Die harte Arbeit zahlt sich aus

Süsel, 13.05.2018 / VA**

Nach Luhmühlen ging es mit Nessi zur nächsten Vielseitigkeit in Süsel. Nach den Erfahrungen des letzten Jahres (wo die VA* auch schon Endmaß war), hatten wir uns mental schon darauf eingestellt, dass sie bei einer ausgeschriebenen VA** sicher die Latten nochmal hochreißen würden. Trotzdem waren wir nach dem Abgehen etwas erschrocken. Doch ich fang mal vorne an.

Der Tag begann sehr früh. 05:00 klingelte der Wecker. Gar nicht witzig 😀 Um 06:00 waren wir im Stall, Mama macht die Mähne, ich hab gepackt und alles andere vorbereitet. Ein angepisster Alani, der genau wusste, dass er wieder nicht mit darf… pünktlich um 06:30 gings los Richtung Süsel.

Im Auto bereitete ich noch die Kopfnummern vor und lernte die Aufgabe. Lustig, dass diesmal die VA3 geritten wurde, die ich quasi gar nicht im Kopf habe, weil die sehr selten ausgeschrieben wird. Außerdem lustig, weil ich bei den 3 VA, die ich dieses Jahr jetzt geritten bin, jedes Mal eine andere Aufgabe hatte. Langweilig wird’s jedenfalls nicht. Blöd, dass wieder Rückwärtsrichten gefordert war – das können wir noch nicht so richtig.

Um 08:00 waren wir in der Kiesgrube. Immer wieder ein eindrucksvolles Bild von oben, der ganze Geländeplatz mit den Vierecken und allem. Mittendrin angekommen. Um 09:16 war meine Startzeit – also genug Zeit für Stollen, Putzen, Umziehen, der Gang für kleine Mädchen. Ich wollte nicht zu viel abreiten, aber genug, um sie warmzumachen. Die „Generalprobe“ am Freitag lief mehr als bescheiden und ich konnte die Aufgabe nicht vorher reiten…

Ca. 08:45 saß ich aufm Pferd. Der Abreiteplatz war eher klein, aber dadurch, dass vor mir eine 10-minütige Pause war, waren nur 2 andere Reiter auch am Abreiten, daher kein Problem. Was allerdings schwierig war, war das Pferd 😉 Sie meinte nicht, dass man zum Dressurreiten mal die Rübe runternehmen muss oder generell ein bisschen gleichmäßig laufen sollte. Es war draußen echt eine Giraffen-Veranstaltung. Ähnlich wie in Engersen sagte ich nur zu meiner Mum: „Dat wird heute nix..“ und sie nur „Mach halt das beste draus“ und dann gings schon ums Viereck.

Die Richterin kam zurück und es ging geradewegs los. Ich ritt ins Viereck und das Pferd war wie ausgewechselt. Ich bin gewillt, schon von einer Anlehnung zu sprechen und nach einem kleinen Verhaspler in der ersten Ecke trabte sie auch super. Die Verstärkung war klasse, kein Angaloppierer wie am Freitag. Die Schlangenlinien sogar mit ein bisschen Biegung, die Übergänge ordentlich, der Galopp und das Überstreichen konnten sich sehen lassen. Die Galoppverstärkung hätte etwas deutlicher ausfallen können, dafür aber kein genervtes Kopfgeschlage bei der Rückführung. Der „einfache“ Wechsel über Trab war gut, zweite Galopptour auch, etwas zögerliche Verstärkung auf der Viertellinie, dafür aber halbwegs gerade. Halten gut, Rückwärts dann natürlich mit ein bisschen Widerwillen, dafür aber gezeigt. Schritt ok, Viereck verkleinern und vergrößern wurde sie sehr langsam, aber ich wollte kein Anzackeln riskieren. Die Überraschung war dann das Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen. Sie streckte tatsächlich den Kopf ein bisschen ab. Kann noch besser, aber das hatten wir schon deutlich schlechter. Und sie rannte nicht ganz so wie sonst. Beim Abbiegen auf die Mittellinie musste ich grinsen. Tolle Runde – für sie eine echte Steigerung.

Ich bin ehrlich, ich rechnete trotzdem nicht mit mehr als 6,5 weil ich die Richterin schon lange kenne und sie mich eigentlich nicht überschwänglich bewertet. Aber mein Vorurteil sollte mich trügen! Wir bekamen eine 7,2 und waren nach Dressur damit an 5.Stelle!! Was für mich wirklich unglaublich war. Nessis schwächste Disziplin und dann sowas – solide Runde, tolle Note, tolle Ausgangslage!

Dann flott ins Springen. Die Besonderheit in Süsel: Es wird auf dem Geländeplatz abgesprungen zwischen den Geländesprüngen. Das ist für die eher unerfahrenen Pferde eine echte Herausforderung, weil sie sofort in den Geländemodus schalten, den man dann erstmal wieder unter Kontrolle kriegen muss. Bei Nessi war das nicht so schlimm, da sie ja gut genug springt dafür. Und das Springen war sowieso zeitlich sehr knapp bemessen, sodass mir der Go eher entgegen kam.

