Ein Schleifchen gabs

Hamburg-Sülldorf, 24.-25.02.2017

(Kurzer) Turnierbericht zu den beiden Turniertagen Freitag und Samstag in Sülldorf, beim Reitverein am Klövensteen. Unser erstes „offizielles“ Turnier im Jahr 2017 und damit auch Startschuss in eine neue Saison. Ich hatte mir mit Alani ein L und M Springen am Freitag vorgenommen, mit Teddy und Nessi dann für Samstag ein A** und Stil L Springen.

Wenn man Turniere im Winter nennt (wozu der Februar ja noch eindeutig gehört), ist man sich eigentlich darüber im Klaren, dass es kalt ist. Man hofft auf einen regen-, schnee- und eisfreien Tag, aber man rechnet mit Kälte. Trotzdem ist es dann imer wieder so, dass man auf dem Turnierplatz steht und sich denkt: Ah, ist das kalt.. so ein Scheiß 😀 Also, ich bin definitiv kein Winter-Turnierreiter.. und maximal auf 2 Turnieren in der kalten Jahreszeit anzutreffen, denn mit 2 Jacken über dem Jacket, diesen dünnen weißen Hosen (die ja mittlerweile mehr Leggings gleichen als echten Reithosen) macht das einfach nicht so viel Spaß. Aber egal, wir sind natürlich losgefahren und haben der Kälte getrotzt!

TAG 1: Am Freitag mit Alani war traumhafter Sonnenschein, ein ungewohnter Anblick im Moment, aber das verhilft schonmal zu guter Laune und neuer Motivation. Alani war gut drauf, sprang in der vollen Abreitehalle supergut, aber ich merkte schon, dass der Gang von Neumünster noch ziemlich an war. Sobald man mit dem Bein bzw. Sporen kam, schoss er nach vorne. Der Parcours war ein kleiner Slalom und ich hatte mir 2 Wendungen ausgeguckt, die ich kurz reiten wollte, wenn alles passt. Insgesamt fand ich es nicht zu leicht aufgebaut. Für ein „normales“ L am Freitag und Anfang der Saison hatte ich mir das etwas leichter vorgestellt, aber die Abmessungen waren schon ordentlich.. Dann gings rein in den Parcours. 1 zwischen den anderen Sprüngen durch lief gut, zu 2 ging es dann schon etwas flotter rum, zu 3 waren es normale 5 Galoppsprünge. Ich merkte, das wird etwas weit, gab Bein, Alani reagierte etwas zu engagiert und dann wurde es hinten doch wieder etwas eng und Alani sprang bisschen zu kurz, sodass eine Stange fiel. Daraufhin entschied ich mich gegen die geplanten engen Wendungen, denn mit einem Fehler muss ich da nicht „wilde Sau“ spielen. Zu 4 hörte er dann nicht mehr so richtig gut zu, pflügte durch die Ecke und kam sehr auf die Vorhand. Daher nahm ich ihn nach 4 zu 5 einmal ordentlich auf (oder versuchte wenigstens, ihn daran zu erinnern, dass ich auch noch was zu sagen habe) und dann ging es weiter. Bei 6 fiel dann noch eine Stange, weil der Rythmus einfach nicht so recht stimmte, aber ich wollte ihn da einmal „auf den Pott setzen“, weil er nun ja wieder lernen muss, normal durch ein Springen zu laufen und dass das nicht immer wie Neumünster sein kann. Die Hallen sind schließlich auch nur 1/4 so groß 😉 Die Ecke von 7 zu 8 musste ich dann auch nochmal nutzen, um ihn auf Spur zu kriegen, das klappte dann auch wieder besser und so war die Kombination 8a/b unsere besten beiden Sprünge. Zum letzten nahm ich mir auch nochmal Zeit und dann klappte der auch gut.

