Hab dein Pferd vorm Bein

Lehrgang bei Lars Meyer zu Bexten, 10.-12.11.2017

Um nicht den Anschluss an die aktuellen Ereignisse zu verlieren, kommt hier schon der Bericht über den Springlehrgang der vergangenen Tage. Alle Jahre wieder versuche ich, in Luhmühlen einen Platz beim Lars Lehrgang zu bekommen. Meistens schaffe ich es auch – er macht seit 2 oder 3 Jahren im März und im November 3 Tage Lehrgang. Dieses Jahr war es mir nur im November gegönnt, mitzureiten, denn im März war es unter der Woche und da hab ich es aus beruflichen Gründen nicht geschafft. Daher hab ich mich umso mehr auf den November-Termin gefreut!

Mit Alani & Nessi ging es am Freitag also los Richtung Luhmühlen. Ich war in der ersten und dritten Stunde – was zwar früh war, aber dafür weiß man auch, dass der Trainer noch „frisch“ ist 😀 Also alles gut, ich warte eh nicht gerne ewig bis ich dran bin. Geritten wurde zu viert, aber dafür war auch eine ganze Stunde Zeit. Normalerweise bin ich kein großer Fan von mehr als 3 Reitern, aber wenn genug Zeit ist, dann ist das auch ok. Lars hat da für jeden genug Zeit.

Freitag: „Pferde lockern“

Da ich schon mehrere seiner Lehrgänge besucht habe und der Ablauf meistens ähnlich ist, wusste ich, was Freitag auf dem Plan stand: Reihe! Es gab viel Basisarbeit in der Lösungsphase und dann gings an ein paar kleine Sprünge und am Ende stand die Reihe mit 5 Sprüngen (3x In-Out Kreuze, Steil und am Ende ein Oxer). Ich sag immer, bei Lars ist man schon fix und fertig nach der Lösungsphase. Ich bin danach schon das erste Mal komplett durchgeschwitzt und die Pferde meistens auch. Es bringt aber auch unheimlich viel. Man trabt viel, macht viele Wechsel und im Galopp sollen die Pferde erstmal nach vorne ziehen. Das heißt, es geht erstmal 3-4 Runden außenrum und immer weiter zulegen. Zulegen bis zum Mittelgalopp und der wird gehalten. Gehalten. Noch eine Runde, das werden dann meistens 2. Man kommt sich dabei auf dem Pferd ziemlich doof vor, weil man da durch die Halle rast, aber das soll kein auseinander jagen sein, sondern schon an die Hand ran. Es wird noch ein Video von dem Lehrgang geben, da seht ihr dann auch, was ich damit meine. Es ist eine unfassbar gute Übung für Pferde, die sich gerne festhalten. Und auch, um die Pferde mal vors Bein zu kriegen. Mein persönliches Grundthema des Lehrgangs.

Alani und Nessi gebärden sich bei dieser Lockerungsübung sehr unterschiedlich. Alani tut das Nach-vorne-Reiten gut, er lässt mal los, er streckt sich ab, er springt dann noch viel besser. Bei Nessi ist das etwas schwieriger. An sich ist sie auch nicht richtig vorm Bein, aber sie lässt sich von dem vielen Galoppieren eher aufputschen und es ist dann schwierig, später in Ruhe in die Reihe reinzureiten. Wenn sie einmal auf Touren ist, ist Ruhe eher nicht mehr so ihr Ding.

