Training ist nicht nur jeden Tag reiten!

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Ja, das allseits beliebte Thema „Training“. Was bedeutet es eigentlich, ein Pferd gut zu trainieren, zu fordern, aber auch nicht zu überfordern, möglichst abwechslungsreich die Woche zu gestalten?

Jeder steht mit seinem Pferd in einem Stall – der eine größer, der andere kleiner – und sieht jeden Tag, was so die anderen mit ihren Pferden machen. Da gibt es welche, die jeden Tag in der Halle reiten, jeden Tag Dressur reiten, jeden Tag Schlaufzügel draufmachen, jeden Tag Sprünge machen, jedes Wochenende aufs Turnier fahren. Für mich ist das kein ausgewogenes Training, ja, eigentlich garkein Training mit Plan dahinter.

Ich habe natürlich auch eine Weile gebraucht, bis ich mir ein System zurechtgelegt habe nach dem ich meine Pferde trainiere. Denn das schlimmste ist, wochenlang so rum zu reiten ohne richtiges Ziel, das heißt für mich auch ohne richtige Motivation 😉 Und irgendwie bleibt man da ja auf der Stelle stehen.

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Wie bei allem im Leben heißt das Zauberwort „Balance“. Und die kann man eigentlich nur finden, wenn man weiß, was für Optionen man hat. Nicht jeder Dressurreiter will Springstunde reiten, aber es ist hilfreich, wenn er dem Pferd trotzdem die Möglichkeit gibt, sich über Cavalettis oder Stangentreten den Rücken besser aufzuwölben und sich mal zu strecken. Man kann mit vielen kleinen Dingen den Alltag des Pferdes abwechslungsreich gestalten. Und da hab ich noch nicht mal von der öden Winterarbeit gesprochen – da wirds mal ein extra Post zu geben, denn wir sind ja nun im Sommer und da ist es wesentlich einfacher 😀

Ein wichtiger Punkt, den ich noch nicht angesprochen habe: Das Training sollte immer auf das Ziel ausgerichtet sein. Wollt ihr Dressur reiten, müsst ihr natürlich die Woche über auch mehr Dressur reiten. Wenn ihr Vielseitigkeit reitet, steht die Kondition mehr im Vordergrund. Ein weiterer Punkt ist natürlich das Alter des Pferdes! Man sagt allgemein: 3-jährig = 3x die Woche / 4-jährig = 4x die Woche / 5-jährig = 5x die Woche. Bei den jungen Pferden finde ich es ganz wichtig, dass sie noch viel Zeit für sich haben, Zeit groß bzw. erwachsen zu werden und nicht jeden Tag unterm Sattel zu gehen. Denn die Muskulatur muss ja erst aufgebaut werden. Bei älteren Pferden kommt es auf euer Bauchgefühl an, wie viele Tage ihr hintereinander reiten könnt, sodass die Motivation erhalten bleibt, aber auf der anderen Seite auch im Training bleibt. Da sind die Pferde sehr sehr unterschiedlich. Das kann ich Euch ja mal an meinen Pferden erklären:

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Alani braucht recht viel Training, er hat wenig Vollblut-Anteil und daher muss ich viel tun, um ihn für so eine CIC* Vielseitigkeit fit zu kriegen. Vor allem Konditionstraining ist gefragt. Aber da ich ja auch die anderen Disziplinen üben muss, kann ich auch nicht die ganze Woche nur Galopptraining machen 😉 Er braucht außerdem mindestens 1x die Woche frei. Er läuft also ca. 5-6x und dann hat er frei. Das variiert natürlich je nach Turnierplan und Unterricht, etc.

Teddy braucht nicht so viel Training. Er ist ein kleines leichtes Pferd, ihm fällt es sehr viel leichter mit der Kondition. Dennoch muss man auch mit ihm natürlich was tun, damit er nicht einrostet. Er muss nicht so oft springen – auch um die Gelenke und Füße zu schonen – dafür aber mehr Longe, damit seine Rückentätigkeit gefordert wird ohne dass ich draufhocke 😀

Nessi hingegen ist wieder ganz anders. Sie muss am besten alle 2 Tage springen – keine hohen Sprünge, sondern einfach kleine Hopser, damit sie entspannter wird. Je mehr, desto besser 😉 Sie muss natürlich auch dressurmäßig voran kommen, also sind da die 2 obligatorischen Dressur-Einheiten in der Woche schon Muss. Aber auch sie braucht nicht zu viel Training, da ihr mehr Kondition erstmal nicht gut tuen würde ^^ Es reicht also, 4x nacheinander zu arbeiten und dann hat sie auch einen freien Tag verdient.

Ich erstelle meinen Plan meistens fast „rückwärts“ – ausgehend von einem anstehenden Turnier. Das ist ein super Fixpunkt im Kalender. Einen Tag vorm Turnier ist meistens Dressur angesagt, um die Pferde nochmal locker zu „schütteln“ für den Großen Tag. Einen Tag nach dem Turnier ist Longe, um den Muskelkater abzubauen.. und den zweiten Tag nach dem Turnier haben meine Pferde fast immer frei. Verdient! Unterrichtsstunden sind auch gute Fixpunkte – so habe ich meistens am Mittwoch oder Donnerstag Springstunde. Und naja, den Rest muss man dann quasi nur noch einpassen!

Was gibt es für Möglichkeiten, was kann man machen? Jede „Disziplin“ kann man quasi auch noch abstufen für seine Planung.

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  • Dressur (Abstufung: locker über Rücken oder Richtung Versammlung nach oben holen)
    • Locker reiten mit Schlaufzügeln (vorsichtig sein mit dem Hilfsmittel! nicht zu oft!)
  • Springen
    • Cavaletti-Arbeit
    • Stangentreten
  • Longe
    • mit Halfter
    • mit Dreieckszügeln
    • mit Stangen
    • variabel in der Zeitspanne (20-30min)
  • Gelände
    • Bummeln mit Freunden
    • Galopptraining
    • Lange Strecken traben
  • Freispringen (gute Übung im Winter)
  • Bodenarbeit

 

Zu einigen von diesen Trainings-Einheiten werde ich in der nächsten Zeit weitere Beiträge schreiben! Wie man das Galopptraining aufbauen kann, mit Zeiten.. wie man Cavaletti-Arbeit auch mit nur einem Cavaletti machen kann, etc.

Stay tuned !!

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