Alles unter Stress

Mechtersen !

Der Vollständigkeit halber und auch, weil es schon seit 2 Wochen auf meiner ToDo Liste steht, gibt es jetzt endlich (!!) den Turnier-Tages-Bericht aus Mechtersen. Ich hab mich vorher immer bemüht, die Berichte noch am gleichen Tag zu schreiben. Vor allem, weil dann eben die Erinnerung noch ganz frisch ist und viel mehr drin steht als nur Ergebnisse. Aber im Moment ist bei mir so viel los, vor allem im Job, dass ich einfach zu nichts komme und auch den Bericht nicht mehr geschafft habe. Nachdem ich heute aber endlich das Video aus Mechtersen verarbeitet habe, will ich dazu natürlich auch noch einen Bericht schreiben.

Also, von vorne. Mechtersen steht schon seit 2/3 Jahren nicht mehr auf der Liste der Turniere, zu denen ich gerne fahre. Aus dem einfachen Grund, dass ich ganz klar gegen die neue Maßnahme protestiere, dass Gelder nicht mehr ausgezahlt werden. Ich finde, gerade im Amateursport, muss man einfach die Möglichkeit haben, wenigstens die Sprit- und Startgeld Kosten wieder reinzuholen. Wenn man schon den ganzen Rest aus Liebe zum Sport finanziert, dann finde ich, muss es wenigstens da noch eine „Kirsche“ geben. Aber ich führe das Thema jetzt mal nicht weiter aus, ist eigentlich auch ein kompletter Beitrag für sich. Mechtersen zahlt auf jeden Fall garnichts aus. Und das stört mich aus Prinzip schonmal. Dieses Jahr war es aber so, dass es sonst nur noch die VA in Segeberg als Saisonabschluss für die beiden Jungs gegeben hätte und die bin ich schon 1000 mal gefühlt geritten und hätte für die Pferde auch nicht so gut gepasst. Also entschied ich mich doch für Mechtersen. Es ist ja auch nicht so, dass die dort nicht ein tolles Gelände zur Verfügung hätten – das ist schon super!

Man muss leider sagen, dass die Organisation in diesem Jahr sehr zu wünschen übrig ließ. Es fing schon damit an, dass ab 18:00 am Vortag die Startzeiten online sein sollten – 21:00 war es dann soweit und vorher keiner telefonisch erreichbar. Da ist man als Reiter schonmal genervt, wenn es schon an der ersten Stelle hapert. Ich war als Reiter mit 2 Pferden natürlich sehr weit vorne dran (08:30) und musste somit mitten in der Nacht raus. Immerhin hatten sie mir genügend Zeit zwischen den beiden Pferden eingeräumt, sodass ich mit dem ersten gleich Dressur & Springen reiten konnte und dann mit dem anderen.

Wir kamen relativ pünktlich los, die Straßen waren um die Uhrzeit noch nicht voll.. Trotzdem wurde es extrem knapp, da der Parkplatz extrem weit weg war von den Turnierplätzen.. selbst mit dem Pferd brauchte man ca. 10min für einen Weg. Das war auch auf der Skizze vom Platz anders eingezeichnet. Somit hatte man echt weite Wege – zum Umsatteln, Pferdetausch, etc. Meine arme Mum musste alleine am Vormittag (8-11) ca. 6x hin und her laufen. Das hat den Stress natürlich noch in die Höhe getrieben.

Mit Alani hatte ich also nur ca. 15min zum Abreiten. Er war dementsprechend noch nicht so richtig durchgearbeitet, die Übergänge wollten noch nicht harmonisch klappen und auch sonst ließ er noch nicht los. Außerdem war das Abreiten auf den abschüssigen Plätzen schwierig. Aber gut, ich dachte immer daran, dass es für ihn ja „nur“ A war und keine Versammlung gefragt war. Also gab ich mir Mühe, einfach möglichst harmonisch durchzureiten. Ich war eigentlich nicht ganz zufrieden mit meiner Runde, aber der Richter bewertete mich 7,1 😉 Das Springen konnte ich dann schnell abgehen, nachdem ich umgesattelt hatte, und fand es relativ anspruchsvoll aufgebaut. Schwierige Wendungen, dazu viele Reiter mit Zeitfehlern und auch der ein oder anderen fallenden Stange. Alani hatt keine Schwierigkeiten und kam 0 hinten an. Aber Springen ist ja auch unsere beste Disziplin 😉