Die ersten kleinen Sprünge waren ganz gut, die Reihe war etwas wackelig – also es fühlt sich ja immer von oben etwas anders an als es aussieht. Alani guckt unheimlich beim ersten Mal Kombination oder Reihe. Und er guckte immer an einer bestimmten Stelle, da musste ich dann etwas nachhelfen, aber der Oberkörper soll immer schön gerade bleiben und nicht viel hin und her. Das coole am ersten Tag Reihe springen finde ich immer, dass Lars dann den letzten Sprung variiert in der Höhe und am Ende müssen die Pferde einmal richtig abdrücken. Damit checkt er zum einen, wie die Pferde so drauf sind und ich kann ganz entspannt (weil passt ja immer) etwas höher springen. Die Pferde müssen sich dann einmal richtig strecken und aufwölben – bei Alani war das eine tolle Entwicklung an dem Tag. Bei Nessi sah es im Video noch nicht mal so aus, als würde sie sich anstrengen müssen. Sie wird innerhalb der Reihe oft ein bisschen hektisch, weil sie so ehrgeizig ist und unbedingt hinten rüber will. Und je öfter man die Reihe springt, desto mehr wird das. Trotzdem hat sie das super gemacht an dem Tag und ich merkte auch in der Lösephase, dass die viele Dressurarbeit meiner Mum so langsam Früche trägt, denn ich konnte Galopp-Trab Übergänge reiten ohne die Anlehnung komplett zu verlieren.

Samstag: „Pferde führen und Linien treffen“

Samstag standen dann längere Linien auf dem Programm. An beiden langen Seiten waren lange Distanzen aufgebaut mit 3 Sprüngen und in der Mitte standen auch noch 2 Hindernisse, die man aus Zirkeln treffen musste, danach gleich abwenden und solche Übungen. Das ist ja garnicht Nessis Ding. Gerade bei langen Distanzen wird sie oft ziemlich doll und der letzte Galoppsprung passt kaum noch hin. Aber nun gut, da muss man ja ran.

Nessi war diesmal als erste und insgesamt etwas anstrengend. Die vielen Volten / Kehrtvolten passten ihr nicht so 😉 Bei Wechseln hat sie eh noch ihre Probleme, die springt sie entweder nicht ganz durch oder reißt mich dabei halb aus dem Sattel, weil sie gegen den Zügel springt. Auf jeden Fall sollten wir dann die Wechsel über Trab machen. Das war deutlich besser für sie. Aber auch das Abwenden direkt nach dem Sprung fiel ihr wirklich schwer. Da kann man nicht so easy einwirken mit bisschen Gewichtsverlagerung. Weil, wenn Nessi den nächsten Sprung sieht, interessiert es sie relativ wenig, wo ich eigentlich hin will. Da merke ich wieder, woran es noch hapert und woran es liegt, dass ich noch keine Zeitspringen gewinnen kann. Dafür muss sie einfach noch etwas rittiger werden, muss besser zuhören und gleichzeitig besser vorm Bein sein. Womit ich wieder beim Thema wäre. Sie springt zwar immer zu, aber wenn sie am Bein reagieren soll wie beim Zulegen, merkt man die deutliche Verzögerung.

Mit Alani war es etwas einfacher, die Linien zu treffen und auch direkt nach dem Sprung abzuwenden. Er ist da schon fein zu reiten und hört gut zu. Die Lösungphase, in der er mal so richtig nach vorne durch den Körper muss, tut ihm aber auch besonders gut. Er will das zwar erst nicht 😉 aber nutzt nix..  Auch er springt die Wechsel nicht ganz selbstverständlich, ist da aber schon deutlich weiter als die Stute, sodass das kein großes Problem ist. Insgesamt war es eine super Stunde mit ihm. Durch den guten Rythmus, den wir am Anfang erarbeiteten, fanden wir immer gute Distanzen zu den Sprüngen und auch die letzte Linie war mit dem letzten hohen Steil super zu reiten und ohne Fehler. Ich habe sogar ein tolles Lob von einer Mama am Rand bekommen, dass es so harmonisch bei uns aussieht und man gerne zuschaut <3 Oh wow, vielen Dank !!!

Sonntag: „Rythmisch Parcours reiten“

Sonntag stand dann Parcours reiten auf dem Programm. Da wird die Stunde aufgeteilt, sodass jeder seine 15-20min Einzel-Unterricht hat, in dem er ein paar Aufwärmsprünge macht und dann Parcours reitet. Dieses Jahr war das leider etwas stressig, weil Lars sehr viel Hektik verbreitet hat. Vor allem mit Nessi ist es dann schwierig, Ruhe zu bewahren, weil sie diese Hektik sofort aufnimmt.