Das Springen war an sich ok für VA, aber die Linien waren etwas seltsam zu reiten. Der runde Platz macht das auch schwer. An der ersten Distanz hab ich mich etwas vermetert und Nessi katapultierte sich über 2 mit einem Galoppsprung zu viel. Danach machte ich den Gang aber rein und der Rest war easy going – schön in einem Tempo und gut hingekommen. 0 Fehler. Da es einige Fehler in dem Springen gab, machte ich damit nochmal 2 Plätze gut, sodass ich nach Dressur und Springen an 3.Stelle lag!!

So – und dann gingen wir das Gelände ab. Und wie eingangs erwähnt, staunten wir nicht schlecht. Die Strecke war super anspruchsvoll – einige Sprünge hätte man sicher auch in L oder 1* stellen können. Das Tempo 500m/min war auf der Streckenlänge von 2.200m kaum zu reiten, da es wenig Abschnitte gibt, auf denen man Zeit gut machen kann. 1,2 war ok, 3 kam direkt hinter einigen Stufen, 4 fand ich krass, das war ein Bullfinsh auf einem schmalen Weg – also Wassergraben vor einer Hecke. Danach musste man direkt reinwenden auf eine Ecke, 6 war ein Birkenstamm, 7 dann ein Haus als Wassereinsprung aus der Wendung. 8 überbauter Graben, den Berg hoch, 9ab Heckenkombi, 10 Baumstamm, 11abc Coffin mit dickem Graben in der Mitte, 12 Steil, 13 Tisch, 14 Baumstamm an der Senke zum Absprung, 15abc Tiefsprung, Aufsprung und schmal. Der Tiefsprung war krass, da hatte ich mit Nessi besonders Bedenken, weil es danach noch weiter runter ging mit einem Absatz. 16 aus der Wendung eine Adlerschwinge/Trapez bergauf, wo die Pferde nicht sahen, wo sie hinspringen. Und dann nochmal eine kleine Konditionsaufgabe Berg runter und wieder rauf und die letzte Hecke ins Ziel.

Mit Nessi hatte ich mehrere Gedanken im Kopf: Zum einen ist das eine Strecke, auf der sie lange nicht mehr war und viele neue Sprünge kennenlernen würde. Das gleich unter Prüfungsbedingungen ist natürlich schwer. Zum anderen würde die Länge mit den Bergen ihre Kondition ganz schön herausfordern. Noch dazu war es seit der Trainings VA die erste Prüfung, bei der alles an einem Tag stattfand.

Welche Sprünge ich am gruseligsten fand? Also die 4 – da wusste ich, es gibt nur eine Möglichkeit, rüberzukommen: Kopf oben halten, selbst nach vorne gucken, nicht einknicken und kompromisslos nach vorne. Nutzt nichts 😀 Dann war ich mir bei 7 unsicher, da sie vorher nicht im Wasser war und dann gleich ein Haus im Schatten? Keine Ahnung, was sie tut. Dann natürlich 11abc, das dicke Coffin. Und die 15, der Tiefsprung. Bei 16 wusste ich auch nicht, was sie macht, aber ich dachte mir, wenn wir bis dahin kommen, würde sie den bestimmt auch noch springen.

Immer blöd, wenn man so viel Zeit zum Nachdenken hat. Und es war noch sooo viel Zeit bis 15:20 (meiner Startzeit). Da kann man immer wieder hin und her überlegen und man macht sich auch ein bisschen verrückt. Ich war nicht ganz so schlimm nervös wie in Luhmühlen (weil das hatte ja auch irgendwie geklappt), aber trotzdem. Es war schon schwer.

Dann gings aber endlich los. Wir machten fertig. Und irgendwas an unserer Zeitplanung passte so garnicht, auf jeden Fall war ich viiiiiel zu früh am Reiten und oben aufm Abreiteplatz. So konnte sie zwar lange Schritt gehen, aber es war doch etwas nervenaufreibend, weil man oben immer nur Hin und Her reiten konnte (ist wie ein langer Schlauch) und die Sonne und die Insekten uns zusetzen. Nessi war natürlich auch aufgeregt und tänzelte rum. Nachdem die Geduld dann auch zu Ende war, konnten wir endlich Richtung Start.

Stehender Start, runterzählen von 5, Uhr an und los gings. Über 1 und 2 garkein Problem, schon etwas mehr Zug als in Luhmühlen. Zu 3 nahm ich sehr früh raus, sodass wir an die erste Kante getrabt kamen. Das kostete zwar Zeit, aber sie ist bei Tiefsprüngen noch unsicher und ich wollte sie nicht überfallen. Guter Plan, denn so ging sie brav runter, sah die 3 rechtzeitig und es ging gleich über. Zu 4 nahm ich dann all unseren Mut zusammen – und es ging beim ersten Mal rüber! Dann musste ich schnell schalten auf die Ecke, nicht zu schräg kommen, damit sie ne Chance hat, aber es klappte. Mit eine großen Satz flog sie rüber. 6 kein Problem, dann machte ich eine ganz große Wendung zum Wasser, damit sie das rechtzeitig sehen und einschätzen konnte. Auch der Plan ging gut auf und sie sprang voller Enthusiasmus rein. Und raus – obwohl da kein Sprung war 😀 Dann zu 8. Ich sah, dass das riesengroß wird und dachte nur: Nicht zuppeln, wenn sie die nimmt, dann reite mit. Und was denkt ihr? Ja, Nessi nahm diese Distanz und im Video hört man quasi, wie meine Mum die Luft anhält. Den Berg hoch wie ein Terrier, zu 9ab. Da passte die Zeit schon lange nicht mehr. War mir auch egal. Klar wollte ich nicht zu viele Zeitfehler mitbringen, weil die gute Platzierung in meinem Kopf mitschwang, aber ein Hindernisfehler kostete weitaus mehr als die Zeitfehler. Also fokussiert bleiben.