Daran sieht man, dass so ein Ereignis bei den Pferden eben auch nachwirkt und die sowas verarbeiten müssen. Aber ich glaube, mit ein paar solcher ruhiger Runden wird das schon wieder alles normal. Ich habe mich dann dagegen entschieden, das M noch zu reiten, aus mehreren Gründen: Zum einen kam Alani mit dem Boden auf den beiden kurzen Seiten nicht so klar, er ist ja regelrecht durchgepflügt. Der Boden war an bestimmten Stellen wenig griffig. Zum anderen fand ich für Anfang der Saison muss man kein Risiko eingehen und das M hätten sie sicher auch ganz schön dick aufgebaut, sodass ich es Alani dann mit so einem ruigen Tempo auch einfach zu schwer gemacht hätte. Und erstmal will ich aber wieder mit dem Tempo arbeiten (schneller geht nachher immer, Kontrolle ist wichtiger). Und als dritter Grund die Zeit: Das M fing erst 18:00 an, da erst die Abteilung der Herren war und wir waren ja gegen 15:30 schon durch.. das war mir dann auch irgendwie alles zu lang 😉

Eigentlich war der Plan, mit Teddy und Nessi am nächsten Tag loszufahren. Nun wissen einige von Euch ja schon, dass ich nur mit Nessi los war und fragen sich, was mit Teddy war… Teddy hat im Moment eine kleine „Bocklos-Phase“, was vermutlich mit mehreren Faktoren zusammenhängt, aber vor allem damit, dass Alani in den letzten beiden Wochen den Vorrang hatte wegen Neumünster. Und man kann sich leider nicht immer zehnteilen. Der Fuchs ist da sehr nachtragend und eigensinnig – eigentlich muss er immer als erster aus der Box geholt werden, gefüttert, geritten, etc. sonst ist er aus Prinzip schonmal eingeschnappt. Wenn das mal 1-2 Tage sind, geht das auch, aber wenn das über längere Zeit wiederholt vorkommt, dass nicht mindestens mehr als die Hälfte der Aufmerksamkeit auf ihm liegt, dann dauert es wieder einige Zeit bis er wieder gerne mit einem arbeitet. Der kleine Charakterkopf ist eben nicht so ganz einfach. Und dann stellt er sich auch gerne quer und macht garnichts mehr so, wie man das will. Springen? Nö. Dressur – Seitengänge? Nö. Spazierengehen? Auch nö, da liegt ein Baumstamm, der sieht äußerst gefährlich aus, keine Chance, da geh ich nicht vorbei. Naja, egal, lange Rede kurzer Sinn: Ich hatte mich am Donnerstag dann dazu entschlossen, ihn nicht mitznehmen, denn ich muss erst wieder mit ihm im Reinen sein und das kann ich nur zuhause klären. Da macht das Turnierreiten wenig Sinn und Spaß.

TAG 2: Also Nessi 🙂 Hat auch sein Gutes, denn 2 Pferde in 2 Prüfungen nacheinander ist echt stressig. So war es jetzt schön entspannt, mit einem Pferd zu reiten. Und Nessi ist mittlerweile echt ein cooles Turnierpferd geworden. Die steht gut aufm Anhänger (zu zweit und auch alleine), die steht entspannt im Anhänger, die ist brav in einer vollen und chaotischen Abreitehalle, die geht artig in die Halle und macht keinen Aufstand.. echt supi. Das ist einfach und stressfrei. Eingeflochten hatten wir sie nicht, weil wir auch bei ihr erstmal gucken wollten, wie die erste Prüfung läuft und dann entscheiden, ob sie das L noch gehen soll. Außerdem mussten wir eh schon so früh aufstehen 😀 Um 6:30 gings im Stall los (alles noch dunkel), um 8:30 startete das A-Springen. Auch das fand ich für ein A-Springen, das in der ersten Abteilung von LK5-Reitern geritten wurde, ganz schön ordentlich aufgebaut. Die Linienführung war netter als am Vortag, aber vom Springen wars genug. Aber gut, da brauche ich ja keine große „Angst“ mit Nessi zu haben – das ist ja eh unser kleines Flugzeug.

Beim Abreiten war sie super entspannt und ruhig, machte vor und nach den Sprüngen keine Turbo-Starts und war super zu händeln. Ich machte dann kurz vorm Reingehen nur noch 2 Sprünge aus etwas mehr Tempo, damit wir drinnen einen guten Rythmus kriegen, ohne dass sie fast ausgeht oder sich wegduckt. Der Parcours drinnen lief dann echt suuupergut! Sie war total ruhig, hat immer zugehört und toll mitgemacht – ein Traum. Zu 1 hatte ich schon einen guten Einstieg, dann auf die lange Seite mit der Distanz – da hat sie sogar entspannt die 5 Galoppsprünge geschafft, die angelegt waren (und wollte nicht losdrücken oder so), danach in der Wendung konnte ich sie wieder schön einfangen, zu 4 kam ich etwas dicht und wurde daher etwas aus dem Sattel katapultiert 😉 Hab aber die Wendung zur Kombi noch bekommen. Die sprang sie auch supergut. Und dann kam die Wendung zu 5, wo ich einige in der vorigen Abteilung gesehen hatte, die da nicht so richtig weitergeritten sind und deswegen Probleme an dem Oxer hatten. Ich versuchte also, die Wendung richtig gut auszureiten, bis ganz an die Wand und der Plan ging auf. Zu 6 hätte ich dann auch einen weniger reiten können, hatte mich aber zu spät entschlossen und kam dann etwas dicht. Und zum letzten musste ich sie dann einmal aufnehmen, aber sie machte einen super Job. 0 Fehler in 46,.. sec, ein solides Ergebnis. Es gab schnellere Ritte, aber es gab auch viele Fehler, von daher sehr sehr zufriedenstellend!! Denn schneller reiten kann man dann immer noch, wenn sie mehr Routine im Parcours hat und das auch von der Rittigkeit zulässt. Ergebnis: Platz 9 am Ende 🙂

