Der Champion – Alani

Hard Facts:

  • 10 Jahre alt
  • ungefähr 1,78m groß
  • Holsteiner
  • Abstammung Aljano x Landgraf I
  • Ich reite ihn seit 2010
  • Er gehört mir seit 2012

Wenn ich Alani mit 3 Worten beschreiben müsste:

  • treu
  • zuverlässig
  • liebevoll

Größte Erfolge:

  • Busch: CIC* 3.Platz in Sahrendorf 2016
  • Springen: Glücks-M* Springen gewonnen / Stil M* 8,0
  • Teilnahme VR Classics 2017 M** Springen über Naturhindernisse
Sahrendorf 2016

Wie kam Alani zu mir?

Unser erster Stall hier oben im Norden war der Stall von Hauke Petersen in Kisdorf. Dort standen wir einige Zeit und ich hatte mit dem Studium und unseren Pferden (damals waren die Rentner noch keine Rentner) noch ein bisschen Zeit übrig. So kam es, dass ich das junge Pferd des Stallbesitzers mit einreiten und ausbilden sollte. Ein junger brauner Dreijähriger, sehr schlaksig, wenig drum gekümmert, noch echt roh. Zusammen mit einer Angestellten gewöhnte ich das Pferd an Trense/Sattel/Longe. Das erste Mal im Sattel war dann in der Stallgasse – alles etwas alternativ und wie man es früher gemacht hat. Aber dafür war der Junge brav und machte alles mit. Außer das Ausbinden an der Longe, das wollte er garnicht – irgendwie verstand er es nicht so richtig, dass man den Kopf runter nehmen sollte. Also dachte ich mir was mit einem einzelnen Gummi-Zügel aus, sodass er entspannt den Weg nach unten lernen konnte und nicht mit Druck gezwungen wurde.

Alani als Fohlen

So arbeiteten wir uns voran, ein paar Monate, bis man Schritt/Trab/Galopp außen rum und auch ein bisschen lenken konnte. Dann ging er erstmal wieder ein halbes Jahr auf Koppel. Meiner Meinung nach der beste Weg, Pferde auszubilden. Dann sind sie keine Babys mehr, können noch ein bisschen Kraft kriegen, sich zurechtwachsen und wissen aber schon grob, worum es geht, wenn man sie wieder reinholt. Mit 4 wollten wir dann ein bisschen auf Turnier loslegen, ganz leicht, ein bisschen Reitpferde reiten. Das klappte nur so mittelmäßig, denn der Braune holte sich hier und da immer mal wieder Verletzungen, die ihm Pause bescherten. Nichts wildes, aber eben mit Verband und Behandlung. Wir waren also nur auf 1-2 Turnieren. Da war er aufgeregt, aber brav und versuchte, alles richtig zu machen.

2012 war er dann schon 5 und wir wollten los. Dressur und Springen ging soweit ganz gut, dass wir uns auf Springpferdeprüfungen Kl. A konzentrierten. Da musste ich allerdings ziemlich schnell feststellen, dass es frustierend ist, in solchen Prüfungen als No-Name zu reiten. Egal wie gut er war, wie toll er sich reiten ließ, ich ritt immer hinterher. Ein paar Schleifen waren dabei, aber alles in allem hatte ich dazu schnell keine Lust mehr. Mitte 2012 wollte Hauke ihn dann verkaufen. Es gab ein kleines Video, ich ritt ihn vor, ein paar Menschen waren zum Ausprobieren da. Und mir blutete das Herz. Ich hatte mich zwar noch nicht unsterblich verliebt in den großen Esel, aber ihn nach 1,5 Jahren Arbeit wegzugeben, war doch irgendwie schmerzhaft. Viel Geld sollte er noch nicht kosten, denn sein TÜV war nicht so doll und hohe Platzierungen hatte er ja auch noch nicht. Nur ich wusste im Inneren eigentlich, dass er zu groß für mich war. Ich hatte meinen kleinen Ted und da passte ich auch viel besser drauf und was sollte ich mit so einem großen langen Pferd, das kein Blut hat und sowieso eigentlich kein Busch-Typ ist. Aber naja, es schmerzte immer mehr und da Gustl zu der Zeit gerade krank war und wir auch nicht wussten, ob die Renterzeit gekommen war oder er nochmal gut laufen würde, hatten wir Ungewissheit. Bis dato war Alani noch nicht im Gelände gewesen – also zum Springen im Gelände. Als Verkaufspferd – mit Dressur-Abstammung hatte ich ihn zwar vielseitig ausgebildet, aber eben nicht im Busch.

