Hale Bob – der lange Unterschätzte

In Zusammenarbeit mit Vielseitigkeitssport Deutschland

Hard Facts:

  • Reiterin: Ingrid Klimke
  • Turniername: SAP Hale Bob OLD
  • 14 Jahre alt
  • ungefähr 1,70m groß
  • Oldenburger
  • Züchter ist Dr. Rolf Lueck
  • Ingrid reitet ihn seit Ende 2009
  • Er gehört Ingrid selbst

Bobbys Eigenschaften in 3 Worten:

  • ruht in sich selbst
  • Lieblingsdisziplin Busch
  • Schalk im Nacken

Abstammung:

  • Helikon xx / Noble Champion
  • 71,88 % Vollblutanteil

Größte Erfolge:

  • Bis 2009 nur als Springpferd vorgestellt
  • 2012 Sieg in der Westfälischen Meisterschaft, Sieg Indoor Derby German Masters in Stuttgart
  • 2014 erster CCI4* Sieg in Pau
  • 2015 war Bobby der ewige Zweite: CCI4* Badminton, CIC3* Luhmühlen und CICO3* Aachen
  • 2016 Sieg CIC3* in Wiesbaden, Luhmühlen Dt. Vizemeister, Platz 3 in Aachen
  • 2017 Einzeleuropameister in Strzegom
©AGENTUR datenreiter

Ein Interview mit Ingrid Klimke:

Wie kam Hale Bob zu dir?

Ich hatte über eine Freundin von ihm gehört. Da war er fünf. Sie sagte „Ich habe einen interessanten Halbblüter gesehen, probier‘ den doch mal!“ Er sah nicht so hübsch aus wie heute, hatte weniger Muskeln. Ich dachte, da muss er jetzt aber wirklich gut springen. Das tat er.

Welche persönlichen „Macken“ hat er?

Bobby kann bocken. Sobald wir am Berg zum Galopptraining sind, wir Geländesprünge machen und er soll hinten am Platz bleiben, dann bockt er. Wenn wir in der Gruppe ausreiten, weiß jeder, man darf nie zu dicht hinter Bobby reiten und ihn auch nicht überholen. Der kann im schnellsten Galopp gezielt nach hinten ausschlagen.

Er zeigt wirklich sehr genau, was ihm Spaß macht und was nicht. Da muss ich schon manchmal schmunzeln. Er ist früher oft durchgegangen. Ich versuche das wirklich zu verhindern, aber es gab Situationen, in denen er das geschafft hat – Kopf runter und einfach los. Das wird er bis zum Schluss nicht sein lassen. Da braucht man einen guten Sicherheitssitz. Denn ihm ist es auch relativ egal, ob man weiterhin drauf sitzt oder nicht.“

Er ist schon menschenbezogen und anhänglich, aber nicht aufdringlich. Er ist einfach nur mit sich und der Welt sehr gut zufrieden.

Was macht das Pferd aus?

Seine große Stärke ist sicherlich, dass er unheimlich in sich ruht. Er ist zu Hause total entspannt. Man zieht ihn eigentlich am Strick immer hinter sich her, zur Weide und zurück, er ist im Stall super umgänglich. Er verausgabt sich hier nicht, wirklich nicht. Und er ist wahnsinnig lieb mit Kindern. Hier auf dem Reitplatz würde ich jederzeit selbst die kleinsten Kinder draufsetzen, sogar rückwärts.

Sein Galopp fühlte sich von Anfang an so unaufwändig an, dass ich dachte, damit müsste er sehr ausdauernd galoppieren können. Und genau das sind auch seine großen Stärken, sein Springvermögen und seine Galoppade. Man merkt ihm im Gelände nicht an, welche Bodenverhältnisse herrschen, ob es rauf und runter geht oder ob die Strecke lang ist.

©AGENTUR datenreiter

Gibt es besondere Geschichten?

An seiner Box hängt ein Schild mit dem Spruch

Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat‘s einfach gemacht.

Das hat Bobby in Pau bekommen, wo ich meinen ersten Vier-Sterne-Sieg mit ihm feiern durfte. Er stand immer im Schatten von Escada, die einfach von den Bewegungen her eine ganze Umdrehung mehr Potenzial und Qualität hatte. Gegen sie fiel er immer ein Stück ab und hatte nie eine Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Aber in Pau ist er einfach an ihr vorbei galoppiert.

Wer sind seine Freunde?

Seine beste Freundin ist Carmen (Pflegerin). Und bei den Pferden hat er schon so seine Spezis: Asha steht neben ihm, die ist geduldet, Braxxi auf der anderen Seite auch. Aber irgendwelche anderen Pferde kann ich nicht neben ihn stellen, die giftet er an. Einmal ist er in die Nachbarkoppel gesprungen, da hat er die ganze Zeit Soma Bay gescheucht. Die Arme hatte total Angst vor ihm.

Träume für seine Zukunft?

Als Sam (von Michi) mit 16 Jahren Olympiasieger in Rio wurde, habe ich Bobby bei der Siegerehrung ins Ohr geflüstert: „In vier Jahren, bei den nächsten Spielen bist du 16. Und da vorne kannst du auch stehen.“ Man muss ja träumen können.

Quelle: Reiter-Revue Artikel „Er war nie mein Traumpferd“

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