Mein Nachmittag bei Andreas Ostholt

Bundeswehr Sportschule Warendorf, 06.07.2017

9h Autofahrt mit viiiiel Stau, über 600km abgerissen, aber mit einem großen Grinsen heimgekehrt. Ich hatte heute die tolle Aufgabe, einen kleinen Vorbericht für den CHIO Aachen zu produzieren. Eigentlich wollte ich gern zum Sichtungslehrgang mit Hans Melzer und den aufgestellten Reitern fahren, aber leider wurde der auf Anfang nächster Woche verlegt und da hab ich bereits einen anderen Job zu erledigen. So kam aber meiner Mum und mir eine tolle Alternativ-Idee: Undzwar ein Besuch bei Andreas Ostholt!

Ich kenne Andreas nun schon seit einigen Jahren. Eigentlich, wie wir heute festgestellt haben, seit 8 Jahren, weil ich nach meinem Abi für einige Monate bei ihm war. Zum Arbeiten, reiten, lernen.. und auch, um für mich festzustellen, dass Reiten mein Hobby bleiben soll. Damals lernte ich auch Sandy kennen (seine langjährige gute Fee, Pferdepflegerin und Stallmanagerin), die mittlerweile seit über 10 Jahren für ihn arbeitet. Ich mochte Andreas schon immer. Lange im Schatten seines Bruders (Frank Ostholt) und immer mit schwierigen Pferden unterwegs.. und trotzdem an der Spitze unseres schönen Sports.

Andreas hat eine sehr warme und herzliche Art. Ihn schließt man wirklich sofort ins Herz. Vor allem, wenn man ihn beim Training mit Schülern und auch seinen eigenen Pferden erlebt. Der Umgang ist immer freundlich, ruhig, entspannt. Er wird selten bis nie laut und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.

So habe ich ihn auch heute erlebt. Nach meiner spontanen Idee, ihn zu besuchen und ein bisschen über Aachen und seine Vorbereitung auszufragen, blieb natürlich noch seine Reaktion abzuwarten. Wir telefonierten Anfang der Woche und er fragte nur: „Aber bringt das denn was, wenn ich gar keine Sprünge mache? Corvette macht im Moment nur leichtes Dressurtraining, Ausritte und entspannt, um die Seele baumeln zu lassen. Im Springen und Gelände gibt sie sowieso immer 1000%“. Und dann sagte ich nur: „Das finde ich aber auch super interessant. Muss ja nicht immer volle Action sein, dann denken die Leute nachher, dass ihr immer nur Geländesprünge mit den Buschpferden macht. So eine Information ist doch auch total spannend.“ Und dann stimmte er zu, dass ich kommen konnte.

Er nahm sich die Zeit. Andreas ist Jemand, der immer auf mehreren Hochzeiten tanzt. Schließlich ist er bei der Bundeswehr als Hauptfeldwebel auch Leiter der Sportfördergruppe Reiten in Warendorf. Das heißt, er hat immer Sportsoldaten da, muss für die Bundeswehr noch Tätigkeiten absolvieren (wie zum Beispiel am heutigen Abend eine Spendensammlung während eines Konzerts) und dann eben noch die eigenen Pferde, Trainingspläne, Turniere, etc. „Nebenbei“ dann noch Familie mit Sabrina und dem kleinen Ludwig. Trotzdem nahm er sich die Zeit für mich und meine Fragen. Er machte entspannt Corvette und Penny (seine beiden Spitzenpferde momentan) und zwischendurch setzen wir uns entspannt ins Gras und plauderten ein bisschen über seine Vorbereitung, über Aachen an sich und auch über Soeys Verletzung und Genesung.

Ich bin immer wieder beeindruckt, dass jemand, der so viel erreicht hat, so auf dem Boden geblieben ist. Er ist für jeden Quatsch zu haben und begeistert sich immer wieder für neue Dinge. Umso mehr gönne ich ihm die Erfolge. Damals in Rio habe ich so mitgefiebert, dass Andreas (ENDLICH) Olympia reiten durfte. Und dann dieses Desaster.. naja, darüber will ich jetzt keine Worte verlieren. Ich hoffe nur, dass er noch mal die Chance hat. Jetzt freut es mich sehr, dass er in Aachen beide Pferde reiten darf! Denn das war die brandaktuelle Neuigkeit des Tages !! Eigentlich war nur Corvette geplant (sie ist auch Andreas‘ Pferd für die EM), aber nun, da Lennox von Michi ausgefallen ist, darf er Penny auch mitnehmen und Busch reiten (sie war eigentlich nur fürs Jump&Drive eingeplant).