Erst dachte ich, sie wär müde. Ist ja auch klar nach zwei so anstrengenden Trainingseinheiten. Beim Antraben war sie aber ganz frisch. Normalerweise ist sie am dritten Tag am besten, weil sie dann das übersschüssige Pulver verschossen hat und entspannt zu reiten ist. Leider war das nicht ganz so. Sie hatte scheinbar Muskelkater und war deshalb nörgelig und die hektische Atmosphäre machte es nicht so richtig besser. Ich hatte sie damit noch weniger am Bein als die letzten beiden Tage und da war der ganze Rythmus irgendwie weg. Sie stieß sich dann auch mehr als sonst an der Hand. Das ganze Gefühl war irgendwie doof. Sie guckte sogar in der langen Distanz total zu Lars und ließ sich so komplett aus dem Konzept bringen. Ich kriegte an dem Tag dann auch keinen Draht mehr zu ihr, um sie wieder runterzuholen. Am Ende war trotzdem ein wichtiger Tipp dabei, um aufm Turnier die Fehler im L zu vermeiden: Ihr auch mal helfen 🙂 Kurz mit der Hand einwirken, um sie in die Sprünge nicht so reindrücken zu lassen. Selbst wenn es passend ist, dann nicht einfach nichts machen, sondern eine kurze Parade, um sie aufmerksam zu halten. Außerdem ist natürlich mein Oberkörper bei ihr ein entscheidender Faktor, das predigt mir Tim ja auch immer wieder. Wenn da mehr Spannung drin ist, springt sie auch besser.

Insgesamt muss ich mit Nessi immer wieder die Balance zwischen Kontrolle und „Machen lassen“ finden. Das wird unsere Aufgabe für nächstes Jahr. Lars sagte zum Abschluss auch nochmal, dass so vorsichtige Pferde gerne mal etwas länger brauchen und man sie an die Höhen auch langsam gewöhnen muss. Sie wird doch unsicher, wenn es höher wird. Ich finde, das ist bei L mittlerweile echt gut geworden, aber wenn ich so Ende der nächsten Saison gen M will, dann muss ich im Training immer mal wieder einen höheren Sprung einfügen, damit sie sich daran gewöhnen kann.

Bei Alani war dann wieder etwas Ruhe eingekehrt. Vielleicht war ich auch nur entspannter. Er war beim Abreiten garnicht so müde wie erwartet und ich versuchte, in der Lösungsphase möglichst viel aus den letzten beiden Tagen zu machen, um ihn auch so schön an zu kriegen. Das gelang mir scheinbar ganz gut, denn wir fanden einen super Rythmus. Ich kam gut zum Sprung, Alani sprang gut und es war ein super Gefühl. Das hielt auch über die ganze Einheit. Damit hab ich eine super Vorbereitung auf das Turnier in Elmshorn am 26.11. und bin echt froh, dass Alani so toll durchgehalten hat in den 3 Tagen. Hatte garnicht erwartet, dass das mit der Ausdauer so gut klappt.

Nach so einem Lehrgang gibt es dann immer ein lachendes und ein weinendes Auge: Ein lachendes, weil man so viel mitnehmen kann – in die Winterarbeit, zum nächsten Turnier, an Trainingseindrücken und – anregungen und ein weinendes, weil man 1. nun wieder ein halbes-ganzes Jahr warten muss auf den nächsten Lehrgang und 2. weil man nun wieder weiß, woran es hapert.. Aber gut, man lernt ja nie aus und es gibt immer ein nächstes Ziel!

Fotos aus den Videos

Ein Kommentar bei „Hab dein Pferd vorm Bein“

  1. […] Lars Meyer zu Bexten in Luhmühlen, das Video mit ganz vielen Reit-Ausschnitten folgt noch! Den Bericht zum Lehrgang habt ihr ja bestimmt schon gelesen, das hat wieder wahnsinnig viel neuen Input gebracht. Diesmal […]

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