Gefühl vs. Realität

Brande-Hörnerkirchen, 25.06.2017 / Stil L & Zeit L mit Stechen

Das Turnier fing gut an – endlich mal mit einem Start nach 08:00 😉 Ich hatte 2x L genannt, als Vorbereitung für die Kreismeisterschaften am nächsten Wochenende in Bad Segeberg (da hab ich auch 2xL) und daher dachte ich mir, wir müssen mit dem Stütchen jetzt mal in die Gänge kommen..

Mit Teddy hab ich hin und her überlegt, ob ich ihn nun mitnehme oder nicht – genannt war er – aber er wollte nicht so recht. In der Woche schaffte ich es nicht mehr zum Springtraining, weil die Zeit mal wieder zu knapp wurde.. und mein eigenes Training am Freitag abend war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Teddy guckte sich auf unserem Platz jeden Sprung erstmal zweimal an und rastete dann etwas aus. Also Frage: Mut zur Lücke oder lieber nicht? Es sind immerhin L-Springen, da muss man sich dann doch ein bisschen drauf verlassen, dass die Pferdchen losspringen. Ich hab dann einerseits gedacht: Er hat jetzt Beedenbostel und Reinfeld schon geschwänzt, eigentlich muss er einfach mal wieder los und was soll schon sein? Vielleicht gehts ja auch, bei Ted weiß man ja nie. Letztlich habe ich mich doch dagegen entschieden, aber nicht aus „Furcht“, sondern vor allem, weil es am Samstag und in der Nacht auf Sonntag nochmal ordentlich geregnet hat und ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Boden optimal war. Welcher Platz verträgt schon so viel Wasser?

Am Sonntag – pünktlich zum Losfahren zuhause – war es dann aber trocken. Trocken von oben immerhin. Der Himmel sah zwar nicht besonders vielversprechend aus, aber Losfahren wollte ich auf jeden Fall. Nessi guckte etwas überrascht aus der Wäsche, nachdem sie am Samstag schon beim Geländetraining in Todesfelde war und sich wie immer etwas verausgabt hat. Aber das gab mir die Möglichkeit, mal mit einem nicht ganz so spritzigen Pferd Parcours zu reiten. Kann ja auch entspannt sein 😉

Auf dem Platz angekommen, hab ich nicht schlecht gestaunt: Für ein Dorfturnier hatten die viel Platz! Der Einweiser auf dem Parkplatz (schön gerade, kaum Schlamm) fragte: „Dressur oder Springen?“ „Springen“ – „dann nach links bitte“. Wahnsinn. Der Springplatz und auch der Abreiteplatz waren sehr sehr großzügig angelegt. Vor allem der Abreiteplatz! Ich glaube, sowas hab ich auf einem „normalen“ Turnier lange nicht mehr gesehen. Schön schön, damit konnte man gut arbeiten.

Das erste L war um 13:00, ich war 7.Starter (bei Startfolge B ist man mit Baroness nicht so weit weg), also gings auch gleich mit dem Fertigmachen los. Ich ritt Schritt, machte die ersten paar Sprünge, dann konnte man endlich abgehen (mit dem Umbauen hatten sie sich etwas Zeit gelassen). Für ein Stil L waren die Wege gut zu reiten, die Abmessungen waren ok. Ich fands weder zu schwer, noch zu leicht. Angemessen. Mit macht die Linie von 4 zu 5 etwas Sorge, weil das wiedermal die 17m-Distanz war, die Nessi nicht so liegt. Diesmal wars aber eben, also weder bergauf, noch bergab, also wollte ich gerne die 4 Galoppsprünge auch reinkriegen. Denn ich hab beim letzten Stil gehört, dass da ja sehr viel Note abgeht, wenn man weniger Galoppsprünge macht 😀 😀 😀 HUMBUG. Es ist einfach bei jedem Richter so, wie er es sehen will.

Nessi war beim Warmreiten etwas zappelig, ihr machten die Fliegen etwas Probleme. Beim Springen konzentrierte sie sich aber ganz gut. Ich merkte ihr an, dass sie etwas müde war, was mich aber zum Reiten kommen ließ. Sie drückte nicht so los zum Sprung, sondern blieb in einem Tempo. Das war angenehm. Dann ging es rein. Sprung 1,2,3 war super rythmisch, dann kam ich zu 4 etwas groß, sodass die 4 noch schwerer zu reiten waren, aber ich behielt sie bei mir (unterstützt durch Stimme), es wurde zwar dicht zu 5, aber es ging. Dann kam 6 auf 7 mit 5, da musste ich auch etwas ran, aber ließ sie nicht auf 4 losjagen, sondern schön mit 5 Galoppsprüngen. Wendung auf 6 – etwas schwierig mit dem Boden, aber Nessi kam gut zurecht. Auch die Distanz gut. Und dann leider auf die Kombination etwas in die Innenbahn gekommen und dann nicht schnell genug geschaltet.. hatte bei den anderen entspannte 7 gesehen und das wurde für Nessi doch zu dicht. Daher am ersten Sprung der Kombination einen Fehler. Der leider meiner war. Grundnote 6,6 oder so.. Hä? Das hab ich dann mal wieder nicht verstanden, weil es eigentlich eine super harmonische Runde war bis auf die eine Distanz. Na, da geht das Gefühl und die Richternote weit auseinander..