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Mit Teddy hatte ich etwas mehr Zeit zum Abreiten. Er tat sich etwas schwer mit dem Rauf und Runter beim Abreiten, aber ich hatte genügend Zeit, ihn da zu entspannen und seinen Rücken etwas locker zu kriegen. Mit seiner Dressur war ich echt richtig zufrieden – er war deutlich lässiger als Alani, bekam aber leider nur eine 6,5. Insgesamt muss man aber sagen – der eine etwas zu gut, der andere etwas zu schlecht, das gleicht sich ja wieder aus. Wir hatten Alani mitgenommen zu Teddys Dressur und Springen, weil die Zeit zum Umsatteln für Teddy zu knapp wurde und er so Sattelzeug undsoweiter tragen konnte. Außerdem kleben die beiden immer etwas aneinander, wenn sie zusammen losfahren. Nach dem Umsatteln ging ich mit Teddy auf den Abreiteplatz fürs Springen. Man muss hier mal sagen, dass dieser echt klein angelegt war. Mechtersen hat so viel Platz und steckt dann einen Abreiteplatz ab, wo man an einer Seite nicht mal zu zweit am Vorbereitungssprung vorbeireiten kann. Das hat in der Phase irgendwann echt genervt und machte das Ganze auch etwas chaotisch. Zusätzlich dazu gab es keine Tafel. Das heißt, jeder ist irgendwie reingegangen und die Reiter haben sich dann halbwegs selbst abgesprochen. Durch das Chaos hatte ich dann zwischenzeitlich etwas Probleme mit der Lenkung 😀 Vorm Reingehen hatte ich das gottseidank wieder im Griff, aber Teddy war immernoch ganz schön gehfreudig.

Für dieses Springen war das allerdings super. Auch er blieb 0. Da war ich echt happy. Schließlich hatten wir die ganze Saison über immer wieder Fehler in A und L Springen und dann läuft er auf so einem Platz, bei rutschigen Wendungen auf Gras, einfach mal Null 🙂

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So.. der Plan war nach Dressur und Springen erstmal was zu essen (wir waren kurz vorm Verhungern!) und dann entspannt abzugehen. Meine Startzeit im Gelände war 13:15, also hatte ich jetzt knapp 2h und dann wieder fertigmachen. Als wir vorne bei der Meldestelle kamen, war mal wieder alles anders. An den Listen stand, dass die erste Abteilung um fast 50min vorgezogen wurde. Wir fragten uns natürlich, ob das überhaupt FN-konform war, denn eigentlich heißt es ja: man darf max. 30min vorziehen. Die Meldestelle redete sich damit raus, dass in der Zeiteinteilung nur ca. Angaben beim Geländeteil standen. Und die Begründung, warum man vorzieht: Einige Reiter hätten einen längeren Anreiseweg und kämen dann erst so spät nach Hause. Tolle Begründung.. da muss ich echt mal sagen: Die Leute mussten auch nicht um 08:00 schon Dressur reiten, dann kommen sie halt später nach Hause. Aber jetzt alle total wild zu machen, sodass einige Reiter nicht mal mehr richtig das Gelände abgehen konnten, sondern halb durchstürzen und von jemandem, der mitgefahren ist, parallel schon das Pferd fertig machen zu lassen, hat nichts mehr mit einem schönen Turniertag zu tun. Ich bin mit einer jungen Reiterin zusammen ein Stück Gelände abgegangen und im Gespärch stellte sich heraus, dass sie in der ersten Abteilung war. Woraufhin ich nur sagte: „Du weißt schon, dass sie die 1h nach vorne gezogen haben? Nein.. alles? Ja, alles – lauf schnell und schau, ob du noch starten kannst!“. Wenn sie dann nicht im Scheinsgalopp zurückgerannt wäre, wäre sie nicht mehr rechtzeitig zu ihrem Start gekommen. Also, ein echtes Schlamassel, was da abging. Ich hatte beim Abgehen weder Zeit, irgendwas zu filmen, noch mir Minutenpunkte zu setzen oder überhaupt mehr als eine Sekunde über die Strecke nachzudenken. Nach dem Abgehen hatte ich sogar manche Sprünge garnicht mehr richtig im Kopf, weil ich nur schnell vorbeigegangen war.

