Tag der Interviews…

TRYON / Daily Report 3 – FREITAG 

Auch der Freitag fing wie schon fast gewohnt mit dem 6 Uhr Weckerklingeln und dem supergesunden FrootLoops-Cornflakes-Hirsebrei-Frühstück an. Unser Shuttle ging um 7.

Seit Tagen war das vorherrschende Thema immer wieder der Hurrikan „Florence“ gewesen. Ok, ab und an sprach man auch über Dressurnoten, aber meistens ging es doch um „wie wird das Wetter? Wann kommt der Regen? Wann kommt der Sturm? Hält das Gelände?“ usw. usw. In allen Ausführungen. So langsam nervte es. Fast noch mehr in den Medien als wirklich vor Ort. Jeden Abend sah man die Horrormeldungen, Überschwemmungen und Verwüstungen an der Küste im Fernsehen (wo es anscheinend nur Katastrophen- oder News-Sender gab), aber wir waren anscheinend weit (genug) weg. Nun gut, wir hatten ja keine Ahnung, vielleicht kam ja noch was.

Auf jeden Fall hieß es heute im Pressezentrum, dass der große Regen Samstag abend erwartet wird. Das Gelände findet um 10.00 statt, aber es wird statt alle 4 alle 3 Minuten gestartet und am Sonntag findet nichts statt. Die Verfassung und das Springen erst am Montag. Oha – unerwarteter Off-Day!

Heute morgen ging es dann Schlag auf Schlag, erst ritt Sandra ihre Dressur mit ihrem jungen Hengst und wie jedes Mal waren alle deutschen Reiter zum Zuschauen da. Beeindruckend, das war für alle wie ein fester Termin „wenn einer von den anderen reitet, sind wir da. Wir feuern an, wir helfen, wir freuen uns mit und feiern mit.“ Krass, hätten wir nicht ganz so erwartet.

Kurz darauf kam auch schon Dibo. Auch der war sehr gut, war doch auch Corrida noch recht unerfahren auf diesem Level und dieser Atmosphäre. Bis 14.30 Uhr Ingrid dran sein sollte, bedeutete das für uns Hektik, straffes Arbeiten, viele Kilometer machen und das bei brütender Hitze. Gut, die waren wir ja durch unseren Sommer fast gewöhnt, aber die extrem hohe Luftfeuchtigkeit schlug einem doch immer wieder wie eine Wand entgegen.

Gott sei Dank war wenigstens das Pressezentrum klimatisiert, sodass man dort immer mal wieder zwischen den Ritten und unseren Interviews aufatmen konnte. Wir wollten nämlich am Freitag noch so viel wie mögliche Geländestimmen vor dem Gelände einfangen. So konnten wir den deutschen Tierarzt zu den klimatischen Bedingungen für die Pferde befragen, Dibo nach seiner Dressur abfangen und die Legende Mark Todd nach seinem Eindruck vom Gelände fragen

It’s a question for the riders, you have to leave enough in the tank…

Auch Louise Svennson Jähde (die etwas enttäuscht von ihrer spannigen Kikki war) und Ingrid Klimke konnten wir nach ihren Dressur sprechen und nach dem Gelände fragen. Alle waren sich einig, das wird schwer und eine konditionelle Herausforderung. Aber vor allem – wir hatten das Gelände ja noch nicht gesehen – war es wohl eine Denksportaufgabe, weil es so viele Alternativen gab und Hinderniskomplexe von A-G (sowas hatten wohl selbst die ganz Großen des Sports noch nie gesehen).

Mein persönliches Highlight am Freitag war sicher das Treffen mit Andrew Hoy! Der Mann war vor 40 Jahren(!!) seine erste Weltmeisterschaft geritten, mit 19 Jahren. Die letzten Jahre war es ruhig um ihn, aber er hatte seit 2017 ein neues vielversprechendes Pferd im Stall: Vassily de Lassos, jetzt 9-jähriger Anglo-Araber. Er fiel mir schon in Aachen extrem auf, ein tolles Pferd, aber auch wahnsinnig gut gemanagt. Andrew war bei unserem Treffen total nett, erzählte mir ein bisschen über den Werdegang des Pferdes und was er von Tryon und dem Gelände hält. Am Ende gabs natürlich auch ein Fangirl-Bild für meine Sammlung 🙂

Nachmittags gings dann auch für uns endlich ins Gelände – selbst einen Eindruck verschaffen. Auch die Reiter waren wieder unterwegs, teilweise zum 4. oder 5. Mal. Und wie schon zuvor angesprochen, es gab so unendlich viele Alternativwege, das musste man sich schon mehrfach anschauen, um alle Eventualitäten abzuwägen. Während des Abgehens erstellten wir ein Course-Walk-Video und konnten uns außerdem von Kai Rüder vor Ort das Wasser erklären lassen, wie er sagte „…erst mal das Alphabet kennen…“! Viele liefen barfuß ab, der geschaffene, gepflanzte Grasboden war weich und tief wie Moos. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob das auch so toll für die Pferde sein würde, denn das dichte Gras wurde sicher auch schwer auf Dauer im vollen Speed. Für mich sah alles wie künstlich angelegt aus, jeder Grashalm, jeder Berg, jeder Baumstamm, hier war nichts mehr natürlich. Außerdem war das Gelände sehr hügelig. Den letzten Berg mussten wir dann im Eiltempo hochrennen, weil wir Julia noch für ein Interview erwischen wollten und kamen völlig am Ende oben an – wie mag es da wohl den Pferden ergehen?


Julia an dem Tag noch zu erwischen war super, wir hatten uns irgendwie den ganzen Tag verpasst, aber sie ist ziemlich kooperativ, daher hat sie uns noch 5min nach dem Riders Briefing gegeben und da nicht nur zu ihrer Bomben Dressur was gesagt, sondern auch, was die Reiter eigentlich den ganzen Tag machen und was bei so einem Riders Briefing besprochen wird.

Für uns hieß es danach nur noch bisschen schneiden und dann auch mal Feierabend machen!

Stay Tuned für den nächsten Tagesbericht –>

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