Florence und das Finale

TRYON / Daily Report 5 – MONTAG

Was war das noch – Florence? Hurrikan? Für Sonntag war alles abgesagt. Wir waren gespannt… und dann war es Regen, zwar den ganzen Tag, aber irgendwie nur normaler Regen. Die ganze Absage stieß also auf recht wenig Verständnis. Ok, vielleicht wollte man für überflutete Plätze und Tribünen keine Verantwortung übernehmen, aber bei dem Regen hätte man durchaus reiten können. So die Meinung der meisten Reiter. Besonders die Dressurreiter traf es hart mit dem Ausfall der Kür. Da hätte man sicherlich einen Weg finden können, ohne den einzigen ausverkauften Tickettag ausfallen zu lassen.

Kurzfristig wurde dann doch die 3x verschobene Verfassungsprüfung für Sonntag nachmittag angesetzt. Und das, obwohl alles geschlossen war, kein Shuttle, kein Mietwagen, kein Catering, kein Pressezelt. Nun ja, für uns wenig Chancen hinzukommen, also verpassten wir den Teil der Prüfung. Ein paar Zuschauer und Presseleute waren wohl doch da. Ging auch alles gut, im schicken Gummistiefellook.

Wir haben den Tag mit Material-sichten, schneiden und ein wenig Shoppen im Outletcenter verbraucht. Auch nett. Obwohl komplett unter Dach war dieses völlig menschenleer. Eine Verkäuferin klärte uns dann auf, dass die Amerikaner bei Regen nicht mehr vors Haus gehen, wenn sie nicht unbedingt müssen. Auch nicht in ein Indoor Einkaufszentrum, welches ansonsten rammelvoll ist. Naja, Glück für uns 🙂

Montag war leider schon unser letzter Tag. Wir hatten großes Glück mit der Zeiteinteilung, das Springen war auf vormittags gelegt, unser Flieger sollte erst abends gehen. Bis mittags war der Flughafen noch wegen Florence geschlossen. Also alles gut. Nun die große spannende Frage:

Würde es für die Deutschen noch für eine Olympiaqualifikation reichen und für Ingrid noch für Gold?

Vor dem Springen konnten wir noch Jens Adolphsen und Hans Melzer interviewen und trafen Ingrid noch auf ein kurzes Statement. Was für Nerven die Frau hat bei dem Druck und dem Stress – wow, wirklich beeindruckend!! Sie war so „unbekümmert“ und entspannt auf einen Plausch..

Fürs Springen teilten wir uns wieder wie beim Gelände auf, jeder machte seinen Part; Fotos, Live Insta und FB und den Liveticker am Bildschirm. Schon nach den ersten Reitern wurde klar, oh oh, die Stangen fielen aber mega leicht… viele Fehler passierten.

Leider hatte auch Julia 2 Fehler. Dibo und Kai blieben Null. Die Spannung steigerte sich bis ins Unermessliche. Und wieder waren sie alle da. Alle Mannschaftsmitglieder, Helfer, Freunde und Bekannte halfen und fieberten mit. Nun ja, inzwischen wissen alle das Ergebnis, Ingrid hatte einen Fehler am letzten Sprung, allerdings klapperte es auch schon 2mal vorher, da war wohl das Quäntchen Glück am Ende aufgebraucht. Es reichte immerhin noch zu Bronze und für die Mannschaft zur Olympiaqualifikation. Um die Aufarbeitung kümmern sich Gott sei Dank andere, da will ich mir auch gar nichts anmaßen.

Für mich wird das Springen für immer in meinen Erinnerungen bleiben: Die Anspannung von allen, das Gewusel, die Pferde, die Reiter, die nach dem Ritt entweder ein bisschen enttäuscht rauskommen oder voller Freude und vor allem die Teams: Wie sich Irland gefreut hat und auch von allen anderen Reitern geherzt und beglückwünscht wurde, ist einfach unbeschreiblich. Ich hatte das Gefühl, in der Vielseitigkeit sind alle eine Familie. Egal, für welches Team bzw. Land man reitet, es gewinnt eben der, der an diesen Tagen die beste Leistung vollbringt und das wird von allen entsprechend gewürdigt! Ich stand in der Menge, zwischen den Teams, direkt hinter mir Mark Todd und Jonelle Price aus Neuseeland, ein total skurriler Moment, der mir unwirklich vorkam.