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Für mein Gefühl war die Strecke insgesamt für eine VA sehr schwer aufgebaut. Natürlich war es Ende der Saion und eine VA**. Aber ich habe mittlerweile genügend Erfahrung und viele Strecken gesehen, um mich wirklich zu wundern. Zum einen kam ein Coffin aus der Wendung in den Wald rein, gleich bei Sprung 3. Die Pferde hatten keine Chance, ein bisschen warm zu werden, um gleich vor eine solche Aufgabe gestellt zu werden. Und dann gab es einen Sprung im Wasser, was mir bei A auch noch nie begegnet ist. Für mich war es ja eine super Übung und ein bisschen Wink des Schicksals, nach dem Motto „du schaffst das schon“, aber das fand ich schon sehr happig. Dann zusötzlich noch das zweite Wasser mit ordentlichem Einsprung und insgesamt die Streckenlänge, Abfrage bei den Hindernissen und kaum zeit zwischendurch zu verschnaufen. Es gab insgesamt vielleicht 4-5 Hindernisse, die man als Füllsprünge bezeichnen konnte.

Zeit fürs Gelände. Meine Airbag-Weste konnte ich diesmal nicht tragen, weil sich die Kartusche irgendwie nicht auswechseln ließ, also gab es nur die normale Weste. Die Uhr hatte ich dann auch vergessen.. aber die war im Grunde ja egal, weil ich eh keine Punkte hatte. Da die Strecke aber recht lang und teilweise durch den Wald war, hab ich mir schon gedacht, dass man recht schnell reiten musste. Mit Alani sollte mir das nicht allzu schwer fallen. Er war auf dem Abreiteplatz etwas schwerfällig. Zunächst hieß es (als ich zum Abreiten kam), dass ich noch 5-8 min hätte und dann rüber musste. Also schon wieder quasi Kaltstart. Daraufhin trabte ich schonmal an. Dann passierte ein Unfall auf dem Springplatz (was uns natürlich keiner sagte, sondern nur, dass die Prüfung unterbrochen ist), was sicher 30-40min beanspruchte wegen dem Fehlen des Rettungswagens auf der Geländestrecke. Nach dieser ganzen Schritt-Arie war man schon ordentlich bedient als Reiter, aber für einen Unfall kann keiner was. Nur die Informationen sind dann immer sehr spärlich und nicht jeder Reiter hat jemanden auf dem Abreiteplatz, der sich dann an der Meldestelle schlau machen kann. Meine Mum war schon im Gelände…

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Trotz der langen Wartezeit war Alani ganz fit und für ihn sah ich auch keine größeren Probleme in der Strecke. Dass es ein anpruchsvoller Kurs war, kam mir mit ihm ja entgegen, um zu schauen, ob wir fit sind und guten Gewissens in die Winterpause gehen können. Das einzige, was mir natürlich Sorgen machte, war der Sprung im Wasser. Reine Psychologie. Wir starteten flott aus der Startbox, meisterten alle Aufgaben, Alani hörte wie immer fabelhaft zu und war ganz er selbst. Draußen legte er dann auch die Trägheit ab. Dann kam der Sprung im Wasser und ich hatte eine dichte Distanz, hatte ihn aber vorher extra nochmal hochgeholt und aufmerksam gemacht. Oha – was machte er für einen Satz. Die Beine schön nach oben geschraubt. Den Fehler hat er sich sehr wohl gemerkt, hat die Aufgabe aber so phänomenal gut gelöst !! Wahnsinn <3 Am Ende: In der Zeit im Ziel 😉 Braves Pony.

