10 Fakten über Pferde im Flugzeug

Heute gehts für unsere deutschen (und viele andere) Pferde los – Richtung TRYON!!

Doch wie läuft das eigentlich ab, wenn Pferde fliegen? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammentragen (in Zusammenarbeit mit Vielseitigkeitssport Deutschland), denn Wettkampf-Pferde sind eine teure Fracht und eine komplexe logistische Aufgabe. In die USA geht es aber nur im Flieger 🙂

1. Welche Fluggesellschaften transportieren überhaupt Pferde?

Pferde werden als „Luftfracht“ transportiert. Unter den deutschen Fluggesellschaften ist Lufthansa die einzige Airline mit Frachtflugzeugen, die sich für den Pferdetransport eignen. Somit können Pferde nur von einem deutschen Flughafen aus reisen, welcher auch von Lufthansa Cargo bedient wird (Berlin, Frankfurt, Leipzig, Köln, Düsseldorf, München, Hamburg u.a.).

Zu den WEG in Tryon fliegen die Pferde allerdings von Lüttich, Belgien aus. Das spezialisierte Pferde-Transportunternehmen Peden Bloodstock ist zusammen mit der Firma The Dutta Corp verantwortlich. In USA landen die Pferde dann in Greenville (GSP), dort werden sie weiter verladen auf LKW, mit denen sie die 82 Kilometer nach Tryon hinter sich bringen.

2. Was passiert am Flughafen?

Internationale Pferdetransporte müssen spätestens 48 Stunden vor Transportbeginn beim zuständigen Veterinäramt angemeldet werden. In Deutschland verfügen die Flughäfen in Leipzig und Frankfurt über spezielle Tierstationen in ihren Frachtzentren. In Frankfurt werden Pferde beispielsweise von Mitarbeitern der „Animal Lounge“ betreut, d.h. Aufenthalt, Unterbringung und Versorgung, die Betreuung durch geschulte Mitarbeiter usw. Für den Weg nach Tryon ist dafür Emirates SkyCargo verantwortlich. Die Pferde fliegen in einer Boeing 777.

3. Wie sieht es im Flieger aus?

Eine transportable Palette mit dem Flugcontainer („Air stable“), die in den Frachtraum des Flugzeuges geschoben wird, fasst drei Pferde. Durch Veränderung der Trennwände lässt sich das Platzangebot variieren: Reisen zwei Pferde in einem Container, entspricht das der „Business Class” mit mehr Platz. „First Class“ hingegen bedeutet: Auf eine Trennwand bzw. eine Zuladung wird ganz verzichtet, und das Pferd hat den Container für sich allein.

Für den Transport nach Tryon bekommt jedes Pferd seine eigene Reisebox mit individuell einzustellender Klimaanlage. Allein das Equipment für die Pferde aus Europa wiegt über 1235 Tonnen und reicht von Sätteln, Zaumzeug, Decken und Putzzeug bis hin zu Schubkarren und Forken, Stollen, Hufeisen sowie 51 Tonnen Futter, Reiseverpflegung und 20 Liter Wasser pro Pferd.

© FEI / Jon Stroud Media – Quelle: obs/FEI Fédération Equestre Internationale/Jon Stroud Media

4. Begleitung des Pferdes

Im Einzelfall darf man sein Pferd während des Fluges auch selbst begleiten, füttern und tränken. Für Begleitpersonen stehen in den Frachtflugzeugen Sitzgelegenheiten zur Verfügung. Das muß aber vorher abgeklärt werden. Ein besonderer Service, den es manchmal inklusive, manchmal gegen Aufschlag gibt, ist der sogenannte „Horse Steward“ – eine Begleitperson mit veterinärmedizinischen Kenntnissen, die während der ganzen Reisedauer beim Pferd bleibt und es versorgt.

Im Fall der WEG macht dies Carmen Thiemann, die Pflegerin von Ingrid Klimke für alle 5 Pferde. Dazu kommt ein Tierarzt, welcher die ganze Zeit, also auch in der Quarantänezeit dabei ist.

5. Welche Voraussetzungen gelten für Pferde?

Für die Beförderung in einem Flugzeug benötigen Pferde den „Equidenpass“: ein Identitätsdokument, das bei jedem Transport Auskunft über alle erfolgten medizinischen Behandlungen geben muss. Beachten Sie die Quarantäne- und Zollbestimmungen des jeweiligen Ziellandes (bei Einreise in die USA z.B. eine bis zu 30-tägige Quarantäne nach Ankunft). In Tryon sind dies allerdings nur 48 Stunden. (Falls das Pferd im Ausland verkauft werden soll, braucht man noch Eigentumsurkunde und den Kaufvertrag.)

6. Kosten einer Flugreise für Pferdes?

Tierspeditionen stellen bei einer konkreten Anfrage einen Kostenvoranschlag zusammen. Sie können von Kosten zwischen 5.000 und 13.000 EUR pro Pferd ausgehen. Für Tryon zahlt dies der landeseigene Verband, für die deutschen Pferde die FN.

7. Wie erleben die Pferde die Reise?

Pferde sind Fluchttiere. Fremde Gerüche und Geräusche sowie ihnen unbekannte Objekte können sie verunsichern. Eine Flugreise stellt deshalb eine besondere Herausforderung für sie dar. Vorteilhaft ist in diesem Zusammenhang, dass der Flugcontainer, in den das Pferd vor Abflug verladen wird, einem Pferdeanhänger sehr ähnlich ist. Auch die Anwesenheit anderer Pferde sowie die möglicher Begleitpersonen kann stresslindernd wirken.

„Ich bin schon häufiger mitgeflogen, die verkraften das sehr gut“, berichtet ein Tierarzt. „Das ist weniger wackelig als auf dem Lastwagen.“ Die fliegenden Pferdetransporte starten und landen in einem flacheren Winkel als Passagiermaschinen.

8. Jetlag?

Auch Pferde leiden unter Jetlag. Nicht gleich nach dem Flug, aber angeblich haben Pferde etwa zwölf Tage danach haben ein absolutes Formtief. Aber da sollte die WM ja schon vorbei sein.

9. Was gibts zu essen?

Vor dem Flug bekommen die Pferde meist eine Art Mash. An Bord bekommen sie Heu und 40 Liter Wasser. Einige Pferde stehen auf Schorle. Bei ihnen gibt man einen Schuss Apfelsaft in das Wasser, um es schmackhafter zu machen.

10. Hier gibt es Film und Broschüren dazu:

FEI Facebook Video vom 04.09.2018:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/Wie-geht-Pferde-verschicken,sendung538800.html

www.lufthansa-cargo.com

3 Kommentare bei „10 Fakten über Pferde im Flugzeug“

  1. Mega interessanter Beitrag! Hab mich schon so oft gefragt, wie das alles logistisch gemeistert wird!
    Haben Pferde eigentlich auch Probleme mit dem Druckausgleich, den wir Menschen teilweise beim Fliegen haben?

    Liebe Grüße Moni

    1. Das mit dem Druckausgleich weiß ich auch nicht genau, da muss ich mal einen Tierarzt fragen. Aber es heißt auf jeden Fall, dass die Flieger deutlich niedrigeren Winkel fliegen 🙂

    2. Ich denke, die Pferde bekommen auch deswegen Heu zum kauen (und zur Beruhigung) und werden wahrscheinlich instinktiv gähnen, um den Druck auszugleichen, falls kauen nicht ausreicht. Dies ist aber nur meine Vermutung. 🙂

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