Das erste Geländetraining draußen (mit Video)

Der Frühling ist da! Ich glaube, so langsam kann man es sagen.. die Vögel zwitschern morgens, ich habe in der letzten Woche schon mehr als einmal die Sonne gesehen und die Temperaturen machen auch Mut! Da fängt das Reiterherz natürlich an zu kribbeln, wenn man die Chance wittert, endlich nicht mehr 4x in der Woche in der staubigen dunklen grauen Halle reiten zu müssen. Die Halle ist ja gut und schön – vor allem nützlich und auch Luxus (wer keine Halle hat, weiß, wovon ich rede), aber gerade ich als Buschreiter warte ja eigentlich den ganzen Winter darauf, dass ich dieser (tollen) Halle wieder entfliehen kann. Eingeengt und meistens mit mehr anderen Reitern als gut tut, strampelt man sich da drin einen ab. Ganz davon abgesehen, dass die Pferde diese vier Wände auch nach kurzer Zeit nicht mehr sehen können.. Motivation sieht anders aus..

Wenn es die Temperaturen, Boden- und Wetterverhältnisse dann endlich zulassen, ist man froh, wenigstens mal wieder eine Runde auf dem Platz zu drehen. Und die Pferde sind sichtlich dankbar und meistens auch sehr gehfreudig. Freude bei Reiter und Pferd! Noch viel besser wird es, wenn das erste Geländetraining ansteht. Ob auf Gras oder Sand, völlig egal, hauptsache wieder Platz zum Galoppieren, Springen, Austoben! Denn die frische Luft, das Adrenalin beim Ausblick auf die kommende Saison und der Spaß der Pferde, sich endlich wieder frisch nach vorne zu bewegen, macht einfach Lust und Laune. Wenn das noch bei gutem Wetter passiert, dann schießen die Sonnen-freigesetzten Endorphine in die Höhe.

Dieses Jahr ist es bei mir nicht ganz so krass gewesen wie beschrieben, weil wir mit Alani ja schon ein bisschen Vorlauf hatten – die Indoor Trainingseinheiten, Neumünster und auch der (eigentlich garnicht für draußen geplante) Lehrgang bei Frank Ostholt hatte mich ja schon wieder sehr in die Vielseitigkeit und das Feeling reingebracht, sodass das Kribbeln vorm ersten Training draußen nicht mehr so groß war. Nichtsdestotrotz gibt es ja auch noch Teddy.. und der hatte seit Mechtersen (glaub ich) keine Geländesprünge mehr gesehen. Die kleine Glotzkugel hatte also einiges zu gucken.

Wir sind nach Todesfelde auf den Platz von Kai Wullweber gefahren. Bei Alani war ich recht entspannt, denn er ist mittlerweile wirklich erfahren und kennt auf dem Platz auch die meisten Sprünge. Ich finde es trotzdem wichtig, dass man jedem Pferd (egal auf welchem Niveau) am Anfang des Jahres einfach die Möglichkeit gibt, in Ruhe an die Sachen rangeführt zu werden. Dabei kann man auch schön überprüfen, wie sie drauf sind, ob sie sich an alles erinnern, obs irgendwo Probleme gibt und und und.

Mit Alani hatte ich an keinem Sprung Probleme, die Gräben sprang er alle wie aus dem Lehrbuch und auch Sunken Road, Wasser und Stufen war kein Problem. Das, wo ich wieder mehr dran arbeiten muss, ist unser Rythmus. Vor allem, wenn ich alleine trainiere, kommt er oft nicht so richtig in Gang. Er hoppelt dann mit seinem Galopp so ein bisschen auf der Stelle, springt oft dicht ab (ich weiß, das glauben sicher einige von euch nicht) und dadurch macht er natürlich auch keinen besonders guten Sprung. Da muss ich dann bisschen angreifen, ihn wachmachen und mit mehr Galopp und Zug nach vorne auf die Sprünge zu. Nicht zuppeln, weiterreiten! Im Video (s.u.) sieht man das ganz schön an dem Beispiel der beiden überbauten Gräben nacheinander. Beim ersten Mal reite ich mit wenig Rythmus, dicht, komisch.. und dann hält er sich auch so fest. Beim zweiten Mal war das deutlich flüssiger. Er braucht eben immer eine Weile bzw. wir brauchen immer eine Weile bis wir unseren Rythmus (wieder)finden.

Teddy war von Anfang an schon etwas kribbeliger. Er ließ sich schlecht kontrollieren… „oh, da ist ein Sprung – los gehts! Ich reiße den Kopf hoch und mir doch egal, was die da oben will.“ Vor allem muss man dann ruhig bleiben und nicht anfangen, die Hände hochzureißen und ihn richtig maßregeln zu wollen. Bei Teddy muss man immer einen schwierigen Mittelweg finden, denn einerseits freue ich mich darüber, dass er motiviert ist, dass er zum Sprung will, dass er zieht. Das war die letzten Wochen auch nicht immer so. Andererseits möchte ich das schon gerne ein bisschen kontrollieren. Haha, da würde er jetzt lachen 🙂 „Kontrolle.. was soll das sein? Ich mache das, was ich will“. Die ersten kleinen Sprünge waren super. Dann habe ich angefangen mit den Gräben, was für mich besonders in dieser Saison als wichtigste Trainingseinheit steht. Denn da haben wir in den Prüfungen am meisten Probleme.. das zeigte sich auch gleich (seht ihr im Video). Wobei man sagen muss, ich bin beim ersten Graben auch nicht wirklich hingeritten. Hab ihn gucken lassen, dann in Ruhe rüber. Und das ganze von beiden Seiten beim kleinen Graben und beim größeren. Dann hab ich auf der anderen Seite des Platzes das an zwei weiteren Gräben wiederholt. Und am Schluss bin ich aus dem Fluss auch über die überbauten Gräben gesprungen. Das war super! Teddy ist ganz anders zu reiten als Alani. Er stellt viel in Frage und das immer und immer wieder. Das macht es natürlich anstrengend, aber auch in seinem Alter will ich ihm einfach die Chance geben, sich Dinge in Ruhe anzuschauen. Wenn er das begreift, versteht, dass er nicht überfordert wird, dann packt er auch an und macht seinen Job! Ich bin sehr gespannt auf seine Saison.

Um etwas Zeit zu sparen, haben wir es an dem Tag so gemacht, dass meine Mum Teddy schon Schritt geritten ist, während ich Alani gesprungen bin und dann haben wir getauscht und sie ist Alani trocken geritten während ich Teddy gesprungen habe. Super Arbeitsaufteilung und zwar etwas anstrengend für uns beide (sie hat noch gefilmt auf den Pferden :)), aber dafür auch nicht ganz so zeitintensiv.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich super zufrieden bin mit dem ersten Mal draußen. Es gibt ja immer hier und da mal Probleme, aber die beiden Pferde sind motiviert und gut davor, auch gut im Training. Jetzt heißt es: Weitermachen, auf Kurs halten und gut in die Saison reinkommen. Ich bin guter Dinge!

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