Da sie ja so viel Verzug hatten, hatte die Meldestelle sich gedacht, dann lassen wir die Pause innerhalb meiner Abteilung einfach weg. Haha, gute Idee, schlechte Umsetzung, denn die Pause war ja für die Reiter mit 2 Pferden absolut notwendig, um das erste Pferd wegzubringen und das zweite vorzubereiten. Nachdem Alani da so super durchliefm entschied ich mich, es auch mit Teddy zu versuchen. Ich war nach dem Abgehen erst nicht so davon überzeugt, ihn in dem Kurs zu reiten – weil ich einfach keine Lust auf einen schlechten Saisonabschluss hatte.. Aber Alani gab mir das nötige Vertrauen.

Schnell Teddy fertigmachen.. Mama kümmerte sich schon um Alani und packte ihn dann auf den Anhänger, während ich schon rüberritt. Dort war nur die Devise: Wer fertig ist, kann rein. Bist du fertig? Nein, ich würde gerne noch 2 Probesprünge machen.. man man man. Teddy war vor dem Start etwas nervös und zog auch noch nicht so gut. Kann man den Pferden ja aber auch nicht verdenken bei der Hektik. Als es dann aber aus der Startbox rausging, war er an und ich merkte, wie der Terrier rauskam. Mit ihm hatte ich am meisten Sorge vor dem Coffin, weil er eh nicht so grabenfest ist und bei Sprung 3 eben auch noch nicht so in Gang, dass er das managt. Genau so war es auch. Ich machte zwar Druck, er sprang auch A rein, aber stoppte vor dem Grabenteil B. Konnte ich ihm nicht so richtig verübeln. Zweiter Anlauf und durchgezogen. Danach war er so richtig an. Die Kombination mit dem dicken Tisch in der Senke machte er auch super – sogar mit der weiten Distanz flog der Kleine da rüber. Den Sprung im Wasser meisterte er klasse. Eigentlich kam ich noch dichter als mit Alani, aber Teddy hat echt 1000 Beine und sprang ohne Probleme. Beim zweiten Wasser guckte er sich ganz schön fest. Da musste ich mit der Stimme dann etwas nachhelfen, weil ich einen zweiten Stopp innerhalb der Strecke echt nicht wollte. So kamen wir ins Ziel – TOTAL HAPPY (Trotz Stop), weil ich irgendwie mit ihm nicht damit gerechnet hatte, hinten anzukommen. Aber er hatte alle anderen Herausforderungen so gut gelöst! Ach, wie schön.

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Nachdem die Pferde dann beide auf dem Anhänger waren, war der Stress endlich mal rum. Alle beide gut durch den Tag bekommen. Die Platzierungen sollten eigentlich immer im Anschluss an die jeweilige Abteilung stattfinden. Das klappte natürlich nur zeitversetzt. Um 16:30 sollte dann endlich unsere Platzierung sein und ich hatte vorher nicht ein einziges Mal Ergebnisse gesehen. Wir standen also vor der Meldestelle noch etwas herum und unterhielten uns. Dann kam eine Mitsreiterin und verkündete mir, dass ich ja gewonnen hätte 😀 Totaler Wahnsinn! Also, wenn man mit nichts rechnet, isses ja doch umso schöner.

Bei der Platzerung nahm ich dann meine Schleife und eine Decke entgegen (die passt auf Teddy, hat er also auch noch was von) und dann ging es auf den Heimweg.