Da drücke ich dann jetzt doppelt Daumen! Bezeichnend ist auch für seine Planung mit den Pferden, dass Penny mit 17 Jahren wirklich topfit ist! Sie ist das älteste Pferd im Stall und sicher auch in den Prüfungen eine der älteren „Modelle“. Aber wenn man neben ihr steht, sieht man ihr den Ehrgeiz und die Leistungsbereitschaft an. In der Arbeit war sie sehr geschmeidig und toll anzuschauen. Da könnte sich ein 10-jähriger Alani mal ne Scheibe von abschneiden 😀

Über was haben wir sonst so gesprochen? Über Aachen an sich – ein Turnier, das wie kein anderes alle Disziplinen zu verbinden mag. Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Volti, Fahren.. das Weltfest des Pferdesports. Und das nicht umsonst. Andreas nennt es etwas ganz besonderes. Auch, wenn er nicht immer nur gute Erinnerungen hat. In einem Jahr (auch als Sichtung geplant) riss ihm ein Zügel im Gelände und er hat ihn zwar notdürftig geflickt, kam ohne Hindernisfehler ins Ziel, aber die deutliche Zeitüberschreitung war doch nicht zu vermeiden. Und so was ausgerechnet in Aachen.. naja, zuhause passiert das eben nicht. Man sieht ihm an, dass er sich freut, 2 Pferde an den Start bringen zu können.

Für die Zuschauer sei die Reihenfolge von Dressur, Springen, Gelände in Aachen eigentlich auch ganz spannend. Da wird im Gelände in umgekehrter Reihenfolge gestartet und die Leute können das Gelände sehen und das wird umso spannender, je mehr Reiter gestartet sind. Und den Reitern macht es nichts aus. In Aachen war es ja schon immer eine solche Reihenfolge.

Soey hab ich auch besucht. Ihm geht es gut, er war schmusig.. wollte Aufmerksamkeit und Liebe 😉 Überhaupt sind viele Pferde in Andreas’ Stall kleine Kuschelpferde. Ich hab es jedenfalls in vollen Zügen genossen. So is et muss aber auch stehen. Komplett. Wie gruselig für einen solchen Spitzensportler. Aber die Fissur wurde operiert und Andreas hat erzählt, dass er damit sehr gute Aussichten hat. Dieses Jahr ist trotzdem komplett zur Genesung eingeplant, um dann in die nächste Saison mit neuer Kraft zu starten. Als ich damals in der Bundeswehr Sportschule war, war Soey noch ganz klein und am Anfang seiner tollen Karriere. Naja, 8 Jahre her ist es eben. Da war er 5. Und sein kleiner Bruder So geit dat kam gerade in den Stall als Hengst. Es war lustig, über die Zeit zu sprechen.. die so lange her war. Kommt mir wie ein anderes Leben vor 😉

Ich war außerdem beeindruckt, wie unterschiedlich er die Pferde arbeitet. Da ist kein 0815-Gereite dran, sondern jede braucht ihr individuelles Programm. Corvette ist typisch Stute, liefert im Springen und Gelände gut ab, wird aber im Viereck schnell nervig. Deswegen einfach viel Schritt, viele Übergänge, ganz easy arbeiten. Auch am Hang wird geritten, um die Koordination, Beweglichkeit und Muskulatur zu formen. Als er auf Penny sitzt, sagt er gleich bei der ersten Schrittrunde zu mir: „Die muss man ganz anders arbeiten.“ Mit ihr ging es mit Springsattel zur lockeren Arbeit. Da waren aber Galoppstangen auch dabei, genauso wie Galopp-Schritt Übergänge und insgesamt einer kürzeren Einheit. Aber gequält hat er sich auch noch: Ohne Bügel schön langsam traben. Ich glaube, das sollte nicht nur Pennys Muskulatur schulen ;))

Für Aachen sind auf jeden Fall beide Pferde super fit. Sie sehen gut aus, gehen beide Anfang nächster Woche noch den Lehrgang mit und am Wochenende noch eine Dressur- und oder Springprüfung. Sie glänzen beide, haben wache Augen und Bock. Sandy ist in Aachen auf jeden Fall auch dabei. Sabrina wahrscheinlich auch, somit wieder ein kompletter Ausflug.

Ich hab mich verabschiedet mit den Worten: „Bis in 2 Wochen dann“, denn ich werde es mir mit Sicherheit nicht nehmen lassen, ihm dann noch mal alles Gute zu wünschen und mich bei Sandy sehen zu lassen. Andreas: Viel Glück in Aachen! Ich feuer dich an. Und vielen vielen Dank für den tollen Eimblick in deine Vorbereitung!! Und ihr, liebe Leser: Seid gespannt auf die Videos in den nächsten Tagen. Es wird eine Kurzfassung für Aachen geben und natürlich eine Langfassung auf meinem YouTube-Kanal.

Alle Bilder sind aus dem Videomaterial.

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