Schon 2 Jahre? Ein kleines Plädoyer

Der Blog feiert heute Geburtstag. Am 30.Mai 2016 habe ich den ganzen Spaß ins Leben gerufen. Und mit dem Blog auch alle Social Media Kanäle gestartet. Und irgendwie hat es auch geklappt. Kann man das so sagen? Naja, ich bin noch nicht reich und berühmt, aber zumindest habe ich extrem viel Spaß mit dem Projekt, denke mir immer wieder neue Sachen aus, bin gefordert, habe noch weniger Freizeit als vorher, habe irre viele Leute kennen und lieben gelernt (nein, ich meine gute Freunde und keinen Kerl) und irgendwie ist es auch zu einer Herzensangelegenheit geworden.

Warum hab ich das damals eigentlich gemacht?

Eine gute Frage und lustigerweise kann man sie garnicht so einfach beantworten. Ich hatte (wie viele andere auch) das Gefühl, ich hab irgendwie mehr zu erzählen als so ein Facebook-Post hergibt. Und meine Facebook Freunde hatten wohl auch ein bisschen viel Pferde-Spam auszustehen. Noch dazu habe ich jede Menge Branchen-Kollegen auf Facebook als Freunde und denen dann die ganze Zeit von meinen Turnieren zu berichten wurde irgendwie unpassend.

Daher war erstmal nur die Idee: „Na, wir filmen doch eh auf Turnieren, dann kannst du das ja auch veröffentlichen und noch was dazu schreiben.“ Haha, wie viel Naivität in diesen Worten steckt. Ihr wisst wohl selbst, dass es mit ein bisschen Filmen und ein bisschen Schreiben nicht getan ist. Die Social Media Kanäle wollen täglich gefüttert werden, der Blog mindestens wöchentlich und YouTube schreit eigentlich auch nach mindestens 4-6 Videos im Monat. Wobei ich ja immernoch mehr machen möchte. Was zeitlich oft nicht drin ist. Aber ich schweife ab.

Fehlte noch der richtige Name. Rein meinen Namen wollte ich nicht nehmen. Nicht, weil ich paranoid bin oder Angst vor Stalkern habe, sondern eher, weil er nicht viel hermacht. Ich wollte was, das mit dem Sport zusammenhängt. Aber auch da: Vielseitigkeit ist so ein langes Wort und das verknüpfen mit Juliane? Puh. Dann irgendwie über Nacht oder in meinem Hinterkopf entstand der Name „Julis Eventer“, denn der einzige Spitzname, den ich irgendwie akzeptieren kann, ist JULI. Und die Eventer stehen für so viel mehr: Eventing ist der englische Begriff für Vielseitigkeit. Julis Eventer können meine Pferde sein, mein Lifestyle, meine Turniere, also nach dem Motto: Julis Eventer-Pferde, Julis Eventer-Lifestyle, Julis Eventer-Turniere und irgendwie steht es für sich alleine auch ganz gut. Oder ich bin ein Eventer. Keine Ahnung, ob es den Begriff wirklich gibt. Aber der Begriff ging mir nicht mehr aus dem Kopf und daher dachte ich: Meistens ist die erste Eingebung doch die beste und daher bin ich dabei geblieben und habe alles aus einem Guss kreiert.

Also war die Idee geboren, ich sehr aufgeregt und nach einer Woche stand der WordPress-Blog mit den ersten 2-3 Beiträgen, ein paar Bildern und die Social-Media-Seiten waren vorbereitet. Dann kam der Klick „Veröffentlichen“ und ich war echt gespannt, was passieren würde.

An was musste ich mich gewöhnen?

An die Sache mit dem „Vor-der-Kamera-stehen“ musste ich mich wirklich gewöhnen. Ich bin beruflich immer hinter der Kamera gewesen und das aus gutem Grund. Schauspielern liegt mir einfach nicht. Nun sollte/wollte ich für den Blog und meine Videos ja nicht schauspielern, sondern nur ich selbst sein. Aber das ist am Anfang garnicht so leicht. Du kommst dir nämlich toooooootal dämlich vor, wenn du dir die Kamera selbst ins Gesicht hältst. Und am schlimmsten ist es, wenn Leute in der Nähe sind, die das auch noch sehen und schlimmstenfalls kommentieren. Einige Sachen konnte ich mir im letzten Jahr von einem Vollprofi wie Annica abgucken, aber ich hab immernoch jede Menge Verbesserungsbedarf.

An Messen musste ich mich gewöhnen. Ich war noch nie auf so vielen Veranstaltungen / Messen wie in den letzten beiden Jahren. Einige waren aufregend und total schön, einige waren sehr anstrengend. Und generell ist es immer irgendwie anstrengend, wenn viele Mädels auf einen Haufen geschmissen werden. Da ist das „Wer? Mit wem? Warum? Wann? Echt? Von wem hast du das“ nur so vorprogrammiert.

Und ich musste mich daran gewöhnen, dass Menschen plötzlich neben mir stehen, mir auf die Schulter tippen mit dem Satz „Ich kenne dich“. Ah – cool 🙂 Ich erstmal überfordert, weil ich garnicht recht weiß, was ich sagen soll. Das Mädchen meistens überfordert, weil sie sich vielleicht erstmal überwinden musste, mich anzusprechen und dann nicht mehr weiter weiß. Und dann gabs schon Situationen, in denen man stumm nebeneinander steht und keiner was sagt.

Was waren besondere Situationen? Besondere Menschen?