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Insgesamt muss ich sagen, dass Mechtersen sich dieses Jahr glaube ich mit den vielen kleinen Abteilungen (3 Prüfungen mit jeweils 2 Abteilungen) wohl etwas übernommen hat. Organisation ist echt alles und damit steht und fällt ein Turnier. Mich hat das dieses Jahr in Rüspel schon genervt, aber Mechtersen hat noch einen draufgesetzt. Auch, wenn ich die Prüfung gewonnen habe, super happy mit der Leistung der beiden Pferde war und damit auch einen guten Saisonabschluss gefeiert habe, war das dennoch der sicher stressigste Tag der Saison und überhaupt kann ich mich an kein Buschturnier erinnern, dass so hektisch war. Man hatte ja auch keine Zeit, mal mit Leuten rumzuplappern oder anderen zuzugucken oder oder oder. Das ist schade, wenn sowas auf der Strecke bleibt.

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5 Kommentare bei „Alles unter Stress“

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Sieg! So eine Hektik macht wirklich keinen Spaß, vor allem noch mit zwei Pferden. 50 Minuten vorziehen geht ja mal gar nicht! Ich hoffe ihr habt den Veranstaltern höflich aber bestimmt eure Meinung dazu gesagt. Die Begründung ist ja mal unter aller Sau. Langer Anreiseweg ist ja erstens nun nichts, was nicht schon beim Erstellen der Zeiteinteilung bekannt wäre und zweitens rechtfertigt das sicher nicht allen anderen den Tag über totalen Stress zu machen. Ganz zu schweigen dass mit diesem Argument die Dressur auch frühestens um zehn anfangen dürfte…
    Bei unserem Hausturnier ist so etwas ähnliches auch mal passiert. Da sollte irgendeine Ehrung vom Verband noch auf jeden Fall vor dem Regen durchlaufen und um das zu erreichen wurde die E-Dressur davor dann zu viert geritten (sonst hier immer paarweise). Doppelt so viele Pferde auf dem Abreiteplatz und totales Chaos in der Prüfung! Der Vorstand hat daraus gelernt und lässt sich in Zukunft nicht mehr von altehrwürdigen Schreibtischtätern bequatschen…

  2. Mechtersen2016
    Herzlichen Glückwunsch zu den persönlichen Erfolgen und zu den guten Filmen.

    Auch Veranstalter haben eine Seele!

    Veranstalter geben auf! Warum?
    Kein eigenes geeignetes Gelände ,
    Die Abhängigkeit von Grundbesitzern,
    Die Nutzung der Ackerflächen und die Zeit der Ernte
    Umfangreiche Erdarbeiten um eine gute Strecke immer wieder auf neuen Wegen zu gestalten.
    Der Bau neuer Hindernisse( je nach Aufwand schnell mal 2000 – 3000 € teuer) werden gebraucht.
    Die Erstellung der Strecke mit allen Sicherheitsanforderungen für Reiter, Pferde und Zuschauern. Nicht zu vergessen den zufälligen Spaziergängern die keine Ahnung haben und häufig auch noch negativ eingestellt sind, wenn Reiter mit Ihren großen Pferden in atemberaubenden Tempo durch den friedlichen Wald galoppieren.
    Eines der größten Probleme allerdings ist die Motivation der Helfer. Sowie die Anzahl der Helfer.
    Natürlich nicht zu vergessen die Qualifikation. Eine Schreiberin auf einem Turnier, muß sich Stundenlang die Finger krumm schreiben, bis das Handgelenk schmerzt und nichts mehr geht. Wieviel Leidenschaft steckt dahinter, beim nächsten Turnier sich wieder morgens um 7°° im Morgentau, in einen nicht beheizten Pferdeanhänger zu setzen!
    Die Parcourshelfer: Stangenaufheben ohne zu behindern, harken an den strapazierten Flächen.
    Das Wetter spielt bei den stundenlangen Springen auch nur eine kleine Rolle oder?
    Der Einlass ein geliebter Job die robusten Persönlichkeiten die dort gebraucht (verbraucht) werden stehen in einem Verein förmlich Schlange.
    Die Hilfsrichter an den Geländehindernissen eine ganz besondere Spezies! Funkkette halten, genau beobachten, Publikum informieren und für Sicherheit sorgen, stundenlang, irgendwo auf Feld, Wald und Flur warten, Wetter egal, Stechmücken egal, häufig einen Scheiß Stuhl u.s.w., u.s.w.…… Das Schöne daran ist, sich schon auf die nächste Veranstaltung zu freuen um das gleiche wieder zu erleben. Ganz nah an der Krone der Reiterei.

