LUHMÜHLEN 2018 – Testlauf als Berichterstatterin geglückt

Luhmühlen liegt nun eine Woche zurück. Es kommt mir vor, als wäre das ein anderes Leben gewesen… nicht, weil es so ewig her ist, sondern weil es eine völlig neue Aufgabe war.

Und damit starte ich mal meinen kurzen Rückblick. Ich muss sagen, ich war schon sehr nervös vorher. Jetzt kann ich das ja zugeben 😉 Ich hatte so viel vor, wollte so viel machen, mit so vielen Menschen sprechen und natürlich in der Berichterstattung einen guten Job machen, der sich nicht zu weit von meinem Blog entfernt, aber auch keine dummen Fragen stellt und den Reitern auch nicht zu sehr auf die Nerven geht.

Eine schöne und schwierige Gradwanderung wie ihr euch sicher denken könnt. In die eine und andere Richtung. Noch dazu bin ich von Natur aus nicht unbedingt diejenige, die Leute einfach „anlabert“, vor allem nicht bekannte Reiter. Da habe ich sehr großen Respekt und manchmal auch Fangirlmomente (wie letztes Jahr mit Michi beim CHIO). Das macht es aber schwierig, Interviews zu kriegen.. naja, ihr versteht meine Vorab-Nervosität dazu. Ich hatte Bedenken, ob ich das alles umgesetzt kriege, was ich mir vorgenommen habe.

Eine feste Videoreihe wollte ich mit Louise Svensson-Jähde machen. Mit ihr hatte ich schon im März gesprochen, ob sie sich das vorstellen könnte und sie sagte erstmal Ja 😉 Ich glaube, sie wusste noch garnicht so richtig, was auf sie zukommt. Kurz vorm Turnier mailten wir dann noch ein paar Mal und am ersten Turniertag (Mittwoch) erzählte ich ihr dann, was ich grob geplant hatte: 1x am Tag mit ihr ein kurzes Interview – so als Update – und ein bisschen Kamera-Begleitung drumherum. Das musste ich natürlich so planen, dass es mit allem anderen und den anderen Prüfungen nicht kollidierte, aber Louise war wirklich eine große Hilfe. Sie war jeden Tag bereit, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und war am Ende glaube ich sogar ganz happy mit meiner Reihe. Zumindest waren das die meist gesehenen Videos bei Facebook am Ende der Woche. Ich kann mich nur bei Louise bedanken, dass sie diesen Spaß mitgemacht hat und mir so einen tollen Einstand in die Berichterstattung ermöglicht hat. So hatte ich zumindest einen festen Punkt auf der Tagesordnung und ihr konntet von Anfang bis Ende so einem Turnier folgen.

Etwas, das sich mehr oder weniger erst auf dem Turnier ergeben hat, war die tolle Zusammenarbeit mit Anna Siemer. Sie ermöglichte mir zum einen den Stallzelt-Rundgang, was warum wo hängt, was wichtig ist undsoweiter. Ins Stallzelt dürfen auf so großen Turnieren natürlich nur die Reiter und Pfleger, deswegen ist es umso schwieriger, davon Aufnahmen machen zu dürfen oder überhaupt rein zu kommen. Unter den Reitern zu sein, hat mir sehr gut getan, dadurch hatte ich das Gefühl, mittendrin zu sein. Und das bei der deutschen Meisterschaft und schwersten Prüfung Deutschlands… eine totale Ehre.

Zusätzlich zu dem Stallrundgang hat sie mir auch noch mit Kamera ihren LKW (zum Video) gezeigt! Ebenfalls etwas, das nur wenige Reiter preisgeben und nur wenige „Normalsterbliche“ mal gesehen haben. Ich war zwar schon mal in einem LKW, aber fand es super spannend, was Anna da alles machen kann, dass es quasi zu einem halben Zuhause geworden ist – für Wochenenden, große Prüfungen und die Pferde so angenehm wie möglich von A nach B zu fahren. So ein LKW hat aber auch seinen Preis und ihr braucht nicht glauben, dass die Reiter sowas gestellt bekommen. Einige vielleicht, aber andere zahlen das jahr(zehnt)elang ab.