Es ist kein Witz oder übertrieben, wenn immer wieder davon geredet wird, dass man über Social Media oder über einen Blog Leute kennenlernt. Ich habe einige meiner besten Freunde darüber kennengelernt: Ann-Christin ist so ein Mensch. Wir tauschen mittlerweile täglich Sprachnachrichten, das geht weit über die Pferde und den Blog hinaus. Mit ihr kann ich über alles sprechen, es gibt keinen Neid, wer mehr oder weniger Follower hat. Wir sind Freunde, die sich gegenseitig Erfolg gönnen, die mit dem anderen lachen können. Ann-Christin hat einen unfassbar treuen, offenen und ehrlichen Charakter und ich schätze sie sehr. Nicht zu vergessen, dass sie mich gerade am Anfang mit ihrem Blog inspiriert hat, ich mir hier und da auch was abgucken konnte und sie mir auch in den letzten Wochen immer wieder neue Gedankenanstöße verpasst hat.

Über Annica bin ich immernoch dankbar, sie ist manchmal so verpeilt, dabei aber so liebenswert und ich erfreue mich einfach an dieser Freundschaft. Denn sie ist echt und nicht nur „wir treffen uns mal auf Messen und tun so, als ob wir uns mögen“ – auch, wenn einige Leute uns das vorwerfen. Ist mir egal. Wir wissen, dass es echt ist.

Ein weiterer besonderer Mensch ist Bianca, die ich bei der Pferd und Jagd letztes Jahr in Hannover kennengelernt habe. Wir arbeiten derzeit an so vielen tollen (gemeinsamen) Projekten, das mir schwindelig wird. Sie kann mir als Journalistin auch noch ne Menge beibringen 😉

Und einen Menschen muss ich noch hervorheben, weil es erst ein paar Tage her ist, dass wir uns auf der Equitana Open Air getroffen haben: Die liebe Hannah von „Little.Eventing.Mick“ auf Instagram. Letztes Jahr hab ich sie auf der Equitana kennengelernt, da hat sie gerade ihr Pferd bekommen und wollte dann starten mit der Vielseitigkeit. Sie reitet jetzt schon super erfolgreich E-Vielseitigkeit und darf dieses Jahr mit zur Goldenen Schärpe. Wir haben uns am Wochenende kurz getroffen und sie hat mir erzählt, wie es läuft, mich ein bisschen ausgefragt und da merkt man, wie viel Interesse da ist und dass sie sich echt gefreut hat, mich zu sehen. Ein tolles Gefühl, so einen jungen Menschen motiviert zu haben.

Besondere Situationen gab es viele in den zwei Jahren. Das erste Mal, dass man angesprochen wurde. Mein Aprilscherz dieses Jahr mit Nessi. Dass Filmprojekte auf der Grundlage der Blog-Zusammenarbeit starten, d.h. mein Blog wirkt sich auch positiv auf meinen Job aus. Der große Zuspruch, als Alani sich verletzt hat, wo man einen großen Zusammenhalt von allen Seiten spüren konnte. Die tollen Fotoshootings.

Ach, die tollen Fotoshootings muss ich jetzt doch einmal hervorheben. Auch das muss man erst lernen mit der Zeit. Aber mittlerweile weiß ich grob, was ich anbieten kann und bin immer wieder erstaunt von den Fotografen, was sie da für Bilder zaubern. Dieses Jahr haben wir schon einiges mitgemacht und es hat so viel Spaß gemacht. Am spannendsten ist es eigentlich im Nachhinein zu sehen, was aus seiner Idee geworden ist, die man ganz am Anfang mal hatte.

Und warum mache ich das eigentlich?

Die Frage möchte ich am Schluss gerne noch beantworten. Der tiefere Sinn hinter all dem ist es nicht, mich selbst zu promoten oder Sachen bei Kooperationen abzustauben. Nein, der tiefere Sinn ist, den Vielseitigkeitssport zu fördern und zu unterstützen. Aufzuklären, wo man kann, präsent zu sein mit einer Sportart, die nicht von jedermann so gern gesehen wird. Wir kämpfen mit Vorurteilen, mit alten Sichtweisen, mit aktuellen Herausforderungen wie der Sicherheit und all dem.

Aber ich liebe die Vielseitigkeit, ich liebe den Sport, ich liebe den Zusammenhalt unter den Sportlern, die ganze Atmosphäre bei Buschturnieren, die kleine Familie. Ich liebe das Adrenalin, die Verbindung zwischen Pferd und Reiter bei einer Geländestrecke, das Kämpfen füreinander. Immer wieder die Aufregung vorher und dann dieses unübertreffbares Gefühl im Ziel, wenn man es gemeinsam gemeistert hat.

Vielseitigkeit ist mehr als nur ein Sport, irgendwie ist es ein Lebensgefühl. Man muss diesen aufwendigen Sport wollen – 3 Prüfungen reiten, durchhalten, fit sein und auch sein Pferd fit machen. Man opfert viel Zeit, Geld und bringt all seine Energie auf, wenn man den Sport (als Amateur) ernsthaft betreiben möchte. Doch gerade das macht es am Ende so wertvoll – ob mit oder ohne Schleife. Jeder weiß selbst, was er mit seinem Pferd erreicht hat. Es ist ein nachhaltiger Sport.

Und ich hoffe, so viele Kinder, Eltern, Erwachsene, Interessierte wie möglich davon zu überzeugen, was es für ein toller Sport ist.

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