    Eine Kernfrage für mich in der Vielseitigkeit ist:
    Helfen optimale Sandplätze für Dressur und Springen dem Vielseitigkeitspferd auf seinem Weg zu höherer und besserer Leistung. In meinen Augen nicht. Eine solide Ausbildung verlangt Trittsicherheit auf verschiedensten Böden. Begleitet durch einen guten Beschlag. Ausbalancierte Bewegung bergauf, bergab bringen alle wichtigen Muskelgruppen zum Arbeiten. Natürliche Bewegung ohne manipulierende Hilfsmittel. Halt die Krone der Reiterei.
    Der große Reiz in der Vielseitigkeit liegt doch in der Anforderung durch die Strecke: Geländeprofil, Bodenverhältnisse, Witterung, Waldstrecke; offene Wege, Äcker und Wiesen alles gehört dazu. Ein passionierter Vielseitigkeitsreiter aus dem Norddeutschen Tiefland sammelt dann in Deutschen Mittelgebirgen ganz neue Erfahrungen in Sachen bergauf – bergab. Lehmböden, Sandböden, steinige Böden, alles gehört zur Krone der Reiterei.
    Ein Sport der viel Mut und Ambition verlangt. Aus eigener Erfahrung möchte ich noch hinzufügen das ein Start in der Fremde, mit ganz anderen Anforderungen wie in der Heimat, immer eine tolle Erfahrung ist und gerade dann, wenn das Pferd und der Reiter miteinander eine Strecke absolvieren und mit den Anforderungen auch mal an Ihre Grenze gehen, dann ist man ganz nah dran an der Krone der Reiterei.
    Der Reiter mit seiner besonderen Verantwortung für sein Vielseitigkeitspferd. Grundsolide Ausbildung heißt bei jedem Wetter draußen zu Arbeiten. Ganz neue Erfahrung sammeln auf einer Wiese am Waldrand, dressurmäßige Arbeit bis in die Dunkelheit und immer mehr fühlen als sehen.

    Das bei Eintages- Prüfungen ganz besondere Anforderungen gestellt werden, ergibt sich aus der Situation. An dieser Stelle gehören die eigenen Möglichkeiten auf den Prüfstand:
    Bin ich als Reiter in einer guten Verfassung? Konditionell, reaktionsschnell, selbstkritisch genug die eigenen Fähigkeiten und die gestellten Anforderungen richtig einzuschätzen.
    Die Anforderungen an das Pferd sind hier auch sehr hoch. In Gesprächen mit Teilnehmern wird immer wieder vertreten das ein gutes Pferd eine solche Prüfung einfach so kann. Dem muß man heftig wiedersprechen. Es sind 3 Teilprüfungen mit ganz unterschiedlichen Anforderungen zu erfüllen. Eine normale Reitpferdekondition, 1 Stunde reiten am Tag sind nicht den Anforderungen entsprechend. Gründe wie berufliche Beanspruchung dürfen nicht dazu genutzt werden, um nicht optimal vorbereitete Pferde in eine solche Prüfung zu schicken. Die Krone der Reiterei hängt da sehr hoch.
    Als überzeugter Freund der Vielseitigkeit, liegt es mir am Herzen, das alle die, die meine Passion mit mir teilen, mit allen Mitteln daran arbeiten, die Krone der Reiterei von der Basis an bis in die Spitze zu erhalten. Ein guter sauberer Sport hat seine Zukunft. Ihr können Medial aufzutreten sollte genau in diese Richtung gehen, dann werden sich auch viele Sponsoren finden, die unseren Sport unterstützen. Das auch der aufstrebende Amateur dann auch noch einen Geldpreis für seine Platzierung bekommt.
    Freuen sie sich auf jede Vielseitigkeitsveranstaltung auf der Sie starten können, es werden noch garantiert weniger werden, weil auch die medialen Ansprüche immer höher werden und Veranstalter leider nicht auf Bäumen wachsen.
    Hier noch ein kleiner Tipp für Ihren schönen Braunen der leider in der einzigen engen Rechtswendung nur zum Kreuzgalopp gewechselt ist. Mehr innerer Schenkel in der Einleitung des fliegenden Galoppwechsel. Dann bleibt das Gefühl auch in dieser Wendung gut.
    Dann noch etwas zum Abreiteplatz Springen. Samstags gab es eine CCI 1*in der der FEI Delegierte den Vorbereitungsplatz Springen geprüft und für diese Veranstaltung als Regelkonform abgenommen hat.
    Mit reiterlichen Grüßen!
    Heinz Peter Schwingen