Nun zu meinem Highlight: Das Helmkamera-Video mit Jörg Kurbel aus der 4-Sterne. Warum Highlight? Weil ich schon vorher wusste, dass das sicher die größte Reichweite hat und noch mehr, da kein einziger anderer Reiter mit Helmkamera unterwegs war. Weder in der 4-Sterne noch in der 3-Sterne. Was für ein Wahnsinn, dass meine Helmkamera nun durch so einen Kurs geflogen ist 😀

Eigentlich eine fixe Idee am Mittwoch Abend, Donnerstag eine kleine Besprechung mit Carl von Horse and Rider, der Jörg Kurbel dafür im Kopf hatte und dann nach einigen Fragen / Klären mit der Technischen Delegierten und der Meldestelle dann Zustimmung von Jörg und schauen, ob sein Helm passte und ob es ihn störte. Dann natürlich noch kurz vorm Start auf REC drücken und hoffen, dass alles soweit passte, denn den Ausschnitt konnte ich nicht mehr wirklich ausrichten. Und nach dem Ziel musste ich die Kamera noch wieder finden und alles schneiden. Ich wollte damit so schnell wie möglich raus, das hieß auch während der 3-Sterne noch am Rechner sitzen. Aber ich hatte Recht. Ein Wahnsinns-Feedback, das mich eine Woche später immer noch erreicht. Über 100.000 erreichte Personen mit dem Video, mehr als 50.000 Aufrufe. Und das auf Facebook, wo ich (nur) ca. 3.000 Follower habe.

Was noch? Ja, die gesammelten Interviews mit Hans Melzer, Josefa Sommer, Kitty King, Siegerin Julia Krajewski, die betont, dass sie sich die Punkte in der Dressur mit ihrem Sam hart erarbeiten muss (Ergebnis -19) und ganz am Ende der Veranstaltung noch mit Markus Döring, dem Springtrainer der deutschen Mannschaft. Alles davon war hammer cool und eine absolut neue Erfahrung. Ich mit der Cam – im Selfiemodus – vor den Superstars meines Sports. Sorry, aber da kann man schon mal ehrfürchtig sein. Und ich hatte ein bisschen Angst, dass es unprofessionell rüberkommt, da ich Mittwoch, Donnerstag und Sonntag alleine war. Aber keiner hatte damit ein Problem, es ging schließlich um Inhalte und dass man sie nicht zu lange aufhält 😉

Zusätzlich zu den ganzen Videos mit Videokamera für Facebook und ggf. YouTube hatte ich aber auch noch Instagram – mein Feed und meine Story und dazu noch die Story von Horse&Rider! Mein erstes „TakeOver“! Auch das war eine Herausforderung, auf beiden Story aufeinander zu verlinken, das meiste vom Sport aber in der Horse&Rider Story zu zeigen und zu erzählen. Anfang und Ende nicht vergessen und dann aber bedenken, dass ich bei der 3-Sterne das Springen und Gelände nicht live zeigen durfte durch die NDR-Sportrecht „field of play“. D.h. da durfte ich dann nur vom Abreiteplatz und Ergebnisse zeigen und nicht die Prüfungen selbst bis sie vorüber war. Ich hoffe, für Horse&Rider (einer meiner Kooperationspartner) hat es sich gelohnt 🙂