Das Gefühl insgesamt war aber super und so entschied ich mich, das zweite L auch noch zu reiten. Ich dachte mir schon, dass sie das sicher ein wenig aufmotzen – so als Abschluss-Springen des Wochenendes.. aber es war schon ganz schön happig. Die Linien oft gebogen auf den nächsten, 2 Kombinationen und von der Höhe auch recht propper. Gut, bei Nessi brauche ich mir um die Höhe ja meistens keine Gedanken zu machen, aber ich war mir mit meiner Mum auf jeden Fall einig, dass das das schwerste Springen war, was sie bisher gegangen ist. Mal schauen, was da geht.

Abgesprungen bin ich nicht mehr viel. Als 10.Starter hatte ich es ganz gut, weil ich entspannt abgehen, dann 1-2 Reiter angucken konnte und dann noch ein paar Sprünge etwas höher gemacht habe. Dann gings rein. Ich begann nicht mit viel mehr Galopp, weil mein oberstes Ziel war es eigentlich, nur 0 zu reiten (wenn, dann wäre ja eh noch ein Stechen gekommen). Vielleicht hätte ich den Galopp auch da schon etwas mehr rauslassen müssen, um den richtigen Rythmus zu finden. Zu 1 kam ich leider etwas dicht und sie machte einen kleinen Hasen-Sprung, sodass die Stange schon fiel. Meine Reaktion im Kopf „oh man, dann brauchst du ja jetzt eh nur noch zu Ende reiten“.. zu 2 kam ich gut, 3 auch (alles aus der Wendung), dann wollte ich mit 6 Galoppsprüngen gebogene Linie in die Kombi, das wurde etwas weit, aber noch machbar, mit einem Galoppsprung wieder raus, auch alles gut. Nessi wieder etwas einsammeln und weiter. Dann kam 5 auf 6, diesmal auf 18m gestellt, sodass ich etwas mehr Platz hatte. Ich kam auch besser rein, nämlich etwas dicht, sodass sie nicht so weit reinsprang und schon dadurch die Distanz hintenraus besser wurde. Zu 7ab wurde es dann sehr weit, dadurch musste ich die Zügel etwas durchrutschen lassen und wir haben kaum die 2 Galoppsprünge noch reinbekommen. Bei 8 hab ich sie laufen lassen, weil ich sonst hätte richtig durchgreifen müssen und ich hatte quasi noch Fahrleinen.. dadurch wurde es auch da etwas weit. Dann hab ich die Rechtskurve zu 9 kaum bekommen (Rechtskurven sind im Moment echt ein Problem, weil sie sich da so stark macht), der Sprung war aber gut. Und zum letzten bin ich leider nicht mehr konsequent durchgekommen, sodass es super dicht wurde. Ich hatte zum ersten Mal im Parcours auch mit Kreuzgalopp oder Außengalopp zu tun, was in der Wendung natürlich etwas nervt und nicht unbedingt zum Rythmus beiträgt.

Insgesamt muss man sagen, dass ich ziemlich enttäuscht rausgeritten bin, weil es sich echt grausig angefühlt hat. Ausgesehen hat es dann garnicht soo schlecht aufm Video. Da bin ich dann immer dankbar, dass es Video gibt und ich gucken kann. Weil von oben mit diesem Hin und Her, zu Groß, Fahrleinen, dann zurück.. bla.. ich weiß, dass wir das besser können. Da unterscheiden sich das Gefühl und die Realität von außen echt gewaltig 😀 Aber sie ist auf dem Niveau auch noch neu und ich hoffe, dass ich ihr genug Sicherheit gebe. Wenn ich parallel Alani im L und M reite, dann ist das kein Problem, weil wir ein eingespieltes Team sind und man das auf einem anderen Pferd dann ganz gut abrufen kann. Aber den hab ich nun seit April nicht mehr gesprungen und das macht sich soooo langsam bemerkbar 😉

Lustig. Da hab ich gedacht, ich hätte über diesen Tag eigentlich nichts zu erzählen, aber es sind ja doch ein paar Wörter zusammen gekommen… und vielen Dank an Sarah für die schönen Bilder von uns 🙂 So spontan!!

Ein Kommentar bei „Gefühl vs. Realität“

  1. […] und am 25. Juni fuhren wir mit ihr nach Brande-Hörnerkirchen, wobei 2 x L auf dem Plan stand (Bericht). Nessi macht immer einen super Job, aber wir müssen noch viel lernen, wie das richtige Tempo für […]

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