Zwischen Training und Ausgleich

Ich dachte, ich schreibe Euch mal ein kleines Trainings-Update. Nachdem ich die letzten Wochen immer wieder davon geschwärmt habe, wie motiviert Alani ist und wie toll er läuft und wie rosarot die Welt aussieht – das war sie auch wirklich – muss ich am Ende der letzten Woche leider sagen: Uns hat wohl der Hallenkoller jetzt auch erreicht. Schade eigentlich, ich hatte mich gefreut, dass ich die Motivation des Pferdes (und auch meine eigene) so lange aufrecht erhalten konnte und die ganze Zeit so positiv war… aber Mitte November bis Mitte März, 4 Monate, sind eben auch eine lange Zeit und ich mache jetzt einen Monat zu früh „schlapp“.

Naja, natürlich mache ich nicht schlapp und natürlich ist alles nicht ganz so schlimm wie ich tue. Das Pferd läuft immer noch gut und ich hab auch Lust, in den Stall zu fahren und was mit ihm zu machen, aber gerade diese Woche habe ich gemerkt, dass er doch ein bisschen unzufrieden ist. Lustigerweise (oder passenderweise) habe ich letzten Dienstag über das Thema „Herzenspferd / Once-in-a-lifetime-horse“ auf Instagram geschrieben und dabei kam auch hoch, dass ich eine sehr innige Beziehung zu Alani habe. Ich merke ziemlich schnell, wie es ihm geht, wie er sich fühlt, ob ihn was nervt oder ob er total guter Dinge ist. Diese Tatsache, dass ich das so schnell merke, ist einerseits toll, weil man darauf auch gut und schnell reagieren kann, macht es aber andererseits unfassbar schwer. Denn man kann ihm nicht immer alles recht machen. Das ist eigentlich unmöglich. Und wenn man darauf zu lange rumdenkt, dann kann man schnell unzufrieden werden und sich selbst demotivieren (weil man kann es ja eh nicht alles richtig machen…).

Wisst ihr, wovon ich rede oder ist das alles wirres Zeug? Eigentlich sagt der Titel schon, was ich sagen will: Zwischen Training und Ausgleich gibt es so eine ganz ganz schmale Linie, auf der man als Reiter/Pferdebesitzer entlang tänzelt – die Pferde genug trainieren, aber eben auch genug motivieren. Beides zusammen ist nicht unbedingt immer gegeben. Da gilt vermutlich auch der Spruch „So viel wie nötig und so wenig wie möglich (trainieren?!)“.

Ganz konkret ist es so: Alani braucht unheimlich viel Dressurarbeit. Er ist jetzt (endlich) an dem Punkt, an dem er sich tragen kann, an dem er hinten Last aufnehmen kann, an dem er auch kooperativ mitarbeitet und nicht gegen alles ist, was Kraft kostet und an dem er auch die nötige Aufrichtung für versammelnde Arbeit erreicht. ABER: Und da ist der Knackpunkt: Er wird sehr schnell grätzig, wenn man das zu oft einfordert. Er giftet andere Pferde in der Halle an, er legt die Ohren an, er beißt auf dem Gebiss rum (und das ist kein angenehmes Kauen, sondern manchmal eher ein Hacken).

Versteht ihr.. einerseits müsste ich mindestens 3x die Woche Dressur reiten – damit er auch die nötige Kraft kriegt, die für das Quäntchen „Versammlung“ noch fehlen. Andererseits kann ich das nicht, weil er dann madig und so aggro wird. Durch dieses Gehacke auf dem Gebiss wird es dann auch schwer, eine konstante Anlehnung zu halten, ich muss im Sitz sehr stark ackern, um ihn da zu halten und alles wird irgendwie anstrengend und aufwendig.

Am Mittwoch bin ich echt schweißgebadet abgestiegen. Das muss nicht unbedingt negativ sein – es gab auch schon andere Tage diesen Winter, wo ich so gearbeitet habe, aber das war positiv, Alani hat mega Spaß gebracht und auch, wenn es anstrengendes Reiten war, den großen Esel zusammenzuschieben, war es doch am Ende ein mega gutes Gefühl, wie er getrabt und gelaufen ist. Diesen Mittwoch war es eher ein Kampf. Jeden Schritt musste ich rausreiten, jede Aktion doppelt begleiten, dann aber nicht mit der Hand zu viel dran, nicht zu viel Bein, dann rastet er aus, aber treiben, weiter, am Sitz, zusammenschieben mit der Bauchmuskulatur… als Kurzfassung.

Und leider hat sich das dann auch auf Samstag ausgewirkt, als wir beim Springtraining waren. Von Anfang an war er irgendwie mau. Trabte normal, galoppierte normal, aber da war keine große Motivation oder Energie. So sprang er dann auch. Immer mit geradem Hals, etwas laschem Vorderbein, ständig klapperte es an den Sprüngen, es war nicht ganz rhythmisch – wenn ich nicht die ganze Zeit mit dem Bein dran war, fiel er gleich in den Trab – ahh.. die Kurve kriegten wir auch nicht mehr so richtig. Er will sich dann auch nicht in der Rippe biegen und die Ausrede „das ist ja auch ein langes Pferd“ kann ich nun nach fast 8 Jahren auch nicht mehr hören. Da muss er dann durch. Ich will auch viele Sachen nicht und muss da durch 😀

Lentföhrden Dez 2016

Also lange Rede kurzer Sinn, jetzt bin ich kurz mal meinen Frust losgeworden und hoffe, dass wir es diese Woche bzw. in der nächsten Zeit wieder besser hinkriegen. Denn es steht ja einiges bevor. Meine Mum wird jetzt auch wieder mitreiten – das tut Alani immer sehr gut, etwas locker flockiger nach vorne geritten zu werden – und ansonsten versuche ich, etwas mehr Ausgleich reinzubringen. Es ist nicht so, dass wir die letzten Wochen jeden Tag Dressur in der Halle geritten wären (ganz und garnicht!), aber vielleicht war es doch im Ansatz einmal zu viel nach oben geholt in der Dressur-Einheit. Da muss ich immer sehr aufpassen, dass er bei Laune bleibt. Gerade vor der Saison – das ist für ein Buschpferd das A und O. Am Ende zählt für mich nicht, ob ich mit einer 30er Dressur gewinne (das wäre natürlich auch schön), sondern dass er mich im Gelände heil nach Hause bringt. Und an der Dressur können wir auch die nächsten 10 Jahre (hoffentlich) noch feilen 😉

4 Kommentare bei „Zwischen Training und Ausgleich“

  1. Voll cool das du das so erklärst.

    1. 😍👌😊

  2. ich merke auch allen Pferden an, dass sie einfach genug von dem Gekringel in der Halle haben und gerade ein Buschpferd muss jetzt einfach mal wieder raus, galoppieren, und sich wohlfühlen. Das wird echt Zeit

    1. Ja, Silke, du sprichst mir aus der Seele 🙂 heute hat Alani beim Stangentraining nur gebockt ^^

Schreibe einen Kommentar