Lustige Anekdote übrigens zu 9ab: Wir sind das abgegangen und ich sagte noch: Da muss man drinnen weiterreiten bei 11m. Haha, witzig, nicht mit Nessi. Die kam da reingesegelt und ich hatte schon die Befürchtung, dass sie mit 1 Galoppsprung weiterfliegt. Brrrrrr, grad noch so den zweiten reinbekommen. 10 kein Problem, zu 11abc dachte ich nochmal: Weiterreiten.. und Nessi guckte zwar kurz, machte noch einen dazu, weils auf 2 doch sehr weit geworden wäre und sprang ab. Ab da hatte ich das Gefühl, wir würden nach Hause kommen 🙂

Auf dem langen Weg zu 13 merkte ich, wie ihre Kraft etwas nachließ beim Galoppieren. Die Berge hatten geschlaucht. Daher machte ich nicht zu viel Dampf. Lieber den Rest noch für die Sprünge sparen. 13 kein Problem und zu 14 nahm ich wieder früh genug auf. Im Trab ging es über den Baumstamm und trotz meiner Aufnahme hatte ich Mühe, Nessi vor 15 zu halten, dass sie da nicht lossegelt. Sie guckte kurz, verschaffte sich einen Überblick und sprang dann runter. Ich hatte Mühe, ordentlich sitzen zu bleiben. Die Zügel waren lang und mein Plan, unten eine Volte zu reiten, kippte ich kurzerhand, weil sie doch nicht so losschoss wie vermutet. Also rum und den Aufsprung rauf. Sie landete etwas seltsam, sodass ich gleich weiterreiten musste auf den Schmalen. Aber auch da schaltete sie super schnell und es war kein Problem. Zu 16 bekam ich recht früh eine Distanz und sie zog weiter – echt erstaunlich das Stuti! Obwohl sie nicht wusste, wo wir hinspringen, flog sie über die 16 ohne zu zögern. Stockte einmal kurz bei der Landung und war dann aber wieder fokussiert auf der Strecke.

Mit 26sec über der Zeit kamen wir ins Ziel. Überglücklich. Schneller hätte ich mit ihr an dem Tag noch nicht reiten können. So kamen wir mit einem guten Gefühl und sicheren Sprüngen nach Hause. Und das bei der Strecke. Sie ist ein so mutiges Pferd.

Helmkamera war leider untersagt worden vom Veranstalter. Sehr schade, das wäre sicher ein mega cooles Video geworden.

Nach dem Ritt ging die Warterei los. Dadurch, dass man nur den Stand nach Dr.+Spr. hatte, hatte ich gar keine Ahnung, ob das noch reichen würde. Fast alle hatten Zeitfehler oder auch Hindernisfehler, sodass uns nichts anderes übrig blieb als abzuwarten.

Der letzte ging um 17:30 auf die Strecke. Um 18:15 gabs dann die Rangierung. Und es hatte mich tatsächlich nur 2 Plätze gekostet, die 10 Zeitfehler! Also klar, wenn ich die 42 gehalten hätte, hätten wir gewonnen, aber: Nicht gierig werden!! Am Ende PLATZ 5 !! Ich war damit sowas von happy. Ich hatte überhaupt nicht mit einer Platzierung gerechnet. Und ich hatte generell mit einer ganz anderen Rangierung gerechnet, aber da sieht man mal wieder: Jeder muss erstmal die 3 Prüfungen meistern, Pferde haben auch mal schlechte Tage, Wertnoten in der Dressur sind sowieso unvorhersehbar und ich hatte alles auf meiner Seite am Sonntag.

Sehr sehr müde, aber glücklich kamen wir gegen 20:00 wieder im Stall an – fast 14h, nachdem wir den Stall morgens verlassen hatten. Langer Tag für Nessi und uns.

Und kleine Anmerkung: Der Titel bezieht sich vor allem auf einige Kommentare in den sozialen Netzwerken zu meiner Platzierung. Das als Belohnung für die Arbeit zu sehen, die man jetzt schon investiert hat, ist wohl das größte Lob. Für das Pferd, meine Mama, die sich das erste Jahr dressurmäßig wirklich gequält hat (und es teils immernoch tut), unsere Trainer Kea, Annika, Tim und auch für mich <3

Bilder von Tatjana Junge! Danke fürs Knipsen 🙂

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