Sieker Berg 2012

So langsam reifte in uns ein bisschen die Idee, ihn doch zu übernehmen. Aber erstmal irgendwohin fahren und gucken, ob er überhaupt über einen Baumstamm springt und ins Wasser geht. Er ließ sich mit dem Wasserschlauch nicht abspritzen – panische Angst – und daher ging ich nicht davon aus, dass er freiwillig in ein Wasser gehen würde. Wir fuhren nach Heist. Und Alani sprang alles, was da stand. Hatte total Spaß. Ich auch. Ein Wahnsinn. Und er ging sogar ins Wasser. Ja, was soll ich sagen – damit war mein Herz verloren.

Heist Sept 2012

Dann haben wir ihn gekauft. Man kann sagen, 5+6-jährig war das kein besonders einfaches Pferd. Er war motiviert, ja, aber dressurmäßig in sehr unterschiedlichen Phasen und da musste man echt durchhalten. Platzierungen hatte er auch eher wenige – 2013 gings auch in die ersten Geländepferdeprüfungen, wo ich den Frust der Springpferdeprüfungen nochmal wiederholen durfte und deshalb recht schnell in die einfachen Stil A Geländeritte ging. Ich muss sagen, es dauert meistens eine Saison bis er auf der nächsten Klasse ankommt und wir da Erfolge feiern können. Aber, was ich immer mehr festgestellt habe, dass er im Gelände immer mehr Spaß bekommen hat und sehr selten Fehler hatte.

Das ist sowieso etwas, was ich aus seiner Ausbildung immer noch sehr im Kopf habe. Wir haben alles spielerisch gelernt, Springen, die ersten Wassergräben, Reihen, etc. Und irgendwie geschafft, dieses spielerische auch später nicht zu verlieren. Alani hatte nie aus Bocklosigkeit Stops oder hat blockiert. Klar gab es als junges Pferd mal einen Stop, auch auf dem Turnier, aber dann war auch irgendwas gruselig oder er kannte das noch nicht.

Luhmühlen Lehrgang bei Peer 2012

Das, was er bis heute erreicht hat, hätte ihm wohl keiner zugetraut. Sowohl vom Springen als auch von der Strecke, vom Durchhaltevermögen und und und. Aber wir haben ab einem bestimmten Punkt auch voneinander gelernt und sind miteinander gewachsen. Ich würde mir einige Strecken auch nicht vorstellen können ohne ihn. Aber ich weiß dann – er macht das schon.

Was macht Alani aus?