    1. Lieber Herr Schwingen,
      Erstmal vielen vielen Dank für die wirklich ausführlichen Worte und dass Sie Ihre Meinung mit mir und der Community austauschen. Viele Dinge sehe ich genauso. Und ich bin schon deutschlandweit auf sehr vielen unterschiedlichen Strecken unterwegs gewesen, viele mit deutlich schlechteren Voraussetzungen als Mechtersen. Bin auf schrägen Plätzen geritten, hab auf kleinen Abreiteplätzen vorbereitet, etc. Ich stimme ihnen zu, dass im Busch sicherlich keine Plätze mit der Wasserwaage ausgemessen sein müssen.
      Auch habe ich schon mehrmals mit meiner Mutter damals in Hessen Vielseitigkeitsturniere selbst organisiert. Ich weiß also, wieviel Mühe dahintersteckt, wieviel Arbeit, wieviel Motivation, um genügend Leute zusammenzubekommen.. undsoweiter undsoweiter. Und wir wollen ja auch alle dasselbe: den Sport unterstützen. Auch ich tue das als Reiter mit einer Nennung und vor allem als Blogger, da ich den Sport weiter verbreite und eine Plattform biete, auf der man sich austauschen kann. Aber ich bin mittlerweile auch so lange dabei, dass ich mich als Reiter nicht mehr gerne herumschubsen lasse. Denn das macht einfach keinen Spaß. Und das gehört (wenigstens) dazu, wenn man als Amateur sein Wochenende opfert und losfährt. Ich finde es einfach sehr ärgerlich, wenn es an sowas wie „Organisation“ scheitert, wenn man so tolle Voraussetzungen hat. Die Masse der nicht-gelingen-wollenden Kleinigkeiten hat dieses Jahr den Ausschlag dazu gegeben, dass mir das Turnier wirklich negativ in Erinnerung bleibt (und das bei einer so guten Platzierung).
      Ich hoffe, ich konnte Ihnen entsprechend antworten und möchte betonen, dass es meine persönliche Erfahrung der Veranstaltung war – auch noch mit 2 Pferden, was den Stress sicher erhöht. Nur habe ich bemerkt, dass ich nicht die einzige war, die mit sehr hohem stresspegel durch den ganzen Tag „gerast“ ist. Und so wird die Vielseitigkeit (gerade bei den kleineren Prüfungen) sicher auch nicht gefördert.
      Herzliche Grüße,
      Juliane Barth

  3. Schade hatte gestern einen Kommentar mit vollem Namen und mail Adresse eingestellt. Können Sie mir weiterhelfen wo er geblieben ist? Mit reiterlichen Grüßen. Heinz Peter Schwingen

    1. Hallo Herr schwingen,
      Ich muss Beiträge erst genehmigen, bevor sie auf meinem Blog erscheinen und da ich bis gestern Nacht unterwegs war, konnte ich ihn noch nicht freigeben. Nun ist ihr ausführlicher Kommentar aber online. Ich werde mich dazu heute Abend noch melden. Vielen Dank erstmal für Ihre Mühe!

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