Jimmy – die gute Seele

Hard Facts:

  • 23 Jahre alt
  • ungefähr 1,62m groß
  • Hannoveraner
  • Abstammung: Donnerschlag x Prinz Orac xx
  • Er gehört uns seit 1999
  • Genießt seit ca. 5 Jahren sein fröhliches Rentnerdasein

Wenn ich Jimmy mit 3 Worten beschreiben müsste:

  • Dressurcrack
  • kompakt
  • Lebensversicherung

Größte Erfolge:

  • 2004 Rauschenberg VA gewonnen
  • 2005 Büdingen Kreismeister VS
  • 2007 Münzenberg Stil L-Springen gewonnen
  • 2011 Segeberg Kreismeisterschaft mit meiner Mama VS gewonnen
2004 Rauschenberg mit Michaela Messerschmidt (rechts)

Wie kam Jimmy zu uns?

1999 kam Jimmy zu uns. Da war ich gerade mal 10. Und damit ist es auch mehr die Geschichte meiner Mum als meine, aber da ich ihn später übernommen habe und viele Geschichten aus meiner hessischen Kaderzeit nur ihm zu verdanken habe, möchte ich auch ihn gebührend vorstellen.

Jimmy kam also 4-jährig von Erhard Bartholomay zu uns. Zunächst zur Probe und dann haben wir ihn übernommen. Er war ein schicker junger Dunkelfuchs, mit guter Abstammung, schon ein bisschen angeritten. Sein Stall-Name „Jimmy“ kommt aus einer witzigen Geschichte: Den eingetragenen Turniernamen „Dream“ fanden wir etwas blöd im täglichen Umgang und so wurde aus einem Partyspruch „so jung und schön wie James Dean..“ (Dean fängt ja auch mit D an) erst James („so kann er ja heißen, wenn er erwachsen ist“) und dann Klein Jimmy 🙂 James wurde er natürlich nie genannt.

Seine Abstammung verrät es schon, er war als Donnerschlag-Sohn eher für die Dressur geboren. Aber das machte es auch leichter in der Vielseitigkeit. Wie das so ist, manche Richter mochten ihn besonders, andere nicht. War Joachim Daum am Richten, konnte man mit Jimmy immer auf 8-er Noten hoffen. Er hatte mit seinem schönen Hals, guten Grundgangarten und gutem Benehmen auch die besten Anlagen dazu.

2006 Altenstadt VA Dressur

So schön er war und so toll er sich präsentiert hat, so ein Angsthase war er auch. Zeit seines Lebens hat er Angst vor Wasser gehabt, meine Mama ist unzählige Male in der Dressur gut gewesen, im Springen gut durchgekommen und dann im Gelände am Wasser ausgeschieden. Frust pur. Und das ging wirklich lange. Nicht nur 5- und 6-jährig, wie es ja mal sein kann. Da hat meine Mum echt hartes Durchhaltevermögen bewiesen.. ich glaube nicht, dass ich das geschafft hätte. Hier und da gab es auch mal eine Schleife, aber es hat wirklich lange gedauert bis der Knoten platzte.

Aber er hat uns auch unendlich viele schöne Momente beschert. In der Dressur konnte man sich eigentlich immer auf ihn und seine Ausstrahlung verlassen und wenn das Gelände inkl. Wasser nicht allzu schwer waren, gabs auch da ein paar Schleifen. Vom Vermögen her war etwas begrenzt, aber er hat sich immer Mühe gegeben, zu gefallen und alles richtig zu machen. Überraschenderweise stellte ich bei der Recherche auf FN Erfolgsdaten fest, dass Jimmy ungefähr die gleiche Lebensgewinnsumme hat wie Gustl!

2003 in Niederbrechen beim Training

Ich habe ihn dann Ende 2003 übernommen. Zum einen war ich 15 und bereit für größere Aufgaben. Zum anderen stellten wir fest, dass Jimmy nicht so gut damit klarkam, wenn wir beide ritten und so unterschiedliche Anforderungen stellten. Entweder er trat bei mir im E alles um („was für’n Kleinkram“) oder er hatte bei Mama zu viel Respekt vor den großen Sprüngen (Steinhagen CIC*). So ging es für mich erstmal in die A-Vielseitigkeit und konnte schon bald im hessischen Junioren-Kader mitreiten. Mit einem Sieg in Rauschenberg 2004 ging es schonmal mega gut los. Mit der Mannschaft war ich dann 2005 beim Bundesnachwuchschampionat in Warendorf – mit Vormustern und allem, was dazu gehört. Wir wurden sogar für die deutsche Meisterschaft in Kreuth eingesetzt. Das Gelände war dann aber zu schwer für Jimmys Hasenherz. Wir kamen bis Sprung 4 😉

Jimmy verdanke ich das sichere Reiten im Gelände, er war immer eine Lebensversicherung. Selbst wenn er nicht mit dem letzten Vermögen ausgestattet war, konnte man ihm 100% Vertrauen, denn wenn er nicht sicher war, dass es gehen würde, blieb er lieber stehen. Er machte keine wilden Sachen. Er machte es einem aber nicht zu leicht, man musste schon sehr konsequent reiten. Sicher habe ich das ein oder andere Mal dieses kleine Extra Mut vermisst, aber ich war selbst auch nicht sicher genug, um das hätte ausgleichen zu können. Von daher bin ich ihm im Nachhinein einfach nur dankbar. Für diese tolle Basis, die ich bei anderen Pferden nun anwenden kann.