  • Das Thema Zuverlässigkeit hab ich oben schonmal gesagt, aber es ist einfach so: Man kann sich immer auf Alani verlassen, wenn es drauf ankommt.
  • Er fragt nicht, OB, sondern nur WIE.
  • Er ist nicht das aller schlaueste Pferd, aber im Gelände äußerst geschickt.
  • Er ist verfressen – so verfressen, dafür tut er alles. Aber meine Mum fördert das auch mit andauernden Leckerlies.
  • Hans Melzer hat mich beim ersten Lehrgang gefragt, ob das Pferd nicht schon 2* gelaufen wäre, der würde das alles so lässig machen (das war 2014, da war Alani gerade 7 und erst eine Saison Gelände gelaufen).
  • Chris Bartle hat ihn bei einem Lehrgang immer „Super Tanker“ genannt, weil er so lang ist.
  • Peer sagte bei einem der ersten Busch-Lehrgänge: „Potenzial schadet eben auch nicht.“
  • In bisher keiner CIC* hatte Alani einen Stop.
  • Wie oben bereits erwähnt, hat Alani sehr wenig Vollblut-Anteil, was als Buschpferd nicht unbedingt von Vorteil ist. Ich muss also viel trainieren, um ihn für die internationen Prüfungen fit genug zu kriegen. Aber er hat auch einen tollen Galopp mit großer Umsetzung, der hilft beim Meter Machen.
  • Wenn man Alani warmspringen sieht, denkt man, der würde gerade mal über einen A-Sprung kommen.
  • Er springt nur so hoch wie er muss – warum denn mehr machen?
  • Thema Dressur ist eine ewige Baustelle. Er ist ja etwas nach unten gebaut und daher ist es schwer, ihn voll aufzurichten für Versammlung, aber wir arbeiten stetig daran und es wird so langsam wirklich besser. Alani braucht für alles etwas Zeit.
  • Auf der Geländestrecke ist es ein Geben und Nehmen – ich helfe ihm, er hilft mir. Mittlerweile sind wir irgendwie verwachsen miteinander.
  • Er ist nicht der Vorsichtigste, aber trotzdem haben wir oft Nuller im Springen.
  • Vertrauen. Wenn ich sage, spring ab, dann springt er ab. Er verlässt sich sehr auf mich. Das ist manchmal auch eine Herausforderung.
  • Mit anderen Pferden auf der Weide ist er ein Rowdie – da gilt das Recht des Stärkeren!
  • Beim Umgang mit Menschen ist er brav, meistens gut erzogen.
  • Man konnte ihn bis 7-jährig nicht mit dem Schlauch abspritzen.
  • Er ist super geräuschempfindlich – alles, was Shhh macht (wie Wasser, Spray, etc.) geht nicht an ihn (hat er wohl von Mama geerbt)
  • Er ist ein bisschen trottelig, auf eine süße und etwas unbeholfene Art.
  • Er ist keiner, der auffällt – bei dem jeder sofort denkt: Oh, was für ein Kracher. Eigentlich ist er etwas unscheinbar.
  • Lange Zeit hatte er ein Fohlen/Bubi-Gesicht, ein bisschen verschmitzt, das ist erst letztes Jahr so erwachsen geworden.
  • Alani ist der einzige, der keinen Stallnamen hat, sondern so heißt wie auf dem Turnier. Das resultiert einfach daraus, dass er schon immer Alani hieß und ich ihn beim Kauf dann auch nicht mehr anders nennen wollte im Stall 😉
St.Peter-Ording M*-Springen 2013

Die Vielseitigkeit hat ihn stark und selbstbewusst gemacht. Alani ist von Natur aus kein dominantes Pferd, aber dieser Sport hat ihn irgendwie selbstständig gemacht, aus den vielen Gründen, die ich schon genannt habe. Ich kann auf einer Geländestrecke nicht alles selbst entscheiden. Da muss auch was von ihm kommen. Chris sagt immer: Du bist für den Weg und den Rythmus verantwortlich, er für den Sprung. Man kann im Gelände eben auch nicht immer passend hinreiten, die Pferde müssen sich dann selbst helfen und wissen, was sie tun.

Huii, da hab ich mir doch gedacht, ich schreib mal ne kurze Vorstellung, da war es schon wieder ein Roman. Wahrscheinlich hab ich auch immernoch nicht alles erzählt 😉 Irgendwie fällt einem dann noch so viel ein, wenn man ein Pferd schon so lange kennt. Und vor allem – seit Anfang an! Er ist schon mein großer Schatz und ich habe nach Gustl nicht gedacht, dass ich jemals wieder ein Pferd habe, das so viel kann. Und dann kam Alani und wurde besser und besser und besser.

2 Kommentare bei „Der Champion – Alani“

  1. Einfach toll geschrieben. Ich freue ich schon die anderen kennen lernen zu dürfen 🙂

    1. Vielen Dank liebe Anja 🙂

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