Am Flughafen erwartete uns dann die letzte Überraschung, erst trafen wir Sönke Rothenberger, dann Ingrid, Kai-Steffen und Lara und dann noch einen nach dem anderen der deutschen Reiter. Wir waren alle im selben Flieger 😉 Und das machte es als Abschluss dieses ganzen Erlebnisses nochmal umso schöner: Auch diese phänomenalen Reiter sind ganz normale Menschen. Sie müssen auch einchecken, durch die Sicherheitskontrolle, sitzen im Flieger 3 Reihen vor oder hinter einem, gucken Filme im Entertainment Programm oder schlafen eine Weile. Es rückt das Ganze wieder in ein Stück Normalität und macht sie wieder ein Stück „anfassbarer“ für all die Fans zu Hause und für alle, die diesen Sport auch so lieben wie ich.

Tryon – was für ein Erlebnis!

An dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders bei Lutz Kaiser bedanken, der mir und meiner Mum diese unvergessliche Zeit ermöglicht hat. Ich hätte es für mich alleine niemals in Erwägung gezogen, aber durch unsere tolle Kooperation war es möglich, für alle Seiten einen Mehrwert zu schaffen.

DANKE an Vielseitigkeitssport Deutschland und ich hoffe, dass es nicht das letzte Mal war 🙂

Danke auch an meine Mum, die eine unfassbare Hilfe in der ganzen Zeit war – nicht nur als Kamerafrau, sondern auch als Motivator, Seelsorgerin, Antrieb, Verpflegungsmanager und Head of Organisation. Ich hätte mehr als einmal ein Interview nicht bekommen, wenn sie nicht mit gewesen wäre.

Und Danke an alle Reiter, Offizielle und andere vor Ort, die uns unterstützt haben, die Interviews gegeben haben oder uns hinter den Kulissen viel ermöglicht haben. Das ist auch nicht selbstverständlich und das wissen wir sehr zu schätzen.

Ich hoffe, wir konnten Euch einen etwas anderen Einblick in Tryon, in die Weltreiterspiele, zu den Reitern, den Pferden oder auch allem anderen geben und Euch hat unsere Berichterstattung gefallen. Für mich war es auf jeden Fall etwas ganz Besonderes und ich weiß, dass ich mich nicht mit dem klassischen Journalismus vergleichen kann, aber ich denke, ich zeige das Ganze einfach von einer persönlichen (vielleicht etwas emotionaleren) Seite und das gehört ja auch irgendwie dazu. HAPPYNESS !!!

3 Kommentare bei „Florence und das Finale“

  1. Liebe Juliane,

    vielen vielen Dank für diese tolle Berichterstattung. Gerade das persönliche und emotionale macht deinen Blog und auch deine Videos so aus. Jeder kann sich ein bisschen in die Situation rein versetzen, man hat dadurch dann doch das Gefühl „dabei“ zu sein! Der Vielseitigkeitssport ist doch eben was besonderes, jemand der noch nie versucht hat einen Einblick zubekommen oder es doch mal selbst versucht hat, kann fühlen was wir fühlen. Ich komme eigentlich aus dem Springlager, bin aber seit einiger Zeit diesem Sport verfallen und zwar aus zwei Gründen, es ist so familiär und nirgendwo anders ist es so spannend, weil 3 Disziplinen zusammen gefasst werden.

    Ihr beide habt eine großartige Arbeit geleistet und ich hoffe für dich, dass du bei dem nächsten großen Event wieder dabei sein darfst um uns mitzunehmen. Deine sympatische Art ist einfach toll und deine gute Laune, die du auch trotz Rückschlägen hast, motiviert einen selber immer weiter zu machen, auch wenn es mal nicht so gut läuft.

    Liebe Grüße

    Julia 🙂

  2. Mensch Juli, Du hast das so super gemacht!!! Auch die direkten Interviews und die Einblicke ins Team. Man hat sich richtig mitgenommen und ganz nah dran gefühlt. Vielen lieben Dank dafür!

    1. ❤️❤️❤️ vielen vielen Dank!! Das bedeutet mir viel, wenn du das so sagst 🙂 hat einfach nur mega Spaß gebracht 😊🎉💪

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