Man muss noch sagen, dass der Veranstalter deutlich am Boden gearbeitet hatte. Ich fand ihn am Samstag wesentlich besser – die Ecken waren griffig, sie haben immer wieder gewalzt, noch Holzschnitzel verteilt und auch in den Prüfungen in der Mitte Pausen eingebaut für die Bodenpflege, damit alle bei gleichen Bedingungen starten können. Tolle Sache!

Dann war die Entscheidung recht leicht, das L auch noch zu reiten. Von Nix kommt schließlich nix 😉 Beim Abreiten machte ich nicht mehr viele Sprünge, nur gut warmmachen und natürlich ein paar höhere und breitere Oxer, um die Stute vorzubereiten auf das L. Allgemein legte ich das Tempo etwas flotter an, damit wir einfach genügend Rythmus haben. Sie machte dann noch einmal einen Fehler draußen und sprang daraufhin noch doller. Bei allen anderen Pferden ist das ja ganz hilfreich, wenn die Pferde draußen nochmal „wach“ werden mit einem Fehler, aber Nessi macht das irgendwie ein bisschen hektisch.

Der Parcours war etwas leichter als das L am Freitag mit Alani, auch die Linienführung. Trotzdem war einiges zu springen und Nessi hat auf der Höhe auch noch kaum Erfahrung. Sie ist bisher nur das L bei uns zuhause in Lentföhrden gelaufen… Im Parcours dann hatte ich etwas Probleme mit der Anlehnung, sie hat immermal weggeschnickt (ist ihre Art zu zeigen, dass Konzentration und Kraft langsam ausgehen und sie dann auch keine Lust mehr hat, sich anzustrengen..), dadurch war es schwierig, den Rythmus zu finden. Zu 1 und 2 kam ich deshalb etwas dicht. Zu 3 nahm ich mir dann ein Herz und ritt am entscheidenden Punkt weiter, sodass der dann besser kam. Bei 4 sprang sie recht weit rein und ich wusste, dass es zur Kombi (gebogene Linie) nur 20m sind, sodass die 5 Galoppsprünge eh schon knapp werden. Dementsprechend musste ich vor der Kombi etwas durchgreifen, damit wir da nicht kamikazemäßig mit 4 Galoppsprüngen reinfliegen.. Zu 6 aus der Ecke kam ich gut, zu 7 hatte ich etwas Galopp-Schwierigkeiten und sie drückte auch weiter, sodass es nur 6 Galoppsprünge wurden (harmonischer wären wohl 7 gewesen). Die Wendung kam dann natürlich schnell und ich hatte wenig Chancen, sie noch einmal zurückzukriegen, sodass wir mit etwas viel Vorwärtsdrang auf die 8 kamen (da fiel dann leider die Stange) und nur 4 statt 5 Galoppsprüngen zu 9 machten.. passte einfach nicht ^^

Mit der Runde war ich nicht so zufrieden. Aber eher mit mir nicht, als mit ihr. Sie ist dann einfach so übermotiviert und engagiert, das kann man ihr ja nicht zum Vorwurf machen. Ich hätte von Anfang an einen besseren Galopp hinkriegen müssen und dadurch auch bessere Distanzen zum Sprung, die es ihr nicht so schwer machen. Für die Runde bekam ich eine 7,3-0,5=6,8 und war (wie sich später herausstellte) sogar noch 1.Reserve!! Das wär mit dem ersten L-Schleifchen also fast noch was geworden, wir tasten uns ran 🙂

Fotos von Rainer Larsen – DANKE

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