabs beim CHIO den großen Eklat (woraufhin ich auch einen Artikel schrieb, warum sich alle immer gegenseitig zerfestzen müssen), dann wurde es eher schlimmer als […]

  2. Ach Mensch Juli ♥ das hast du so schön geschrieben ♥

    1. Danke Viviane!! 😍 wann sehen wir uns eigentlich mal wieder? Kommst du zur Hansepferd??

  3. Wie wahr, vor allem der letzte Absatz!
    Der Beruf Influencer ist halt einfach noch so jung, dass viele ihn belächeln (und das ja schon länger, in der „Pferdeszene“ kommt er ja gefühlt gerade erst an). Vor allem sicher auch, weil er einfach mal etwas „ganz anderes“ ist. Und was der Bauer nicht kennt, das frisst er bekanntlich auch nicht 😉 Schade aber, dass selbst die junge Generation das oft nicht anerkennt und keiner dem anderen die Butter auf dem Brot gönnt. Man muss ja nicht jeden mögen, man muss es aber auch nicht öffentlich/halböffentlich und auf beleidigende Weise kundtun.

    1. Da hast du allerdings recht 🙂 Aber es gibt auch Gegenbeispiele, wie Ann-Christin und mich.. wir haben uns nur über den Blog kennengelernt und helfen einander auch. An sowas muss man sich dann festhalten 😊💁‍♀️

      1. Defintiv! Wäre auch super traurig, wenn es sowas überhaupt nicht gäbe!

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