Ziele

Mich haben in der letzten Woche einige Glückwünsche für meine tolle Platzierung in Polen erreicht (-vielen Dank!!) und auch ein paar Fragen, ob ich nach der dritten Platzierung in einer CIC* dann Ende der Saison meine erste CIC** reiten werde. Das brachte mich auf die Idee, mal einen kleinen Beitrag zum Thema „Ziele“ zu schreiben.

IMG_2801Ein Ziel mit seinem Pferd oder Pony zu haben, ist ganz wichtig. Nur so bleibt man meines Erachtens am Ball, nimmt sich neue Aufgaben vor, fährt zum Unterricht bzw. nimmt überhaupt Reitunterricht und will sich stetig verbessern. Natürlich gibt es auch diejenigen unter Euch, die zum Spaß reiten und gar keine Turnierambitionen haben, aber auch Ihr habt sicher ein Ziel mit euren Pferden – sei es, das Pferd besser an den Zügel zu bekommen oder die ersten Cavalettis zu überwinden. Und das ist wichtig zu wissen, wenn es um ein Ziel geht: Ich meine damit nicht das Ziel, ein A-Springen zu gewinnen (denn das hat auch was mit Tagesform, Glück, Wetterbedingungen, Starterfeldstärke, etc. pp zu tun), sondern vor allem die kleinen Ziele: Harmonischer reiten, das Pferd mehr zum Kauen kriegen, besser sitzen, das Bein ruhiger halten, Volten runder reiten und solche Dinge. Man sollte sich einfach immer wieder was vornehmen und dann darauf hinarbeiten. Wenn man das dann geschafft hat, sucht man sich ein neues Ziel und übt natürlich trotzdem an dem erreichten weiter.

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Das bisher beschriebene nenne ich jetzt mal die „kurzfristigen“ Ziele. Die sich wirklich sehr individuell auf das Reiter-Pferd-Paar anpassen und auch von einem guten Trainer vorgeschlagen werden können. Aus manchen „kurzfristigen“ Zielen können auch mittelfristige werden, wenn es zum Beispiel um ein unruhiges Pferdemaul geht. Das kriegt man nicht so schnell in den Griff, denn das hat was mit Schwung, Geraderichtung und Hinterhandtätigkeit zu tun, aber auch mit der Reiterhand und irgendwie auch allem zusammen 😀

Die langfristigen Ziele sind bei Turnierreitern sicher das Erreichen einer höheren Klasse: Dieses Jahr das erste A-Springen oder die erste L-Vielseitigkeit. Um sich als Amateur nicht selbst zu frustrieren, sollte man sich Ziele setzen, die man auch erreichen kann. Wenn ich mir jetzt vornehme, dieses Jahr noch mit nach Rio zu den olympischen Spielen zu fahren, ist das wohl „etwas übermotiviert“ und natürlich vollkommen unrealistisch. Was mit Realismus zu tun hat, ist jedes Jahr eine neue Klasse anzugehen. Und das auch nur, wenn man gut bzw. erfolgreich in der unteren Klasse unterwegs ist. Zum Beispiel, wenn man dieses Jahr A-Vielseitigkeit reitet, dann kann man unter guten Voraussetzungen (wenn man ein gutes Gefühl in den Prüfungen hatte, wenn man sich das zutraut und wenn man schon mal in einer A platziert war) sich vornehmen, am Ende des Jahres mal eine L-Vielseitigkeit zu reiten.

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Ich finde, dass man auch selbst wenn alles super läuft – gerade in der Vielseitigkeit – den Pferden auch ruhig mal wieder eine lockere entspannte Runde schenken sollte – in einer Klasse niedriger. Ich bin letztes Jahr zum Beispiel zwischendurch auch noch mal eine VA mit Alani geritten. Das macht den Pferden dann richtig Spaß, es gibt nicht nur Herausforderungen, sondern sie können eine tolle Spaßrunde drehen und gehen total motiviert daraus hervor. Das ist auch etwas, was man unbedingt machen sollte, wenn es in der höheren Klasse noch gar nicht klappen will: Einfach wieder runter stufen, motivieren und es dann noch mal versuchen. Es ist ja nun mal noch kein Meister vom Himmel gefallen !

Außerdem sollte man sich als „Normalsterblicher“ davon verabschieden, dass man im ersten Jahr, wenn man sich in einer höheren Klasse versucht, dann gleich vorne mitreitet. Klar kann das mal passieren oder man hat Glück oder es läuft halt super – aber man sollte einfach nicht davon ausgehen, denn dann kann man nur enttäuscht werden. Als ich mit Alani die erste Saison L- und auch die erste Saison M-Springen geritten habe, bin ich fast gar nicht platziert gewesen. Er hatte sehr oft 1-2 Fehler und das ist ja bei einem jungen Pferd einfach verständlich. Der muss die Höhe und Weite auch erstmal lernen. Und selbst wenn es im Training schon super klappt, kommt auf dem Turnier noch die Aufregung dazu undsoweiter.

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Soo.. um jetzt mal die Frage von oben aufzugreifen und zu mir zurückzukommen: Nein, ich werde Ende der Saison sicher noch keine CIC** reiten. Ich habe seit langem den Traum gehabt, international auf dem kleinsten Level (CIC*) zu reiten (eigentlich schon seit ich 15/16 bin, zu Kaderzeiten hab ich es auch mal versucht) . Das hat mit Alani 3 Jahre auf sich warten lassen – ist aber jetzt umso gelungener dafür (also alles hat ja auch irgendwie sein Gutes!!). Jetzt habe ich mein Saisonziel 2016 schon übererfüllt und kann entspannt die restliche Saison angehen. Mein Pferd ist ja auch „erst“ 9 und hat damit alle Zeit der Welt. Ich will, dass er gesund bleibt, damit ich noch lange was von ihm habe, und ehrlich gesagt.. ich weiß selbst noch gar nicht, ob ich 2-Sterne reiten will. Bisher kam mir das noch nie in den Kopf und als Amateur ist man ja sehr abhängig von der Qualität und dem Willen seines Pferdes. Alani zeigt sich nun sehr (!!) kooperativ und nervenstark. Ich hatte noch nie ein Pferd, das selbst auf dem Level immer noch so unerschrocken ist und der hat auch genug Qualität, um über die 2-Sterne Sprünge rüberzukommen.. aber ICH muss ja auch noch was machen 😀 Und mit der gleichen Ruhe und Konzentration dagegenreiten wie in der 1-Sterne. Also gaaaanz entspannt. Vielleicht Ende 2017. Wenn alles gut läuft, das Pferd viel Erfahrung auf 1-Sterne-Level gesammelt hat und ich mich auch bereit fühle.

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Ihr solltet das IMMER nur von euch selbst abhängig machen und nie von anderen. Unser Sport ist und bleibt ja nun mal nicht ungefährlich und daher sollte man auch mit genügend Respekt damit umgehen und nichts übers Knie brechen. Wenn es dieses Jahr mit der nächsten Stufe nicht klappt? Ja, dann halt nächstes Jahr. Vielleicht eine Veränderung im Training oder der Vorbereitung oder oder oder.. aber nicht halbgar aufs Turnier und dann einfach Kamikaze versuchen. Das ist meine persönliche Meinung und damit bin ich in den letzten Jahren gut gefahren – auch, wenn ich dann manchmal etwas länger brauche als andere 😀

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