Noch nie war ich in Luhmühlen das ganze Turnier über. Meistens bin ich nur am Samstag zum Geländetag gefahren. Es ist was ganz anderes, alles von Anfang an mitzubekommen: Mittendrin statt nur dabei. Bei der ersten Verfassung am Mittwoch sind alle schon super aufgeregt. Obwohl man meinen könnte, keiner fährt mit einem Pferd los, das nicht fit ist, ist die Nervosität von Reitern und Pflegern deutlich spürbar – jeder trabt anders, kann auf weichem Boden mal ausrutschen oder sich kurz vor der Verfassung vertreten und dann hat man den weiten Weg (zum Beispiel aus Australien) umsonst angetreten. Am Mittwoch gibt es dann zum Beispiel noch eine „Familarization“, was bedeutet, dass die Pferde auf den Prüfungs-Vierecken geritten werden dürfen. Ich wusste nicht, dass das bei den großen Turnieren so ist, dass man den Pferden vorher die Plätze zeigen darf. Ich war außerdem erstaunt, wie oft die Reiter abgehen oder zumindest Teile nochmal abgehen. Wie Andreas sagte: Erst alleine, dann mehrere Male in Gruppen, um sich die Meinung der anderen zu einem Komplex anzuhören.

Wo ich gerade beim Thema Strecke bin: Ich durfte mit dem Kursdesigner Teile der 4-Sterne und mit Andreas Ostholt (und einer Truppe Follower) komplett die 3-Sterne abgehen. Die Anmerkungen von Mike Etherington-Smith waren sehr spannend. Wie viel Gedanken er sich gemacht hat, dass er es dieses Jahr aber auch klar schwerer machen wollte und wie viel am Boden gearbeitet wurde. Denn das war wohl die größte Herausforderung an der Strecke nach fast 8 Wochen ohne Regen. Und eine 3-Sterne bin ich sowieso noch nie abgegangen. Den ersten und letzten Sprung würde ich reiten 😀 😀 😀 Ansonsten war ich ziemlich beeindruckt, was da geleistet wird. Trakehner sind nur „Reitersprünge“ wie Andreas sagt. Das hab ich zwar schon öfter gehört, aber er hat es erklärt: Wenn man sich den Graben wegdenkt: Dann ist es doch ein ganz normaler Baumstamm, kein Problem, sogar Absprung und Landung wären auch da, wo sie jetzt mit Graben angesetzt sind. Und die Pferde haben von Natur aus keine Angst vor Gräben, also ist das ein rein psychologischer Sprung für den Reiter. Danke Andreas – dass du uns die Angst vor Gräben genommen hast. Und auch alle anderen Tipps und Tricks, die er genannt hat, waren super spannend und sicher auch in die kleineren Klassen übertragbar.

Der Geländetag war dann natürlich am spannendsten, aber auch von einem tragischen Unfall überschattet. Die 4-Sterne hatte es in sich, das war jedem klar. Gerade am Anfang der Prüfung gab es jede Menge Stopps, Vorbeiläufer und Zeitfehler. Man merkte, dass sich das Feld durcheinander wirbeln würde durch das Gelände. Ich kam gerade beim Meßmer Teich an, als ich die Sichtschutzwände sah. Ein Pferd war schwer gestürzt, die Prüfung unterbrochen. Einige Freunde von mir standen vorne an der Absperrung und erzählten mir, was passiert war. Eine belgische Reiterin kam vor 18a nicht mehr richtig durch, das Pferd sprang voller Engagement zu früh ab, verhaspelte sich bei dem In-Out zu 18b , ließ ein Bein stehen und überschlug sich. Ich merkte, wie gedrückt die Stimmung war, viele Zuschauer hatten Tränen in den Augen, der Kommentator gab einige Infos zur Unterbrechung der Prüfung, sonst war alles still. Alle warteten und hofften. Mir war total schlecht, weil man sich sofort vorstellt, wie das sein muss, als Reiter so schwer zu stürzen.. und uns allen war da noch nicht klar, wie schwer Reiter und Pferd verletzt worden sind. Der Krankenwagen war sofort da und die Reiterin wurde abtransportiert, wenig später kam die Info, dass sie ansprechbar war und noch ein bisschen später, dass sie wohlauf war und keine inneren Verletzungen hatte. Die Airbag Weste hatte ihr wohl das Leben gerettet. Das Pferd wurde sediert und mit Infusion verladen. Leider wurde bei ihm in der Klinik eine Lendenwirbelfraktur festgestellt und er musste eingeschläfert werden.