Mit Jimmy erlebte ich die seltensten Noten: 2007 in Hungen-Nonnenroth bekam ich eine 9,0 im Gelände, eine 9,0 in der Dressur und 8,5 im Springen – sensationell, sowas erlebt man auch nicht zweimal. Damit gewann ich Dressur und Gelände, wurde in der Kombinierten Prüfung Dritte. Aber ich bin auch mit ihm das einzige Mal wegen Auslassens eines Pflichttors in Drommershausen in der VS ausgeschieden. Nun – er konnte nichts dafür. Mir ist es jedoch so ins Gedächtnis gebrannt, dass ich seitdem die Pflichttore immer zweimal zähle und sichergehe.

2007 in Hungen

Leider hatte Jimmy immer mal wieder Sehnen- und Hufprobleme, wir hatten nie ein Pferd, das so schlechte Hufe hatte. Unser damaliger Schmied ist regelrecht verzweifelt. Wir mussten sogar einige einige Beschlagsperioden kleben, weil einfach nix mehr da war. Das einzige, was dann half, war das teure Farriers Formula. Und der Unterschied war so gewaltig, dass unser Schmied sogar Vorher-Nachher Bilder machen wollte, denn man sah einen richtigen Rand, wo das Horn mit dem Mittel runtergewachsen ist. Einmal hatte er eine Fesselträgerentzündung, worauf wir ihn ein halbes Jahr auf Koppel stellten.

Ab 2008 hat ihn meine Mama wieder geritten. Zum einen hatte ich Gustl in der vollen Arbeit und den kleinen Ted, der mich genug forderte. Zum anderen steckte ich mitten im Abi. Mama ritt mit Jimmy einiges an Dressur und auch ein bisschen Busch. Sogar die Kreismeisterschaft in Segeberg konnten die beiden 2011 für sich entscheiden :))

2012 haben wir ihn dann in den wohlverdienten Ruhestand geschickt, wo er entspannt Pferd sein kann und nur noch das macht, wozu er Lust hat 😉 Dort heißt er Ludo – ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, woher dieser Name kommt. Aber er ist dort zur guten Seele des Stalls – Chef auf der Weide, der entspannt, aber bestimmt alles zusammen hält und mit Ruhe herrscht.

Was macht Jimmy aus?

  • Nicht das größte Vermögen, aber will immer gefallen
  • Von allen Pferden, die ich geritten bin, am meisten Dressurpferd
  • An den Ohren anfassen??? Ging garnicht
  • Auf dem Anhänger ein großartiger Weber, wegen ihm mußten wir mehrfach den Boden austauschen oder ich mußte im Anhänger mitfahren, um ihn vom Weben abzuhalten, er hätte sich damit auch sonst gerne selbst zerstört
  • Wenn er nicht mit aufs Turnier durfte, ist er regelrecht ausgerastet, nachdem er einmal eine Krampfkolik mit Tierarzt und allem drum und dran bekam, haben wir ihn dann entweder mitgenommen oder versucht, ihn nicht merken zu lassen, daß ein anderer los sollte.
  • recht intelligent
  • Lebensversicherung im Gelände
2006 in Altenstadt
  • Wasser und Graben war immer die Herausforderung
  • immer mal Probleme mit den Hufen / Huflederhautentzündungen
  • einfach eine Seele von Pferd
  • dominant mit anderen Pferden, war oft Chef auf der Weide trotz seiner Größe
  • kurz und kompakt, daher leichtrittig
  • gut zu sitzen – bequemster Trab von allen
  • Mein Junioren Kaderpferd
  • Turniername: Dream 22, Rentnername: Ludo
  • hatte nie viel Schweif und Schopf, nur ein paar dünne Haare
  • liebt Bananen ohne Ende
  • Er lief im Gelände mit Pessoa Gebiss und kam super damit klar (da war es noch erlaubt)
  • von der Schnelligkeit kam man trotz des kleinen Galopps gut hinten an, er ist ja ein Halbblut und konnte daher ganz schön was weggaloppieren, aber ich bin auch immer einfach so schnell geritten wie ich konnte 😀
  • pinkelte nie aufm Anhänger, d.h. bei langen Turniertagen war das immer grenzwertig mit ihm

Mit Jimmy bin ich aufgewachsen, er hat mich durch einige Lebensphasen begleitet, die ganze Pubertät mitgemacht, die ganze Kaderzeit. Er war ein treuer Begleiter meiner Reiterlaufbahn. Auch wenn es kein Pferd mit dem großen Potenzial war, wüsste ich nicht, wo ich heute ohne ihn wäre. Er hat mich Geduld und Durchhaltevermögen gelehrt. Aber auch, dass es sich lohnen kann. Ein großer Dank geht an der Stelle wirklich an meine Mum. Die mir ihr Pferd, das sie langwierig ausgebildet hatte und endlich soweit hatte, dass er ein Gelände durchlief, gegeben hat. Die mir sowieso all diese Erfahrungen, die ihr in den letzten 5 Tagen lesen konntet, immer ermöglicht hat. Wie wir alle wissen, hat man als Kind kein Geld, sondern ist auf die Eltern angewiesen.. in meinem Fall die beste Mum der Welt.

2005 in Büdingen zur Kreismeisterschaft

Ich hoffe, Euch hat dieser Einblick gefallen, ihr konntet mich glaub ich auch noch ein ganzes Stückchen besser kennenlernen und viele Geschichten lesen, die ich (wir) schon so erlebt haben in der Vielseitigkeitswelt. Ich habe mich auch gefreut, mal wieder ein paar Sachen rauszukramen, in Erinnerungen zu schwelgen und mich immer mal kurz murmeln zu hören „war nicht früher alles besser?“.. haha, nein, alles gut, jede Zeit hat ihre Höhen und Tiefen. Ich verabschiede mich schonmal für die nächsten Tage in eine kleine Weihnachts-Auszeit, wünsche Euch besinnliche Feiertage und ein tolles Fest. Gehabt Euch wohl und knuddelt Eure Liebsten (Vierbeiner) <3

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