Der Sprung wurde nach der Belgierin aus dem Kurs genommen und allen vorangegangenen Reitern wurden 2sec gut geschrieben. Nach dem Vorfall waren die nächsten paar Pferde im Meßmer Teich sehr angespannt. Scheinbar war dieses „Luft anhalten“ der Zuschauer für die Pferde deutlich spürbar und erst als Piggy French mit einem sauberen Durchmarsch durchs Wasser galoppierte, entspannte sich die Lage etwas.

Ich saß am Sonntag in der Pressekonferenz der 4-Sterne, bei der sich der belgische Trainer zu Wort meldete und sich im Namen der Reiterin für die gute Behandlung des Pferdes nach dem Unfall bedankte. Ich kämpfte mit den Tränen bzw. war mehr als ergriffen von dieser Geste. Auch Julia Otto (Turnierleitung) standen die Tränen in den Augen. Ein Pferd zu verlieren ist sicher das schlimmste, was es geben kann.

Natürlich waren am Sonntag die Zeitungen voll davon. Und alle Kritiker können sich daran laben, dass es ein totes Pferd in der 4-Sterne in Luhmühlen gab. Ich verstehe nicht, wie man das zur Titelzeile machen kann. Am Samstag gab es tollen Sport zu sehen, faire Reiter, schwere Aufgaben, mutige Pferde und absolutes Miteinander. Es gab Pferde und Reiter, die über sich hinausgewachsen sind. Darüber sollte geschrieben werden und nicht über einen tragischen Unfall, der nichts mit den Anforderungen oder fehlender Fitness oder irgendwas anderem zu tun haben. Es war leider – wie so oft – reines Pech. Und keiner ist gegen ein Unglück gefeit.

Genug davon, ich wollte es mit aufnehmen, da es ein Teil des Turniers war, aber nicht „Bildzeitungs-Niveau“ betreiben, sondern euch nur meine Gedanken dazu mit auf den Weg geben. Ich habe nach diesem Unfall nicht eine Sekunde an dem Sport gezweifelt. Es gehört leider dazu, dass man ein Risiko eingeht. Und es ist Quatsch, dass man Pferde dazu zwingen kann, über solche Hindernisse zu gehen. Das weiß selbst jeder, der „nur“ E und A reitet, dass das nicht funktioniert. Im Springen geht das noch, aber über feste Hindernisse kriegst du sie nicht rüber, wenn sie selbst keinen Spaß daran haben.

Am Ende muss ich mich noch bei Luhmühlen (Julia Otto, Frederike Stüvel, Ellen Jühlke, etc.) bedanken, die mich fantastisch unterstützt haben und das alles in der Form erst möglich gemacht haben. Danke EUCH.

Für mich war das ganze eine Art Testlauf für Berichterstattung. Und ich hatte mega Spaß daran! Ich hätte noch mehr und mehr und mehr machen können, aber nach 5x 18-20h-Tagen war ich auch ziemlich durch wie ihr euch vorstellen könnt. Meine Mum hat mich am Freitag und Samstag unterstützt, das war eine echte Hilfe!!

Das Feedback jedenfalls war unfassbar positiv! Viele fühlten sich supergut mitgenommen, mitten im Geschehen und einen guten Mix aus Sport / Prüfung und Behind the scenes. Und das ist das, was mich am meisten interessiert: Euch noch mehr Einblicke zu geben in die großen Prüfungen, was hinter den Kulissen alles passiert, denn die Prüfung könnt ihr auch im Fernsehen oder Livestream gucken, aber alles andere seht ihr nicht und meistens kriegt man davon auch nicht viel mit.

Bestimmt hab ich was vergessen, denn es war so viel. Und vielleicht wird daraus ja noch mehr. Ich hätte auf jeden Fall total Bock, das noch intensiver zu machen und vielleicht entwickle ich noch eine journalistische Ader 🙂

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